Die Bestellungen bei der deutschen Industrie sind im August um über zehn Prozent eingebrochen – nach einem kräftigen Plus im Juli. Solche Ausschläge sind nicht neu. Neu ist, wer hinter den großen Aufträgen steht. Und das verändert, was die Zahlen über die Lage der Industrie aussagen.


Ein Muster, das sich wiederholt

Laut Statistischem Bundesamt gingen im August 10,6 Prozent weniger Aufträge bei der Industrie ein als im Juli. Fast der gesamte Rückgang betrifft einen einzigen Bereich: den Bau von Schiffen, Zügen, Flugzeugen und Militärfahrzeugen. Dort hatten sich die Bestellungen im Juli wegen einiger außergewöhnlich großer Aufträge mehr als verdoppelt; im August fehlten solche Aufträge.

Dieses Auf und Ab ist nichts Neues. Schon 2024 schnellten die Bestellungen im Juli dank mehrerer Großaufträge für Flugzeuge und Schiffe nach oben, um im August wieder abzustürzen – fast dasselbe Muster wie in diesem Jahr. Einzelne Riesenaufträge verzerren die Monatszahlen seit Jahren.

Wer heute bestellt

Geändert hat sich die Herkunft der großen Aufträge. Seit Herbst 2025 stammen sie zunehmend aus der Rüstung und aus staatlich finanzierten Infrastrukturprojekten wie Bahn und Schiffbau. Ein Hinweis darauf: Der August-Rückgang kam überwiegend aus dem Inland. Die Bestellungen aus Deutschland fielen um 17,3 Prozent, die aus dem Ausland um 5,4 Prozent.

Damit erzählen die beiden Reihen, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht – die Bestellungen insgesamt und die Bestellungen ohne Großaufträge –, inzwischen zwei verschiedene Geschichten. Die Gesamtzahl zeigt zunehmend, was der Staat bestellt. Die Zahl ohne Großaufträge zeigt, was die übrige Wirtschaft bestellt.

Was die übrige Wirtschaft bestellt

Und diese zweite Geschichte ist ernüchternd. Ohne Großaufträge lagen die Bestellungen im Juni, Juli und August jeweils unter dem Vormonat. Im Dreimonatsvergleich ergibt sich ein Minus von 2,6 Prozent, während die Gesamtzahl um 1,3 Prozent stieg. Die Commerzbank weist darauf hin, dass sich die Aufträge ohne Großaufträge seit zweieinhalb Jahren auf niedrigem Niveau seitwärts bewegen.

Was das für die Rekord-Auftragsbücher heißt

Die Auftragsbücher der Industrie sind so voll wie nie seit Beginn der Statistik 2015: Rechnerisch hätten die Betriebe neun Monate lang zu tun, ohne einen einzigen neuen Auftrag. Doch auch dieser Zuwachs stammt vor allem aus dem Bau von Schiffen, Zügen, Flugzeugen und Militärfahrzeugen – Aufträgen, deren Abarbeitung Jahre dauert. Bei Herstellern von Vorprodukten und Konsumgütern reichen die Aufträge unverändert nur gut vier Monate, in der Autoindustrie schrumpfen die Auftragsbücher.

Der Rekord und das Auftragsplus beschreiben damit vor allem die staatliche Nachfrage nach Rüstung und Infrastruktur, nicht die Verfassung der Industrie insgesamt. Diese Deutung ist vorläufig korroboriert, nicht mehr. Widerlegt wäre sie, wenn die Bestellungen ohne Großaufträge in den kommenden Monaten wieder spürbar zulegen.

Ralf Keuper


Quellen