Ein Markt schließt sich, während seine Anbieter nach draußen drängen: Dieses Bild ist in den vergangenen Jahren zum wiederkehrenden Motiv der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen geworden – bei Batteriezellen, bei Elektroantrieben, zuletzt bei der Robotik-Standardisierung. Die Medizintechnik liefert nun einen weiteren, aufschlussreichen Fall: Er bestätigt das Muster, erweitert es aber um zwei Varianten, die es so bislang nicht gab – eine gezielte, marktzugangsbasierte Gegenreaktion der EU, und einen chinesischen Wettbewerber, der nicht mehr über den Preis, sondern über dieselbe Systemarchitektur angreift, auf der die westliche Position beruht. Verwundbar ist die deutsche Medizintechnik dabei nicht einheitlich, sondern an zwei ganz unterschiedlichen Stellen: unmittelbar bei den Plattformanbietern, verzögert und indirekt bei einem Cluster, dessen Weltmarktführerschaft bislang keinen Anlass zur strategischen Erneuerung gab.


Die doppelte Bewegung

Auf der einen Seite steht eine zunehmende Abschottung des chinesischen Heimatmarkts. Der 14. Fünfjahresplan und dessen 2026 verschärfte Fortschreibung machen den Aufbau einer international konkurrenzfähigen heimischen Medizintechnikindustrie zum erklärten industriepolitischen Ziel. In der Praxis äußert sich das in einer „Pro-Domestic“-Beschaffungspolitik bei öffentlichen Krankenhaus-Ausschreibungen, die ausländische Anbieter strukturell benachteiligt – die EU-Kommission bezifferte den Anteil entsprechend eingeschränkter chinesischer Ausschreibungen im Medizinproduktebereich auf 87 Prozent bei einem Marktvolumen von rund 128 Milliarden Euro. Siemens Healthineers meldete für das zweite Quartal 2026 einen vergleichbaren Umsatzrückgang in China von 4,8 Prozent, im Diagnostiksegment fiel die Marge auf unter ein Prozent.

Auf der anderen Seite steht eine Exportoffensive, die längst nicht mehr über den Preis allein läuft. Mindray erzielt inzwischen rund 45 bis 50 Prozent seines Umsatzes im Ausland, United Imaging Healthcare steigerte seinen Auslandsanteil von unter 10 auf knapp 25 Prozent bei einem Auslandsumsatzwachstum von über 50 Prozent im Jahresvergleich. Beide Unternehmen bauen gezielt Produktions- und Entwicklungsstandorte in den USA und Europa auf – nicht zur Kostensenkung, sondern um Zollschranken zu umgehen und im margenstärkeren High-End-Segment direkt zu konkurrieren.

Vom Kopierer zum Systemanbieter

Der eigentliche Bruch liegt jedoch nicht in den Exportzahlen, sondern in der technologischen Position. Der Anteil chinesischer Hersteller am heimischen CT-Markt stieg von 10 Prozent (2010) auf 47 Prozent (2025), bei supraleitenden MRT-Systemen von 0,6 auf 41 Prozent, in der Nuklearmedizin von 0 auf 74 Prozent. United Imaging positioniert sich mittlerweile selbst als Systemanbieter über das gesamte Portfolio hinweg – CT, MRT, Röntgen, Ultraschall, Software – und wird vom Siemens-Healthineers-Sprecher explizit als der technologisch ernsthafteste Wettbewerber im Bereich der diagnostischen Bildgebung benannt, nicht nur auf dem chinesischen Markt. Neusoft Medical erhielt im August 2025 als erstes Unternehmen in China die Zulassung für ein Photon-Counting-CT mit Cadmium-Zink-Tellurid-Detektor – eine der anspruchsvollsten Entwicklungsstufen der Computertomografie, bei der westliche Anbieter wie GE HealthCare erst 2026 nachzogen.

Das unterscheidet den vorliegenden Fall von der Batteriezellfertigung oder…