Porsche hat in den ersten neun Monaten 16 Prozent weniger Fahrzeuge ausgeliefert, in China ein Drittel weniger. Das im Juli vereinbarte Zukunftspaket streckt den Abbau von 5.000 weiteren Stellen bis 2035. Absatzrückgang und Abbautempo laufen derzeit in unterschiedlichen Geschwindigkeiten.


Die Zahlen

Nach Angaben des „Handelsblatt“ lieferte Porsche von Januar bis September 178.532 Fahrzeuge aus, nach 212.509 im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang betrifft alle Märkte. In China brachen die Auslieferungen um rund ein Drittel auf 21.493 Fahrzeuge ein. Der Taycan ist dort kaum noch zu verkaufen, seit Xiaomi ein vergleichbares Fahrzeug für weniger als die Hälfte des Preises ausliefert.

Linear auf zwölf Monate hochgerechnet, ergäben sich knapp 240.000 Fahrzeuge. Das liegt unter den 250.000, auf die Porsche nach Berichten des „manager magazin“ inzwischen zusteuert, und weit unter den rund 400.000, für die das Fertigungsnetz einst ausgelegt war.

Die Vereinbarung

Ende Juli einigten sich der Vorstand unter Michael Leiters, der seit Jahresbeginn Porsche-Chef ist, und der Betriebsrat auf das Zukunftspaket. Es sieht den Abbau von 5.000 weiteren Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 vor, dazu Investitionen von 2,1 Milliarden Euro und eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2035. Der Abbau soll sozialverträglich über Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge laufen. Werksschließungen stehen nicht zur Debatte.

Im Juli-Beitrag war auf Basis der „Handelsblatt“-Exklusivmeldung von bis zu 4.000 Stellen die Rede. Die vereinbarte Zahl liegt 1.000 höher. Die Richtung der Prognose „nahezu die Hälfte der Stellen bis 2030“ ist damit vorläufig korroboriert. Ihr Zeitrahmen ist es nicht: Das Paket reicht fünf Jahre darüber hinaus.

Die Lücke

Ein Abbau über natürliche Fluktuation folgt der Demografie der Belegschaft, nicht der Auftragslage. Sinkt der Absatz weiter, wächst der Überhang schneller, als er abgetragen wird. Eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2035 schränkt zudem den Spielraum für schnelleres Nachsteuern ein.

Die Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ setzt auf weniger Modelle mit höheren Stückzahlen zu höheren Preisen. Vertriebschef Matthias Becker nennt begehrte Sportwagen, Derivate und mehr Individualisierung als Schwerpunkte. Im Januar hatte der Beitrag „Die Kettensäge hilft nicht mehr“ „Value over Volume“ als Rückzug ins Hochpreissegment gelesen. Die Neun-Monats-Zahlen widersprechen dem bislang nicht: Höhere Preise sind schwer durchzusetzen, wenn ein Wettbewerber in einem Kernmarkt vergleichbare Leistung zu weniger als der Hälfte anbietet. Dass die Aktie nach dem Kapitalmarkttag von 43 auf 41 Euro fiel, ist ein Zwei-Tage-Signal, kein Befund.

Offen bleibt die Bedingung aus dem Juli: ob das Zukunftspaket das letzte bleibt. Ein Absatz, der in allen Märkten sinkt, spricht eher dagegen.

Ralf Keuper


Quellen

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