Die deutsche Fahrradbranche steckt in der Krise: 2025 sanken Umsatz und Beschäftigung deutlich, eine wachsende Zahl von Herstellern und Zulieferern ist insolvent, quer durch In- und Ausland, und der Verband warnt vor chinesischer Konkurrenz. Die übliche Erklärung lautet: Nachwirkungen des Corona-Booms, Lagerüberhang, Preisdruck aus China. Ein Blick auf die Finanzierungsseite des Geschäfts zeigt jedoch einen zweiten, bislang kaum beachteten Befund: Seit März 2025 haben die großen Dienstradleasing-Anbieter ihre Übernahmepreise für E-Bikes fast verdoppelt – ein stilles, aber konkretes Eingeständnis, dass die Restwertkalkulation aus der Wachstumsphase nicht mehr trägt, in einem Leasingmarkt, der 2025 bereits zum zweiten Mal in Folge schrumpfte. Die Korrektur könnte sich dabei sogar gegen ihren eigenen Zweck wenden: Wird die Rückgabe des Rads gegenüber dem Kauf attraktiver, drücken die zusätzlichen Rückläufer in einen ohnehin überfüllten Markt – und verschärfen damit das Angebotsproblem, das die Branche eigentlich lösen will.


Ein Angebotsschock mit bekannter Erzählung

Im vergangenen Jahr schrumpften Umsatz und Beschäftigung in der deutschen Fahrradbranche gleichzeitig. Die Beschäftigung sank 2025 um rund drei Prozent auf etwa 74.300 Menschen, der Umsatz um etwa sieben Prozent auf 25,2 Milliarden Euro, meldet der Verband Zukunft Fahrrad. Während die Herstellungserlöse nur leicht nachgaben, brach der Umsatz im Handel um zehn Prozent ein. Nach Angaben des Branchenverbands ZIV wurden 2025 in Deutschland 3,8 Millionen Räder verkauft, nach 3,9 Millionen im Vorjahr – die Nachfrage blieb also weitgehend stabil, während die Erlöse einbrachen.

Die Erklärung, die Branche und Berichterstattung dafür anbieten, ist bekannt: Überproduktion nach dem Corona-Boom, hohe Lagerbestände, die zu Rabatten zwingen, dazu die Insolvenz der niederländischen Accell-Gruppe (Haibike, Winora, Ghost), für deren deutsche Marken inzwischen ein Investor gesucht wird. Hinzu kommt die Sorge vor chinesischer Konkurrenz – der Verband spricht von verstärktem chinesischem Export nach Europa, auch als Reaktion auf die US-Zölle, teils zu Dumpingpreisen.

Diese Erzählung ist nicht falsch, aber unvollständig. Drei Punkte verdienen eine genauere Betrachtung: Zunächst reicht die Krise über einzelne Konzernstrukturen hinaus; danach zeigen sich bei der China-Frage und bei der Wertverlust-Frage zwei weitere Aspekte, die über die reine Angebotsseite hinausweisen.

Nicht nur ein ausländisches Problem

Die öffentliche Wahrnehmung konzentriert sich bislang stark auf die niederländische Accell-Gruppe und ihre deutschen Tochtermarken Haibike, Winora und Ghost. Das lässt leicht den Eindruck entstehen, die Krise treffe vor allem ausländisch kontrollierte Konzerne, während rein deutsche Hersteller robuster dastünden. Dieser Eindruck hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Der fränkische Versandhersteller YT Industries meldete im Sommer 2025 Insolvenz an, nachdem eine erwartete Finanzspritze des Haupteigentümers ausblieb. Der Membrantechnologie-Zulieferer Sympatex Technologies sowie dessen Muttergesellschaft Smart Solutions Holding stellten im Januar 2026 einen Insolvenzantrag. Der Komponentenhersteller und Traditionsmarken-Inhaber Syntace GmbH (Liteville) geriet ebenfalls in die Insolvenz, wurde inzwischen aber von einem Investor übernommen. Eine Auswertung von Insolvenzkarte.de zählt darüber hinaus über 30 Insolvenzfälle in der Branche, darunter auc…