Sonnen, einst Marktführer bei Heimspeichern, hat am 22. Oktober 2026 Insolvenz beantragt, zwei Monate nach dem Verkauf durch Shell. Die gängige Erzählung nennt den eingebrochenen Markt und die chinesische Konkurrenz. Der geprüfte Jahresabschluss 2024 legt etwas anderes nahe: Der deutsche Markt schrumpfte nur leicht, Sonnen dagegen um fast vier Fünftel. Die Firma war für ein Volumen dimensioniert, das es nur zwei Jahre lang gab.


Am Morgen des 22. Oktober wurden die rund 400 Beschäftigten in Wildpoldsried darüber informiert, dass die Sonnen GmbH Insolvenzantrag gestellt hat. So berichtet es das Handelsblatt, und das Unternehmen bestätigte es auf Anfrage. Bestandsgeschäft und Service für mehr als 150.000 Kunden sollen zunächst weiterlaufen. Zahlreiche Tochtergesellschaften sollen abgewickelt oder in die Eigenverwaltung geschickt werden, nur ein Produktionsstandort soll bleiben.

Die Vorgeschichte ist kurz. Shell hatte Sonnen 2019 für knapp 500 Millionen Euro übernommen und bis 2024 nach Berichten noch einmal rund 500 Millionen nachgeschossen. Im August 2026 verkaufte der Konzern an Tiven, das Family Office von Gert Purkert, einem der Gründer des Münchner Sanierungsinvestors Aurelius. Für die operative Sanierung beauftragte Tiven die Restrukturierungseinheit Aurelius WaterRise, der Plan lautete sanieren und weiterverkaufen. Nach zwei Monaten ist daraus ein Insolvenzantrag geworden.

Wer wissen will, warum, findet im Jahresabschluss 2024 der sonnen GmbH mehr als in den Schlagzeilen. Er ist von EY geprüft und enthält einen ausführlichen Lagebericht. Er betrifft nur die GmbH, die in Wildpoldsried entwickelt, produziert und verkauft, nicht die gesamte Gruppe mit ihren Schwestergesellschaften.

Was der Markt tat und was Sonnen tat

Der deutsche Heimspeichermarkt hat 2024 nicht nachgegeben, wie man es nach einem Boom erwarten würde, sondern kaum. Nach dem Lagebericht wurden etwa 550.000 Systeme installiert, vier Prozent weniger als im Vorjahr. Die Auswertung von ISEA (RWTH Aachen) und P3 aus dem Marktstammdatenregister kommt auf rund 580.000 Systeme und 5,1 Gigawattstunden, sechs Prozent weniger Kapazität als 2023. Beide Zählungen unterscheiden sich, zeigen aber dasselbe: Nach fast einer Verdreifachung 2023 stagnierte der Markt auf hohem Niveau.

Sonnen verkaufte im selben Jahr 6.773 Systeme, 78 Prozent weniger als 2023. Der Umsatz fiel von 263,5 auf 78,4 Millionen Euro. Zwischen einem Markt, der um vier bis sechs Prozent nachgibt, und einem Hersteller, der vier Fünftel verliert, liegt eine Lücke, die der Markt allein nicht erklärt.

Die Geschäftsführung nennt in ihrem Lagebericht vier Gründe. Die Distributionspartner hatten die 2023 gekauften Speicher größtenteils noch auf Lager und bestellten nicht nach. Regionale Vertriebsmitarbeiter kündigten. Man habe Preisdurchsetzbarkeit und Volumenpotenzial gegenüber Niedrigpreisanbietern falsch eingeschätzt. Und in Italien wurden Förderungen abgebaut. Der erste Punkt ist ein bekannter Mechanismus in Lieferketten, der sogenannte Peitscheneffekt: Eine kleine Veränderung der Endnachfrage schaukelt sich auf dem Weg zum Hersteller auf, weil jede Stufe ihre Lager anpasst. Der Hersteller spürt dann einen Einbruch, der viel größer ist als der Rückgang beim Endkunden.

Die Marge war nicht das Problem

Naheliegend wäre die Vermutung, chinesische Zellen hätten die Preise zerstört und die Marge aufgefressen. Die Zahlen sprechen nur teilweise dafür. Die Rohmarge, also Umsatz abzüglich Materialaufwand im Verhältnis zum Umsatz, lag 2023 bei 43 Prozent. 2024 fiel sie auf 31,6 Prozent, laut Lagebericht wegen Preissenkungen, Abverkaufsaktionen und der Verschrottung veralteter Produkte. 2025 lag sie nach Angaben des Unternehmens wieder bei 41 Prozent. Eine Firma, die bei einem Speicher gut ein Drittel bis zwei Fünftel des Erlöses nach Material behält, hat kein Stückkostenproblem im engeren Sinn.

Der Verlust entstand woanders. 2023 deckte ein Rohertrag von 113,6 Millionen Euro fast die laufenden Kosten: 52,6 Millionen Personal, 7,8 Millionen Abschreibungen, 70,1 Millionen sonstige betriebliche Aufwendungen. Der Jahresfehlbetrag betrug 8,8 Millionen Euro. 2024 sank der Rohertrag auf 24,8 Millionen, während der Personalaufwand mit 52,3 Millionen praktisch gleich blieb und die sonstigen Aufwendungen auf …