Intel spricht über Transistoren, die sich stapeln, und über Kupfer, das durch Ruthenium ersetzt wird. Entscheidend für das Unternehmen ist aber ein Datum viel näher an der Gegenwart: der Serienanlauf des Knotens 14A im Jahr 2028. Wer als Auftragsfertiger Chips für andere baut, verkauft vor allem Termintreue, und genau daran ist Intel mit dem 10-nm-Knoten gescheitert. Der Essay fragt, was aus diesem Scheitern gelernt wurde, warum die frühe Wette auf die teure High-NA-Belichtung eher eine Anzahlung auf Vertrauen ist als eine Kostenrechnung und weshalb die Vision für 2045 vor allem die Zusage für 2028 stützen soll.
In einem Gespräch des Podcasters Dwarkesh Patel mit Intel-Vertretern geht es um die Frage, wie Computerchips im Jahr 2045 aussehen könnten. Die Wunschliste ist lang: Transistoren, die als Paar übereinander gestapelt werden (CFET), Ruthenium statt Kupfer in der Verdrahtung, einatomige Materialschichten, dreidimensional geschichtete Logik, dazu das ungelöste Problem, die Wärme dichter Stapel abzuführen. Interessanter als diese Liste ist ein Nebenbefund. Intel will Neuerungen künftig nicht mehr ungeprüft bündeln, sondern mit strengen Reifegrad-Kriterien freigeben. Das ist keine technische, sondern eine organisatorische Aussage, und sie lässt sich nur verstehen, wenn man sich ansieht, was beim letzten Mal schiefging und wovon Intels Geschäft inzwischen abhängt.
Das Versprechen ohne Puffer
Ein Knoten (englisch node) bezeichnet eine Fertigungsgeneration, also den Satz von Verfahren, mit dem eine Fabrik Chips einer bestimmten Strukturfeinheit herstellt. Beim 10-nm-Knoten setzte Intel auf eine außergewöhnlich aggressive Verdichtung, das 2,7-Fache der Transistordichte der Vorgängergeneration, und tat das ohne die damals noch nicht eingeführte EUV-Belichtung, die mit extrem kurzwelligem Licht feinere Strukturen in einem Schritt druckt. Stattdessen musste mehrfach belichtet werden, was Strukturen unschärfer macht und die Ausbeute drückt. So beschrieb es der damalige Intel-Spitzenmanager Murthy Renduchintala selbst im Rückblick. Die Folge waren Verschiebungen über Jahre: Der damalige Intel-Chef Brian Krzanich schob 2018 die Massenfertigung von der zweiten Jahreshälfte 2018 auf 2019.
Intel hatte für den Rückstand zunächst ein Etikett, „Hyperscaling“, die Behauptung, Moores Gesetz sei intakt, nur anders organisiert. Branchenbeobachter lasen das als Verschleierung der Prozes…
