Was Radkaus Technikgeschichte der Rüstung über die Hoffnungen von Mittelstand und Gesamtwirtschaft sagt

Verbände, Länder und Betriebe setzen darauf, dass die Rüstung die Schwäche der zivilen Industrie ausgleicht, für den einzelnen Mittelständler wie für die Volkswirtschaft insgesamt. Joachim Radkau hält in seiner Technikgeschichte drei Befunde fest, die diese Hoffnung nüchtern einordnen: Rüstung braucht die zivile Breite. Ihre Spezialisierung entfernt sich zugleich von ihr. Und der Glaube an den fruchtbaren „Abfall“ der Militärtechnik blühte gerade dann, als beides schon nicht mehr stimmte.


1. Die Hoffnung auf zwei Ebenen

Die Erwartung, die Verteidigung könne die Lücke füllen, die Auto- und Maschinenbaukrise reißen, tritt derzeit auf zwei Ebenen auf.

Auf der Ebene des einzelnen Betriebs sucht der Mittelstand nach einem zweiten Standbein. In einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Hagen und Siegen unter 483 Industrieunternehmen sahen 57 Prozent einen Diversifizierungsbedarf, und 46 Prozent erkannten in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie Chancen für das eigene Geschäft. Das erklärte Motiv ist nicht die Anziehungskraft eines Marktes, sondern der Druck der bisherigen: Die angestammten Märkte böten allein keine ausreichende Perspektive mehr. Eine Studie über Autozulieferer in Sachsen und Thüringen, für die bundesweit 150 Zulieferer der Rüstungsindustrie analysiert wurden, spricht von einer Chance, die nicht der alleinige Rettungsanker sei. Auf der Hannover Messe 2026 gab es nach Berichten von German Foreign Policy erstmals einen eigenen Bereich für Zulieferer von Waffensystemen. Nach einem Bericht der Financial Times haben Unternehmen wie der Motorenbauer Deutz, der Laserhersteller Trumpf und der Hydraulikspezialist Hawe die lange gepflegte Zurückhaltung gegenüber Rüstungsaufträgen aufgegeben, die sich auch aus der Verstrickung der Industrie in die NS-Rüstung speiste.

Die Förderlandschaft folgt. Die Industrieoffensive Märkische Region, ein EU- und landesgeförderter Verbund aus Wirtschaftsförderern und der SIHK zu Hagen, ist dafür nur ein Beispiel. Sie benennt Sicherheit und Defence als eines von vier Fokusfeldern und führte im September eine Unternehmerdelegation auf die neue Verteidigungsmesse EUDEX in Essen. Das Land Niedersachsen unterhält ein eigenes Rüstungscluster. Baden-Württemberg und das Saarland wollen sich nach Berichten als Standorte der Verteidigungsindustrie profilieren.

Auf der Ebene der Gesamtwirtschaft wird die Rüstung als Konjunkturstütze gehandelt. Das ifo Institut beziffert den zusätzlichen Wachstumsimpuls aus Infrastruktur und Verteidigung für 2026 auf knapp 40 Milliarden Euro. Der IW-Konjunkturforscher Michael Grömling erwartet auf absehbare Zeit konjunkturelle Impulse, und das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) nennt staatliche Rüstungsausgaben ausdrücklich als Impulsgeber. Beide Ebenen beruhen auf derselben stillschweigenden Annahme: dass die Rüstungsnachfrage sich auf die zivile Industrie überträgt, sei es als Auftrag, sei es als Innovation.

2. Was Radkau festhält

Joachim Radkau, Historiker und lange Professor in Bielefeld, behandelt in seinem Buch „Technik in Deutschland“ im Kapitel zu den Kriegs-, Vorkriegs- und Nachkriegszeiten auch das Verhältnis von Rüstung und ziviler Technik. Auf den Seiten 264 bis 268 lassen sich vier Befunde unterscheiden.

