Neue Heimat, co op, BfG, Volksfürsorge – vier Namen, die in der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte für spektakuläre Niedergänge stehen, meist erzählt als vier getrennte Geschichten. Tatsächlich handelt es sich um eine einzige Geschichte: die der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften (BGAG), die zwischen 1974 und den 2000er Jahren fast ihr gesamtes Portfolio verlustreich abstoßen musste. Der Beitrag rekonstruiert die BGAG als Konstellation – und fragt, was ihr Scheitern über die Kontrollfähigkeit gemeinschaftlich getragener Institutionen aussagt.


I. Eine Holding, vier Beteiligungen, ein Muster

Wer die Geschichte der Neuen Heimat, der co op AG oder der BfG, liest, liest gewöhnlich eine Personengeschichte: hier ein selbstherrlicher Manager, dort ein Bilanzfälscher, dazwischen ein Aufsichtsrat, der zu spät oder zu nachsichtig reagierte. Diese Lesart ist nicht falsch, aber sie verstellt den Blick auf die eigentliche Struktur. Alle vier Fälle – Neue Heimat, co op, BfG Bank, Volksfürsorge, dazu eine Reihe kleinerer Medien- und Infrastrukturbeteiligungen – liefen über eine einzige Holding: die 1974 gegründete Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften, kurz BGAG. Was wie eine Kette unabhängiger Wirtschaftsskandale wirkt, ist bei näherem Hinsehen der sukzessive Ausverkauf eines einzigen, überforderten Holdingkonstrukts.

Diese Verschiebung der Perspektive – von der Personengeschichte zur Konstellationsanalyse – ist mehr als eine erzählerische Umstellung. Sie verändert die Diagnose. Nicht: Warum versagten einzelne Manager? Sondern: Warum versagte eine bestimmte institutionelle Form, mehrfach, in unterschiedlichen Branchen, unter wechselndem Spitzenpersonal, aber mit erstaunlich stabilem Muster?

II. Gründung und Programmatik: Die BGAG als „dritter Weg“

Die BGAG entstand im November 1974 auf Initiative Walter Hesselbachs, zunächst mit einem vergleichsweise engen Zweck: Sie sollte der BfG – der Bank für Gemeinwirtschaft, damals immerhin die viertgrößte Privatbank der Bundesrepublik – eine stabile Eigenkapitalbasis verschaffen. Aus diesem Kern wuchs binnen weniger Jahre ein diversifizierter Beteiligungskonzern mit drei Sparten: Finanzdienstleistungen (BfG, Volksfürsorge, später BSV, BHW, AHBR), Immobilien und Handel (Neue Heimat, ALLWO, co op, Baubecon) sowie Medien und Infrastruktur (Bund-Verlag, Büchergilde Gutenberg, diverse Druckereien und IT-Gesellschaften).

Programmatisch stand dahinter die Idee der Gemeinwirtschaft: Unternehmen, die nicht in erster Linie der Gewinnmaximierung, sondern gesellschaftlichen Zwecken dienen sollten – Wohnraum, Versicherungssc…