Der Mannesmann-Konzern galt als Musterbeispiel deutscher Industriegeschichte – vom Stahlrohrpionier zum diversifizierten Technologiekonzern. Doch der vermeintliche Sprung in die Zukunft des Mobilfunks wurde zum Todesstoß. Eine Fallstudie über strategische Hybris, fragwürdige Führungspraktiken und das Ende einer Ära.
Es gibt Unternehmensgeschichten, die sich wie griechische Tragödien lesen: Der Aufstieg scheint unaufhaltsam, die Protagonisten feiern ihre Weitsicht, und dann kommt der Fall – nicht als plötzlicher Absturz, sondern als schleichender Prozess, dessen Anfänge erst im Rückblick sichtbar werden. Die Geschichte des Mannesmann-Konzerns gehört zu diesen Erzählungen.
Die goldenen Jahre der Transformation
Die Nachkriegsjahrzehnte brachten Mannesmann jenen Aufschwung, den viele deutsche Industrieunternehmen erlebten. Doch anders als bei Konkurrenten an Rhein und Ruhr erkannte die Führungsspitze früh, dass der Stahl allein keine Zukunft mehr bot. Ab Mitte der 1960er Jahre begann eine Neuausrichtung, die das Unternehmen vom vertikal gegliederten Montankonzern zu einem diversifizierten Industriekonglomerat wandelte.
Die Übernahme des Hydraulik-Herstellers Rexroth, der Erwerb der Demag, der Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau und der strategische Tausch mit Thyssen – Röhrenproduktion gegen Walzwerksfertigung – markierten die Eckpunkte dieser Transformation. Die Umwandlung in eine Holdingstruktur folgte der Logik dieser Diversifizierung. Das Wirtschaftsmagazin Wirtschaftswoche würdigte diese Weitsicht 1975 mit dem Titel „Manager des Jahres“ für den damaligen Vorstandsvorsitzenden Egon Overbeck.
Die Rationalität hinter dieser Strategie war bestec…