Die zivile Breite ist die Voraussetzung. Radkau nennt als eine der prägenden Erfahrungen vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg, dass qualitativ hochwertige Kriegsrüstung nur auf einer breiten, soliden Basis ziviler Technik gelingt. Manöver könnten die Qualität technischer Komponenten nie annähernd so prüfen wie der ständige Gebrauch im zivilen Alltag. Heinz Guderian, der Panzergeneral, hielt es für selbstverständlich, dass die Entwicklung gepanzerter Fahrzeuge nur in enger Anlehnung an handelsübliche Kraftfahrzeuge möglich sei. Josef Winschuh, ein publizistischer Wortführer der Ruhrindustrie, erklärte 1940, die deutschen Waffen seien nur deshalb so gut, weil sie die Material- und Konstruktionserfahrungen enthielten, die man im Frieden mache. Reine Waffenschmieden würden dagegen „verkalken und einrosten“. Radkau liest das als vermutlichen Seitenhieb auf Krupp, der im 20. Jahrhundert seine technologische Spitzenstellung tatsächlich an andere Ruhrunternehmen verloren hatte.

Die Spezialisierung entfernt von der zivilen Fertigung. Je mehr die Rüstung technische Superlative verlangte, desto größer wurde der Spezialisierungsgrad der dafür nötigen Produktionstechnik, und desto weiter entfernte sie sich von den zivilen Anlagen. Radkau spricht vom Dilemma der „High-Tech“-Rüstung, das sich zuspitzte, solange für diese Spitzentechnik kein ziviler Bedarf entstand. Die wilhelminische Flottenrüstung brachte dem Handels- und Passagierschiffbau keinen durchschlagenden Vorteil. Das ausgeführte Beispiel stammt aus dem Werkzeugmaschinenbau: Pajeken, Leiter der Loewe-Werkzeugmaschinenfabrik und seinerzeit der führende Experte für amerikanische Produktionsmethoden, war in den 1890er Jahren von einem Großauftrag für Spezialmaschinen zur Waffenfertigung wenig erbaut. Er fürchtete, die Maschinen würden Konstruktionsbüros und Werkstätten blockieren und die Firma vom In- und Auslandsmarkt für Werkzeugmaschinen abschneiden. Der Firmenchef gab ihm schließlich recht. Noch im Zweiten Weltkrieg entstand die deutsche Ausrüstung überwiegend in Anlagen, die ebenso für zivile Zwecke taugten. Die voll ausgebildete, von der zivilen Technik abgehobene Hochtechnologie-Rüstung kennzeichnet nach Radkau erst die jüngste Periode der Technikgeschichte.

Der Krieg beschleunigt, er erfindet nicht. Beim drahtlosen Funk, den Radkau als „völlige Revolution“ des Krieges beschreibt, stellt er klar, dass die Innovationen als solche nicht dem Krieg zu verdanken waren. Der Krieg gab allenfalls Anstöße zu schnellerer Verbreitung, Massenproduktion, Typisierung, größeren Dimensionen und zur Politisierung. Beim Aluminium entstand 1917 mit Reichsmitteln eine Großindustrie, doch die forcierte Verwendung im Krieg hatte das Vertrauen der zivilen Käufer in das neue Metall nicht gefördert. Erst in den zwanziger Jahren wurde es zum Universalmetall. Motorisierung und Luftfahrt bekamen durch den Krieg einen mächtigen Auftrieb. Nach 1918 erwies sich aber gerade das Versailler Verbot des militärischen Flugzeugbaus als produktiver Impetus für den zivilen. Auch die Stahlindustrie zeigt nach Radkau, wie gering der schöpferische Effekt von Rüstung sein konnte: Ein Verfasser namens Vogler stellte in einer Denkschrift vom Oktober 1918 fest, die deutsche Eisenindustrie habe in den vorangegangenen 15 Jahren wissenschaftlich kaum nennenswerte Erfolge erzielt.

