Porsche rechnet für 2027 mit dem Tiefpunkt und ab 2028 mit einer deutlichen Erholung. Die Begründung dafür liegt fast vollständig im eigenen Haus: neue Modelle, höhere Preise, niedrigere Kosten. Wer in China den Aufschlag bezahlen soll, bleibt unbeantwortet. Trägt ein Plan, der die Nachfrage voraussetzt, die ihm gerade wegbricht?


Am 27. Oktober 2026 hat Finanzchef Jochen Breckner den Zeitplan benannt. In diesem Jahr rechnet Porsche mit rund 16 Prozent weniger Absatz, das wären etwa 235.000 Fahrzeuge. 2027 soll es noch einmal abwärts gehen, Breckner nannte es ein Übergangsjahr und den Tiefpunkt. Ab 2028 erwartet er eine deutliche Erholung auf dem Weg zu den Perspektiven für 2030/31, wo das untere Ende einer Zielspanne von zehn bis 15 Prozent Rendite wieder erreicht werden soll.

Woher kommt diese Gewissheit? Aus den bisher vorliegenden Angaben lassen sich drei Quellen herauslesen. Die erste sind neue Modelle. Der Wegfall des Macan mit Verbrennungsmotor reißt 2027 eine Lücke, die ein Nachfolger mit Benzin- und Plug-in-Hybridantrieb ab 2028 füllen soll; Konzernchef Michael Leiters rechnet damit, dass dieser Macan ab 2028 oder 2029 spürbar zu Umsatz und Ergebnis beiträgt. Dazu kommt ein neues Flaggschiff oberhalb des Cayenne, ebenfalls um 2028, und der elektrische 718, dessen erstes volles Produktionsjahr 2028 sein soll. Die zweite Quelle ist der Preis: Wachstum soll vor allem aus höheren Verkaufspreisen und einem größeren Anteil teurer Fahrzeuge entstehen, nicht aus mehr Stückzahlen. Die dritte sind Einsparungen, die bereits beschlossen sind und weiter ausgebaut werden.

Alle drei Hebel liegen in Stuttgart und Zuffenhausen. Keiner beschreibt, was auf der Nachfrageseite geschehen müsste, damit sie wirken. Das ist bei Porsche eine Besonderheit, weil das Unternehmen den Ausfall gerade dort erlebt. In China ging der Absatz 2024 um 28 und 2025 um 26 Prozent zurück, im ersten Quartal 2026 um weitere 21 Prozent auf 7.519 Fahrzeuge. Über die ersten neun Monate 2026 liegt der Konzernabsatz bei 178.532 Fahrzeugen, 16 Prozent unter dem Vorjahr, und der chinesische Markt bricht um rund ein Drittel ein. Als Grund wird die Konkurrenz durch Xiaomi genannt, die ein vergleichbares Fahrzeug deutlich günstiger anbietet. Das Ergebnis nach Steuern fiel 2025 um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro.

Auffällig ist die Aufteilung innerhalb des Rückgangs. Der 911 legte im ersten Quartal 2026 noch um 22 Prozent zu, das klassische Hochpreissegment hält also. Weggebrochen sind die Volumenträger Macan und Cayenne, genau die Baureihen, in denen die neue Preisstrategie am meisten bringen müsste. Sie stehen dort im Wettbewerb mit Anbietern, die mehr Ausstattung zu niedrigeren Preisen liefern und Premium über Software und Vernetzung definieren und nicht über Herkunft. Ein Verbrenner-Macan schließt eine Angebotslücke im Programm. Dass er auch die Lücke im chinesischen Markt schließt, behauptet bislang niemand mit Belegen.

Daraus folgt eine vorläufige Lesart, die sich an den nächsten Zahlen prüfen lassen muss. Porsches 2028 ist ein Szenario, in dem sich das Angebot erneuert und die Käufer in der Zwischenzeit nicht weitergezogen sind. Die Zuversicht trägt, solange der Aufschlag am Markt durchsetzbar bleibt, und diese Bedingung wird im Plan vorausgesetzt, aber nicht gezeigt. Hinzu kommt, dass die Zeitachse selbst unsicher ist: Der elektrische 718 und das große SUV sind nach früheren Berichten bereits nach hinten gerückt, und ein Modellanlauf, der 2027 hakt, verschiebt auch das Erholungsjahr. Der Tiefpunkt als Fahrplan funktioniert nur, wenn er tatsächlich der Tiefpunkt ist.

Ralf Keuper


Quelle:

China-Debakel trifft Luxushersteller Porsche und Mercedes hart