Als Ludw. Loewe & Co. um 1900 seine Werkzeugmaschinenfabrik nach amerikanischem Vorbild modernisierte, war das keine Erfindung des Unternehmens – sondern die dritte Auflage eines Musters, das preußische Beamte schon achtzig Jahre zuvor gegenüber England eingeübt hatten. Georg Schlesinger, der genau in diesem Umbruch bei Loewe seine Laufbahn begann, machte aus dem importierten Praxiswissen später eine eigenständige deutsche Wissenschaft. Heute läuft dasselbe Muster in umgekehrter Richtung: Bei Batteriezellen und Halbleiter-Fabs ist Deutschland selbst zum Schüler geworden – mit China in der Lehrerrolle.
Als die Ludw. Loewe & Co. A.-G. 1897 bis 1899 ihre neue Werkzeugmaschinenfabrik in der Berliner Huttenstraße errichtete, orientierte sie sich – wie es in der Firmengeschichte selbst festgehalten wird – bewusst am amerikanischen Vorbild. Oberingenieur Julius Pajeken bereiste dafür 1896 die USA, drei amerikanische Ingenieure wirkten am Neubau mit, der neue Maschinenpark stammte von den führenden amerikanischen Herstellern, und die Firmenschrift von 1902 fasste die Werksphilosophie – bezeichnenderweise auf Englisch – unter „Principles of Manufacture“ zusammen. Der Text markiert diesen Vorgang selbst als Wiederholung: Schon bei der Firmengründung 1869/70 hatte man sich am amerikanischen Vorbild orientiert.
Diese doppelte Bezugnahme liest sich zunächst wie ein firmenspezifisches Muster: Loewe als Unternehmen, das zweimal – im Abstand einer Generation – dieselbe Referenz zieht. Tatsächlich ist das Muster jedoch älter, breiter und trägt einen anderen Namen im Referenzland. Es beginnt nicht 1869 und nicht bei Loewe, sondern gut sechzig Jahre früher, in der preußischen Gewerbeverwaltung – und der Vorbild-Staat hieß damals England.
Der erste Anlauf: Beuth, Egells und die englische Referenz
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erkannten preußische Regierungsbeamte die Bedeutung technologischer Innovation für den Wohlstand einer Nation und blickten neidisch auf die industrielle Massenfertigung im englischen Königreich. Um den Anschluss nicht zu verlieren, finanzierte die preußische Regierung ausgedehnte Studienreisen nach England, mit dem erklärten Ziel, dortiges Know-how zu übernehmen und nach Preußen zu transferieren. Der Maschinenbaupionier Franz Anton Egells ist ein Beispiel dieser Praxis; treibende Kraft war Christian Peter Wilhelm Beuth, organisatorischer Kopf der frühen preußischen Gewerbeförderung.
Damit steht am Anfang der Linie kein privates Unternehmen, das sich aus wirtschaftlichem Kalkül am Ausland orientiert, sondern ein staatlich organisierter, systematischer Transfer – Studienreisen als Instrument, Beuth als Organisator, die englische Fabrik als Referenzobjekt. Der Mechanismus, der bei Loewe …
