„Willkommen auf der Party“, sagte Telekom-Chef Tim Höttges Anfang November bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal. Gemeint war der geplante Einstieg von SpaceX in den Mobilfunk unter dem Namen Starlink Mobile. Die Botschaft war Gelassenheit: Wer ein Mobilfunknetz bauen wolle, brauche Geld, Spektrum und Zehntausende Standorte, und das dauere Jahre. Zugleich sagte Höttges, SpaceX schaffe eine neue Kategorie, und er nehme das ernst. Beides zusammen ist der interessante Teil. Denn wer ernst nimmt und zugleich gelassen bleibt, hat sich auf einen Maßstab verlassen, an dem sich entscheidet, ob die Gelassenheit trägt.

Höttges misst mit Megahertz, Masten und Kapital, also mit den Kennzahlen des Systems, das er verteidigt. Ein Angreifer, der ein anderes System baut, wird an diesen Größen nicht scheitern, sondern an anderen. Die Geschichte kennt diese Konstellation. Bei der Glühlampe gegen das Gaslicht, bei Nokia und Apple, bei der deutschen Autoindustrie und Tesla stimmten die Einwände der Etablierten sachlich und sagten trotzdem wenig über die Entwicklung. Am aufschlussreichsten ist ein Fall aus der Mobilfunkbranche selbst: Research in Motion, der Hersteller des BlackBerry, machte die Netzbetreiber zu Verbündeten und bereitete damit die Bahn, auf der Apple später fuhr. Ob sich dieses Muster bei Starlink Mobile wiederholt, ist offen. Dieser Beitrag geht der Frage nach, woran sich das erkennen ließe.


Was an Höttges‘ Rechnung stimmt

Die Argumente sind sachlich nicht schwach. Nach Höttges‘ Rechnung verfügt SpaceX über höchstens 79 Megahertz Spektrum, T-Mobile US dagegen über rund 400. Das Netz der Telekom-Tochter zählt nach Konzernangaben 85.000 Antennen. Der Kapitalbedarf, den ein vollwertiger Betreiber aufbringen müsse, liege geschätzt bei rund 200 Milliarden. Und im dichten Siedlungsraum, so sein Einwand, ergebe es wenig Sinn, ein Gespräch 400 Kilometer in den Himmel und zurück zu schicken, wenn ein Mast in zehn Metern Entfernung steht.

Das ist im Kern richtig. Die Kapazität im Ballungsraum hängt an Zellen, Spektrum und Standorten, und ein Satellit ersetzt das nicht. Auch der Zeitplan spricht für ihn: Die Übertragung der EchoStar-Lizenzen an SpaceX soll nach den vorliegenden Berichten erst Ende 2027 abgeschlossen sein.

Der Maßstab

Auffällig ist, womit Höttges misst: mit Megahertz, Masten und Kapital. Das sind die Kennzahlen des bestehenden Systems. Sie beschreiben, was ein…