Der Glaube eilt dem Befund voraus. Radkaus Pointe ist, dass der „Spin-off“-Mythos, der Glaube an den fruchtbaren „Abfall“ der militärischen Spitzentechnik, am üppigsten in der Periode blühte, in der sich die Rüstung am weitesten von der zivilen Technik abgehoben hatte. Das NS-System illustriert für ihn den Fall, dass Erwartung und Umsetzung auseinanderfallen: Die Luftfahrtforschung umfasste 1944 rund 10.000 Mitarbeiter, doch ihre Umsetzung in praktisch brauchbare Technik blieb nach Radkau unzulänglich und nahm das spätere Dilemma der „Big Science“ vorweg. Goebbels‘ „Wunderwaffen“-Propaganda hatte noch zu einer Zeit großen Erfolg, als viele der NS-Propaganda sonst nicht mehr viel glaubten.

3. Der Abgleich auf der Ebene des Betriebs

Die Richtung ist heute umgekehrt, und Radkaus erster Befund stützt sie. Die Hoffnung des Mittelstands ist kein Spin-off von der Rüstung ins Zivile, sondern der Weg ziviler Fertigung in die Rüstung. Dafür spricht Radkaus Beobachtung, dass Rüstung dort anschlussfähig ist, wo sie zivile Produktionsanlagen nutzt. Auf der Hannover Messe wies, wie German Foreign Policy berichtet, ein Hersteller von Zündkerzen-Fertigungsmaschinen darauf hin, dass sich seine Anlagen leicht für Patronenhülsen umrüsten ließen. Rheinmetall nennt nach eigenen Angaben rund 23.000 Zulieferer, die meisten aus dem Mittelstand, und reicht bis zu 80 Prozent der Aufträge weiter. Der Personalberater Fabian Kienbaum beschreibt die Rolle des Mittelstands im Tagesspiegel vor allem über mechanische Bauteile, Montage und Beschichtungen, also über die Art von Fertigungskompetenz, die Radkau für den Normalfall hält.

Pajekens Sorge kehrt als Eintrittshürde zurück. Was Radkau als wachsenden Spezialisierungsgrad beschreibt, erscheint heute als Bündel von Anforderungen: Qualitätsnachweise nach NATO-Standard, Geheimschutz, Sicherheitsüberprüfungen von Personal und Standort, Exportkontrolle und das öffentliche Preisrecht. Jede dieser Anforderungen verlangt Strukturen, die im zivilen Geschäft nicht gebraucht werden. Für die Sicherheitsüberprüfung durch den Militärischen Abschirmdienst werden Monate genannt. Die Bundeswehr führt nach Auskunft des niedersächsischen Rüstungsclusters keine Lieferantenliste, Initiativangebote zählen nicht. Der Weg führt für den Mittelstand oft über bestehende Zulieferer. Das Preisrecht verdient besondere Beachtung. Der Branchenverband BDSV hebt selbst hervor, dass für Bundeswehr-Aufträge „gläserne“ Kalkulation und eng begrenzte Gewinnmargen gelten, die sogenannte Bonner Formel. Wer die Verteidigung als Ausweg aus dem Margendruck des Autogeschäfts versteht, trifft dort auf einen Markt, der die Marge selbst deckelt. Von Pajekens Frage bleibt damit eine übrig, die jeder Betrieb für sich beantworten muss: Was bindet der Auftrag an Kapazität, Personal und Aufmerksamkeit, und welche Märkte gehen dafür verloren?

Mitnahme ist nicht Verankerung, und das ist Winschuhs Warnung in heutiger Form. Das Fachmedium produktion.de unterscheidet zwischen Unternehmen, die wegen des größeren Gesamtvolumens einzelne Aufträge mitnehmen, und solchen, die sich als qualifizierte Teile-, Baugruppen- oder Entwicklungspartner dauerhaft in die Lieferketten der Systemhäuser einbinden. Der Rüstungssektor funktioniere in weiten Teilen als „Closed Shop“: Wenige Systemhäuser (die „Primes“) steuern die großen Programme, definieren Spezifikationen und greifen auf zertifizierte Lieferketten zurück. Auch die Förderung der EU zeigt die Schieflage: Am Europäischen Verteidigungsfonds sind 43 Prozent KMU beteiligt, sie erhalten aber nur rund 20 Prozent der Mittel. Wer nur Mitnahmegeschäft betreibt, hat Zusatzumsatz, aber keinen neuen Markt. Wer sich dauerhaft verankert, hängt von einem Typ Kunde ab. Das ist die Konstellation, vor der Winschuh gewarnt hatte, und der Fall Krupp zeigt nach Radkau, was sie kosten kann.

