Audi hat im dritten Quartal 2026 weltweit 314.905 Fahrzeuge ausgeliefert, 19,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im zweiten Quartal waren es noch rund 8 Prozent. Das Unternehmen verweist auf China, die US-Zölle und Modellwechsel bei A1 und Q2. Bis Juni aber lag Audi außerhalb Chinas auf Vorjahresniveau, getragen von einem wachsenden Europa. Rechnet man das dritte Quartal aus den verfügbaren Angaben nach, dürfte genau dieses Geschäft um grob ein Zehntel eingebrochen sein. Der Essay trennt, was belegt ist, von dem, was hergeleitet ist, und benennt die Zahl, die diese Lesart widerlegen könnte.
Die Meldung
Am 12. Oktober hat Audi mitgeteilt, dass die Kernmarke im dritten Quartal 314.905 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert hat. Kernmarke heißt: die Marke Audi ohne Bentley und Lamborghini. „Auslieferungen“ zählt die an Endkunden übergebenen Fahrzeuge, nicht die produzierten und nicht den Umsatz.
Das Minus von 19,7 Prozent folgt auf rund 8 Prozent im zweiten Quartal. Über neun Monate liegt die Marke bei 1,04 Millionen Auslieferungen, 11,4 Prozent unter dem Vorjahr. Im dritten Quartal 2023 waren es knapp 480.000, heute sind es rund ein Drittel weniger.
Als Gründe nennt Audi den harten Wettbewerb und den schwachen Markt in China, die US-Zölle, die Audi anders als BMW besonders treffen, weil es kein eigenes Werk in den USA hat, und den Modellwechsel bei den Volumenmodellen A1 und Q2. In Deutschland und Europa liegt Audi nach neun Monaten leicht im Plus, in China knapp ein Viertel und in den USA rund ein Sechstel im Minus.
Diese Erklärung ist plausibel. Offen ist, ob sie das dritte Quartal erklärt oder nur die ersten neun Monate.
Was das Halbjahr zeigte
Im Juli hatte Audi die Halbjahreszahlen vorgelegt. Sie sind die letzte vollständige Regionaltabelle, die vorliegt:

Das Unternehmen selbst hat daraus im Juli einen Schluss gezogen: Außerhalb Chinas sei das Geschäft deutlich robuster, die weltweiten Auslieferungen ohne China lägen nahezu auf Vorjahresniveau. Diese Aussage lässt sich aus der Tabelle nachrechnen. Zieht man China von der Weltsumme ab, bleiben im ersten Halbjahr 2026 495.018 Fahrzeuge, nach 495.931 im Vorjahr. Das ist ein Minus von 0,2 Prozent.
Aufschlussreich ist, woraus diese fast unveränderte Zahl entsteht. Sie ist das Ergebnis eines Ausgleichs:

Von dem Rückgang um 56.286 Fahrzeuge entfielen damit 55.373 auf China, das sind 98 Prozent. Außerhalb Chinas hielt Europa das Ergebnis: Das Plus von 18.284 Fahrzeugen glich den Einbruch in Nordamerika (−16.525) nicht nur aus, es übertraf ihn um 1.759 Fahrzeuge. Erst der kleine Rückgang in Übersee (−2.672) drückte die Summe ohne China knapp ins Minus. Dass die USA im Halbjahr nicht stärker durchschlugen, liegt also am Wachstum in Europa und nicht an einer stabilen Lage in Nordamerika selbst
Europa einschließlich Deutschland ist dabei kein Randposten. Mit 363.503 Fahrzeugen stellte es genau die Hälfte aller Auslieferungen der Marke, China mit 232.227 Fahrzeugen knapp ein Drittel (31,9 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr (345.219) wuchs Europa um gut 5 Prozent. Zur Zusammensetzung dieses Plus nennt Audi selbst: stabile Nachfrage in Deutschland und in den weiteren großen Märkten, mit Spanien (+21 Prozent), Italien (+17 Prozent) und Großbritannien (+10 Prozent) deutlich über Vorjahr, und zwar über alle Antriebsarten hinweg, also nicht nur bei Elektro- oder Hybridmodellen.
