In Hagen und Umgebung hängt eine Kette aneinander: Walzdraht, Beizen und Ziehen, Härten und Beschichten, am Ende Federn, Scheiben, Stanz- und Umformteile für Autoindustrie, Maschinenbau und Verbindungstechnik. Alle Stufen stehen unter Druck, aus verschiedenen Gründen. Am Anfang wird Kapazität verkauft, stillgelegt oder gebündelt, so beim Hagener Drahtwalzwerk der Deutschen Edelstahlwerke und beim Stahlwerk in Siegen. Am Ende fehlt Nachfrage, und Schmieden, Schraubenhersteller und Gießereien in ganz Deutschland melden Insolvenz oder schließen. Die Mitte hängt an Mengen, die schrumpfen, während einzelne Betriebe dort neue Anlagen bauen, die sie künftig auch für Dritte betreiben wollen. Der Beitrag fragt, wer in dieser Lage warten kann und wer nicht, und was es bedeutet, wenn die Regionalpolitik auf „vorhandene Kompetenzen“ setzt, obwohl das eigentliche Problem die Auslastung ist. Die Hagener Stahlwarenfabrik Rudolf Rafflenbeul, deren Beizanlage 2021 abbrannte und deren Neubau nun für Dritte öffnen soll, dient als Beispiel mit ungewöhnlich guter Datenlage, neben anderen. Die Aussagen sind vorläufig korroboriert, mehr nicht.
Eine Kette, kein Sektor
Wer über „die Metallindustrie in Südwestfalen“ spricht, meint meist einen Sammelbegriff. Für Hagen und den Märkischen Kreis trägt er schlecht. Es handelt sich um eine Kette von Stufen, die technisch aufeinander angewiesen sind:
- Vormaterial: Warmgewalzter Draht und Stahl, in Hagen vor allem aus dem Drahtwalzwerk der Deutschen Edelstahlwerke (DEW), einer Tochter von Swiss Steel.
- Oberflächenbehandlung und Ziehen: Beizen heißt, Walzdraht in einem chemischen Bad von Zunder und Oxidschichten zu befreien; erst danach lässt er sich ziehen. Die Stufe ist unscheinbar und unverzichtbar.
- Veredeln und Umformen: Härten, Beschichten, Stanzen, Biegen, Wickeln, Kaltumformen zu Federn, Schrauben, Scheiben und Formteilen.
- Abnehmer: vor allem Automobil, Maschinen- und Anlagenbau, Elektro- und Verbindungstechnik.
Im Raum Hagen, Ennepetal, Schwelm, Witten, Iserlohn und Plettenberg sitzen auf diesen Stufen zahlreiche meist mittelständische Betriebe. Branchenverzeichnisse und Firmenprofile nennen unter anderem Federnhersteller wie VDF Vogtland, platzmann federn, C.M. Pieper, Federnwerke J. P. Grueber, Luhn & Pulvermacher Dittmann & Neuhaus und die Hohenlimburger Federnfabrik, außerdem Möller & Röding/Linnepe, ROSTA, Springtec, Adolf Brenne, die Mecanindus Vogelsang Group, RS Randack Spezialschrauben sowie, auf der Vorstufe, C.D. Wälzholz und Huesecken Wire. Für diese Betriebe liegen hier nur Verzeichnis- und Selbstdarstellungsdaten vor, keine Abschlüsse. Wie es ihnen wirtschaftlich geht, sagt dieser Beitrag deshalb nicht. Belegt ist nur, dass es sie gibt und dass sie dieselbe Kette bilden.
Bundesweit ist der Wirtschaftszweig, in den Ketten, Federn und Drahtwaren statistisch fallen, kein kleiner: IBISWorld schätzt seinen Umsatz für 2025 auf 5,9 Milliarden Euro, bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von nur 0,4 Prozent über fünf Jahre. Nominal bedeutet das Stagnation, real einen Rückgang. Größter Einzelposten ist der Hammer Drahthersteller Westfälische Drahtindustrie mit rund 270 Millionen Euro Umsatz (2024).
Drei Zonen, drei Probleme
Am Anfang: Kapazität wird abgebaut
Swiss Steel hat im Oktober 2026 angekündigt, die DEW umzubauen und die Standorte Hagen und Krefeld zu verkaufen. Findet sich kein Käufer, soll das Hagener Drahtwalzwerk mit rund 300 Beschäftigten geschlossen werden. Der Absatz dort hat sich zwischen 2018 und 2025 mehr als halbiert; Mengen, die nach der Flut vom Juli 2021 verloren gingen, kamen nicht zurück; über 70 Prozent der Kunden stammen aus der Autoindustrie.
Das Walzwerk ist eine Vorstufe, an der regionale Drahtzieher, Beizer und Umformer hängen können; wer von dort wie viel bezieht, ist nicht öffentlich dokumentiert. Belegt ist nur der Verkaufs- und Schließungsplan. Dasselbe Konzernprogramm lässt das Stahlwerk Siegen voraussichtlich ab Mitte 2028 ruhen, das Siegener Walzwerk soll künftig mit Stahl aus Witten arbeiten.
Die Urban Group, ein Hagener Hersteller hochfester Stähle für Verteidigung, Energie und Infrastruktur, musste im April 2025 in die vorläufige Insol…