4. Der Abgleich auf der Ebene der Volkswirtschaft

Hier verläuft die Linie zwischen Radkau und der aktuellen Debatte anders. Radkaus vierter Befund, der Spin-off-Glaube, hat ein modernes Gegenstück in der Annahme, Rüstungsausgaben erzeugten Produktivitätsgewinne in der übrigen Wirtschaft.

Das IfW Kiel hat diese Annahme in einem Report von 2025 vertreten. Danach könnte das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 bis 1,5 Prozent steigen, wenn die europäischen Verteidigungsausgaben von 2 auf 3,5 Prozent des BIP wachsen. Der Multiplikator liege bei etwa eins, und die besten Beispiele erfolgreicher öffentlicher Forschung seien militärische Anwendungen. Es gebe Hinweise auf Spillover-Effekte, also Übertragungswirkungen, auf den Privatsektor. Die Studie knüpft das an Bedingungen, etwa die Schuldenfinanzierung statt Steuererhöhungen und die Konzentration auf europäische Produktion.

Die Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem August 2026 fällt nüchterner aus. Die Autoren Thomas Obst und Klaus-Heiner Röhl rechnen mit rund 95 Milliarden Euro zusätzlicher Verteidigungsausgaben von 2026 bis 2030 (summiert aus den jährlichen Zuwächsen). Das preisbereinigte BIP liegt demnach 2026 um rund 0,7 und 2027 um rund 0,9 Prozent über dem Basisszenario, 2030 nur noch um etwa 0,6 Prozent. Die Staatsverschuldung steigt dabei merklich. Das IW verweist darauf, dass nur etwa zwei Prozent der Ausgaben in Forschung und Entwicklung fließen. Für einen breiten Aufschwung sei die Branche zu klein. Röhl fasst es so zusammen: „Panzer sind nicht die neuen Autos für die deutsche Wirtschaft.“ Das ifo Institut weist zudem darauf hin, dass nicht jeder ausgegebene Euro die deutsche Wirtschaftsleistung erhöht, weil importierte Ausrüstung Wertschöpfung ins Ausland verlagert.

Die beiden Studien widersprechen sich nicht in jedem Punkt. Sie rechnen mit unterschiedlichen Ausgangsgrößen und Zeiträumen, und das IfW formuliert seine Spillover-These selbst vorsichtig. Radkaus Befunde passen eher zur IW-Lesart, aber sie bewiesen sie nicht. Sie legen drei Prüfpunkte nahe: Wie viel der Ausgaben wird Wertschöpfung im Inland? Wie viel davon fließt in Entwicklung statt in Beschaffung vorhandener Systeme? Und wird die Fertigung so aufgebaut, dass sie ziviler Nutzung offensteht? Radkau selbst nennt als historische Pointe, dass ausgerechnet das Versailler Verbot des militärischen Flugzeugbaus ein produktiver Impetus für den zivilen wurde. Das ist kein Argument gegen Verteidigungsausgaben, aber eines gegen die Vorstellung, sie seien zwangsläufig der bessere Wachstumsimpuls.

5. Wo Radkaus Befund nicht ohne Weiteres trägt

Radkaus Befunde stammen aus Epochen, in denen Rüstungsindustrie ein Teil der Gesamtindustrie war. Ob das Dilemma der abgehobenen High-Tech-Rüstung heute für das ganze Feld gilt, ist offen. Bei Drohnen, Elektronik und Software, die in der aktuellen Debatte eine große Rolle spielen, ist die zivile Basis womöglich breiter, als es der Blick auf Panzer und Munition nahelegt. Auch produktion.de verweist auf Dual-Use-Technologien, also Technik mit ziviler und militärischer Verwendung, als besondere Chance kleinerer Anbieter. Radkau sieht das Abheben der Rüstung vom Zivilen als Merkmal der jüngsten Periode, und er schrieb diese Passage lange vor der Zeitenwende.