Hinzu kommen die Auftragseingänge. Sie zählen die Bestellungen, bevor das Fahrzeug übergeben wird, und gelten deshalb als Vorlaufindikator für die Auslieferungen. In Westeuropa lagen sie im ersten Halbjahr antriebsübergreifend 7 Prozent über dem Vorjahr, bei Plug-in-Hybriden sogar 117 Prozent. Das sprach dafür, dass die europäische Nachfrage auch im zweiten Halbjahr trägt.
Bis Juni war Audis Problem damit im Kern ein China-Problem, dazu ein kleineres in den USA, das Europa ausglich. Genau diese Erklärung bietet das Unternehmen auch für das dritte Quartal an.
Die Rechnung für das dritte Quartal
Audi veröffentlicht Quartalszahlen nur kumuliert. Einzelne Quartale ergeben sich daher als Differenz: Das dritte Quartal 2025 ist die Differenz aus neun Monaten (1.175.765) und dem ersten Halbjahr (783.531), das zweite Quartal die Differenz aus Halbjahr und erstem Quartal. Damit lässt sich das Minus gegenüber dem Vorjahresquartal in Fahrzeugen beziffern:

Im zweiten Quartal fehlten also rund 33.000 Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahr, im dritten rund 77.300. Das Minus ist binnen eines Quartals um gut 44.000 Fahrzeuge gewachsen (77.329 minus 32.991). Diese 44.000 sind die Beschleunigung, die es zu erklären gilt. Im Folgenden ist mit „zusätzlichem Minus“ immer dieser Zuwachs gemeint.
China. Für die ersten neun Monate 2025 nennt Audi rund 434.000 Auslieferungen in China. Setzt man für 2026 „knapp ein Viertel“ weniger an, also 23 bis 25 Prozent, ergibt sich für das dritte Quartal ein Wert von etwa 93.000 bis 102.000 Fahrzeugen, nach 146.400 im Vorjahr. Das wäre ein Minus von rund 30 bis 36 Prozent, nach 26,6 Prozent im zweiten Quartal. Das Minus in China wächst damit von 38.000 Fahrzeugen im zweiten Quartal auf 44.000 bis 53.000 im dritten. Der Zuwachs von 6.000 bis 15.000 erklärt nur einen Teil des zusätzlichen Minus von 44.000.
USA. Audi of America lieferte im dritten Quartal 39.751 Fahrzeuge aus, im zweiten 38.030. Der Rückgang von rund einem Sechstel über neun Monate entspricht dem Halbjahrestrend in Nordamerika. Gemessen am zweiten Quartal (−6,8 Prozent) ist das Quartal dennoch schwächer, aber eine neue Dimension ist es nicht. Aus den gerundeten Angaben folgt allenfalls ein mittlerer einstelliger Tausenderbetrag.
China und USA zusammen erklären damit ein Viertel bis knapp die Hälfte des zusätzlichen Minus von 44.000 Fahrzeugen. Die übrigen 23.000 bis 33.000 verteilen sich auf Europa und die Übersee- und Wachstumsmärkte.
Außerhalb Chinas. Zieht man die China-Schätzung von der Quartalssumme ab, bleiben für das übrige Geschäft rund 213.000 bis 222.000 Fahrzeuge gegenüber 245.800 im Vorjahr. Das sind etwa 10 bis 13 Prozent weniger, nach praktisch null im ersten Halbjahr. Dieses Ergebnis hängt nur an der China-Schätzung, nicht an Annahmen über Europa.
Europa. Meldet Audi für Europa einschließlich Deutschland nach neun Monaten „leicht im Plus“, also etwa 0 bis 3 Prozent, dann folgt daraus für das dritte Quartal ein Wert von 142.000 bis 157.000 Fahrzeugen. Im Vorjahr waren es 160.000, das wäre ein Minus von 2 bis 11 Prozent. Im zweiten Quartal lag Europa noch um etwa 5 Prozent im Plus. Der Umschwung beträgt damit 12.000 bis 28.000 Fahrzeuge. Das ist der größte Einzelposten der ungeklärten Differenz.
