1983 veröffentlichte Lawrence G. Franko sein Buch über die japanischen multinationalen Konzerne – mitten in der Phase größter westlicher Beunruhigung über die vermeintlich unaufhaltsame japanische Industrie. Frankos Diagnose zur Halbleiterindustrie liest sich aus heutiger Sicht bemerkenswert nüchtern: Japan sei stark bei standardisierten Massenprodukten – Speicherchips, CMOS-Bausteine –, während die USA bei Mikroprozessoren und vor allem bei Software die Nase vorn behielten. Diese Trennlinie, so Franko, sei kein Zufall, sondern spiegle unterschiedliche Stärken wider: japanische Fertigungsdisziplin und Kapitalverfügbarkeit auf der einen, amerikanische Innovationskraft bei kundenspezifischer, wissensintensiver Technik auf der anderen Seite.

Vierzig Jahre später lässt sich prüfen, welche Seite dieser Trennlinie sich als die haltbarere erwiesen hat. Die Antwort ist eindeutig – Japans Massenproduktvorteil zerfiel innerhalb von zwei Jahrzehnten, während die amerikanische Design-Position bis heute trägt. Aus dieser Beobachtung lässt sich eine Unterscheidung zwischen zwei Arten von Wettbewerbsposition ableiten: solche, die auf Fertigungsskala und Kapitalzugang beruhen, und solche, die auf kumuliertem, schwer kodifizierbarem Wissen beruhen. Diese Unterscheidung trägt weiter, als der Halbleiterfall selbst vermuten lässt – sie lässt sich an drei aktuellen Versuchen prüfen, verlorenen Boden in der Chipfertigung zurückzugewinnen: an Japans eigenem Rapidus-Projekt, am gescheiterten ersten Anlauf der EU und an Chinas noch offener EUV-Aufholjagd.


Der Aufstieg: Konzentration auf das Standardisierbare

Japans Weg zur Halbleitervormacht folgte in den 1970er und 1980er Jahren einem klaren Muster: staatlich koordinierte Kapitalbündelung über das MITI, ein Bankensystem, das japanischen Firmen ein Vielfaches des Eigenkapitals an Fremdkapital zur Verfügung stellte, und die Bereitschaft, über Jahre hinweg Kapazitäten trotz sinkender oder negativer Margen auszubauen – ein Verhalten, das die Branche später als „Chicken Game“ bezeichnete. Auf dieser Basis erreichte Japan in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre rund 80 Prozent Weltmarktanteil bei DRAM-Speicherchips. NEC stieg zeitweise zum größten Halbleiterhersteller der Welt auf.

Bemerkenswert ist, worauf sich dieser Aufstieg beschränkte: auf das Segment, das sich am ehesten standardisieren, in großen Stückzahlen fertigen und über Skaleneffekte im Preis unterbieten ließ. Genau das Segment also, das Franko bereits 1982 als japanische Domäne identifizierte – und genau das Segment, das sich im Rückblick als das strukturell verwundbarste erweisen sollte.

Der Fall: Wenn die eigene Stärke zur Falle wird

Der Gegenschlag kam nicht aus einer technologischen Schwäche, sondern aus zwei Richtungen, die Franko in seinem Buch selbst schon andeutet, ohne ihre volle Tragweite absehen zu können.

Erstens: Handelspolitik. Die USA reagierten 1985 mit Antidumpingzöllen auf japanische Speicherchips, im selben Jahr folgte das Plaza-Abkommen mit der Verdopplung des Yen-Werts – ein Schlag gegen genau jenes Kostenmodell, auf dem die japanische Massenproduktion beruhte.

Zweitens, und folgenreicher: Nachahmer mit besseren Kapitalkosten. S…