Auch die Nachfrage ist anders als in Radkaus Beispielen. Die Verteidigungsausgaben steigen bis 2030 laut IW auf fast 200 Milliarden Euro. Zugleich ist ein erheblicher Teil noch nicht vergeben: Auf der im Oktober 2025 bekannt gewordenen internen Wunschliste der Bundeswehr stehen Vorhaben im Wert von rund 377 Milliarden Euro, und nach Medienberichten war damals erst für 178 Vorhaben ein Auftragnehmer benannt. Wie viel in der Breite des Mittelstands ankommt, ist statistisch noch nicht belegt. Belastbare Zahlen zur Verteilung der Wertschöpfung werden nach Angaben der Fachpresse frühestens 2027 erwartet.

6. Was offenbleibt

Aus dem Abgleich ergeben sich Prüfpunkte, die sich auf Betriebe wie auf die Volkswirtschaft anwenden lassen. Sie sind keine Empfehlungen, sondern die Stellen, an denen sich die Hoffnung bestätigt oder nicht.

Der Rückweg. Bleibt die Fertigung, die für Rüstungsaufträge aufgebaut wird, auch für zivile Kunden verwendbar? Radkaus Befund über den Zweiten Weltkrieg legt nahe, dass der Einstieg dort am wenigsten kostet, wo die Anlagen doppelt nutzbar sind. Wo Spezialmaschinen, Prüfverfahren und Dokumentationspflichten nur für einen Kunden taugen, beginnt Pajekens Konstellation.

Die Stellung in der Kette. Messeauftritte, Delegationen und Vermittlungsplattformen eröffnen Gespräche, aber keine Lieferantenstellung. Ob aus Gesprächen Aufträge und aus Aufträgen dauerhafte Entwicklungs- oder Fertigungsrollen werden, lässt sich nach den vorliegenden Veröffentlichungen noch nicht beurteilen.

Die Zeitachse. Die Investition fällt vor dem gesicherten Auftrag an, die Auftragsvergabe folgt Haushaltsjahren und politischen Prioritäten. Rüstungskonjunkturen enden irgendwann, und Radkaus Beispiel des zivilen Flugzeugbaus nach 1918 zeigt, dass der Wegfall militärischer Nachfrage für die zivile Seite mitunter produktiv sein kann.

Der Inlandsanteil. Für die Volkswirtschaft zählt, wie viel der Ausgaben als inländische Wertschöpfung und als Forschung und Entwicklung ankommt, nicht die Gesamtsumme.

Die These, dass der Schritt von der zivilen Zulieferung in die Rüstung für Mittelständler seltener einen neuen Markt als einen zusätzlichen Kunden mit eigenen Spielregeln schafft und dass die Rüstung als Wachstumsmotor der Gesamtwirtschaft überschätzt wird, ist nach der vorliegenden Evidenz vorläufig korroboriert. Sie stützt sich auf historische Fallbeispiele, auf Beschreibungen der Einstiegshürden durch Verbände, Kammern und Fachmedien und auf modellgestützte Schätzungen, die in ihren Annahmen voneinander abweichen. Systematische Erhebungen zur Erfahrung neu eingestiegener KMU liegen nicht vor, und die Datenlage zur Wertschöpfungsverteilung ist dünn. Ob in einigen Jahren eine Reihe von Betrieben mit einem zweiten Standbein oder mit einem einzigen Kunden dasteht, lässt sich heute nicht entscheiden.

Ralf Keuper 


Quellen

Buch

  • Joachim Radkau: Technik in Deutschland, Kapitel zu den Kriegs-, Vorkriegs- und Nachkriegszeiten, S. 264–268 (Auszüge aus dem Exemplar des Autors; Pajeken/Loewe, Guderian, Winschuh, Vogler, Spin-off-Mythos).

Gesamtwirtschaft

Rüstungsmarkt und Mittelstand

Beispiel regionaler Förderung