Warum Europa der Punkt ist
Wenn diese Rechnung trägt, hat sich die Lage im dritten Quartal qualitativ verändert. Bis Juni ließ sich der Rückgang geografisch verorten, und es gab einen Markt, der trug. Jetzt gibt auch dieser Markt wahrscheinlich nach. Die Aussage, außerhalb Chinas sei Audi robust, die im Juli noch zutraf, dürfte im Oktober nicht mehr stimmen.
Eine Erklärung dafür bietet Audi selbst: Die Modellwechsel bei A1 und Q2. Beide sind Kompaktmodelle, die ihr Volumen vor allem in Europa gemacht haben dürften. Die Junge Freiheit schreibt, die Produktion beider Baureihen laufe 2026 aus. Das hat Audi nicht bestätigt, und Stückzahlen zu den beiden Modellen liegen nicht vor. Die Halbjahresmitteilung kündigt für den Herbst den A2 e-tron als vollelektrischen Einstieg an, gefertigt in Ingolstadt. Ob er die Lücke schließt, sagt Audi nicht. Der neue Q9, das Flaggschiff, kommt im vierten Quartal in Nordamerika und Europa in den Verkauf.
Damit stützt die Zahl ein Stück weit Audis eigene Lesart: Ein Teil des Einbruchs ist ein Übergangsloch. In meinem Essay „Das Flaggschiff, das woanders gebaut wird“ habe ich die Flucht ins obere Preissegment als bewährtes Verfahren der deutschen Premiumhersteller beschrieben: mehr Leistung, mehr Gewicht, höherer Preis. Der Q9 ist dessen jüngster Fall. Das dritte Quartal zeigt die Kehrseite. Wer oben neu startet und unten ausläuft, hat im Übergang kein Volumen. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich frühestens im vierten Quartal.
Ein Übergangsloch erklärt aber nicht, warum sich der Rückgang in einem einzigen Quartal von 8 auf fast 20 Prozent beschleunigt, während China im Rahmen seines Trends bleibt und die USA nicht einbrechen. In meinem Essay „Der Ausgleich, der wegfällt“ ging es für den VW-Konzern um die Frage, ob Europa und andere Märkte den Ausfall in China auffangen können. Die Audi-Zahlen legen nahe, dass dieser Ausgleich auch hier an Grenzen stößt.
Der Antrieb gleicht nichts aus
Die vollelektrischen Auslieferungen sanken im dritten Quartal laut Anadolu um 21,5 Prozent auf 48.700. Das ist eine Sekundärquelle, die Audi-Tabelle liegt nicht vor. Rechnerisch waren es im Vorjahresquartal etwa 62.000. Der Anteil am Gesamtvolumen liegt damit bei rund 15,5 Prozent, nach rund 15,8 Prozent. Die Elektrifizierung gleicht den Volumenverlust also nicht aus, sie bricht im gleichen Maß weg. Wo der Rückgang liegt, ist offen. Im Halbjahr hatte Deutschland bei den vollelektrischen Modellen noch um rund 23 Prozent zugelegt, bei Plug-in-Hybriden um 147 Prozent.
Was das Ergebnis trägt
Im ersten Halbjahr sank der Konzernumsatz um 10,4 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg trotzdem leicht auf 1.122 Millionen Euro, die operative Umsatzrendite von 3,3 auf 3,8 Prozent. Audi führt das auf strikte Kostendisziplin, geringere Rückstellungen im Zusammenhang mit der CO₂-Regulierung und niedrigere Restrukturierungsaufwendungen zurück. Der Beitrag des China-Geschäfts zum Finanzergebnis schrumpfte von 279 auf 73 Millionen Euro.
Im Juli senkte Audi die Prognose: Der Umsatz soll 2026 zwischen 58 und 63 Milliarden Euro liegen (zuvor 63 bis 68), die operative Rendite zwischen 5 und 7 Prozent. Finanzvorstand Jürgen Rittersberger sagte dazu, die bereits eingeleiteten Maßnahmen wirkten, reichten aber nicht aus.
Die Arithmetik dazu: Um bei 5 Prozent für das Gesamtjahr zu landen, muss Audi im zweiten Halbjahr rund 6 Prozent erreichen. Bei den Umsatzgrenzen der Prognose sind das 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro operatives Ergebnis in sechs Monaten, nach 1,1 Milliarden im ersten Halbjahr. Ob sich Kosten- und Rückstellungseffekte wiederholen lassen, ist offen. Dass der Absatz im dritten Quartal um fast ein Fünftel einbrach, macht es nicht einfacher.
Was diese Lesart widerlegen würde
Die Lesart, dass sich die Schwäche im dritten Quartal über China und die USA hinaus ausgeweitet hat und Europa dazugehört, ist vorläufig korroboriert. Die Rückrechnung reproduziert Audis eigene Halbjahresaussage (null Prozent ohne China) und die Quartalssumme. Sie steht aber auf zwei gerundeten Angaben: „knapp ein Viertel“ für China und „leicht im Plus“ für Europa.
Zeigt die vollständige Q3-Tabelle Europa auf oder über Vorjahr, dann liegt der Rückgang außerhalb Chinas bei Nordamerika und den Übersee- und Wachstumsmärkten, und die Europa-Lesart ist zurückzunehmen. Dann bliebe aber die Frage, warum Nordamerika und Übersee gemeinsam einen Ausfall dieser Größe tragen sollten. Zeigt die Tabelle Europa im Minus, dann ist das die Nachricht des Quartals: Audis letzter Markt mit Wachstum ist gekippt.
Zur Datenlage
Die Quellenbasis sind die Konzernmitteilungen von Audi seit Anfang 2025 (Neun-Monats-, Jahres-, Q1- und Halbjahreszahlen), die Agenturmeldungen vom 12. Oktober, die Mitteilung von Audi of America und eigene frühere Beiträge. Belegt sind: die Q3-Gesamtzahl, die neun Monate, die Halbjahrestabelle samt Finanzzahlen, die US-Zahl für Q3. Hergeleitet sind: der Q3-Wert für China, der Wert außerhalb Chinas, der Europa-Wert, der E-Anteil und die Rendite-Arithmetik für das zweite Halbjahr. Seit dem ersten Quartal 2026 wendet Audi eine neue Berechnungslogik an, die die Zuordnung einzelner Länder zu Europa und zu den Übersee- und Wachstumsmärkten verändert. Für 2025 sind hier die nach dieser Logik umgerechneten Werte verwendet. Die Gesamtzahlen sind davon nicht betroffen.
Ralf Keuper
Quellen
- Audi Konzern: Halbjahr 2026 trotz schwieriger Märkte stabil (Medieninformation, 27.07.2026)
- Audi Konzern: Erste neun Monate 2025 (mit nach neuer Logik umgerechneten Regionalwerten)
- Audi Group: First nine months 2025 (Gesamtwert 1.175.765)
- Audi Konzern: Erstes Quartal 2026
- Audi of America: Third quarter 2026 deliveries
- t-online/dpa-AFX: Verkäufe von VW-Tochter Audi brechen um fast ein Fünftel ein (12.10.2026)
- autohaus.de: Drittes Quartal 2026: Audi-Absatz bricht fast um ein Fünftel ein
- Anadolu via ua.news: Audi cuts global deliveries by 19.7% in third quarter (E-Auslieferungen, Sekundärquelle)
- Junge Freiheit: Audi stürzt weiter ab (Auslaufen von A1/Q2, von Audi nicht bestätigt)
- Eigene Beiträge auf EconLittera: „Das Flaggschiff, das woanders gebaut wird“; „Der Ausgleich, der wegfällt“
