Der Bankier, Ökonom und Hochschullehrer Albert Hahn diagnostiziert 1967 eine allgemeine Demoralisierung der wirtschaftlichen Akteure unter dem Einfluss der keynesianischen Theorie. Sie betrifft vier Gruppen:
- Politiker haben sich daran gewöhnt, jedes Bedürfnis des Wohlfahrtsstaates aus einem scheinbar unerschöpflichen, inflationär erzeugten Kapitalangebot zu bedienen.
- Gewerkschaften konnten in inflationärem Umfeld nahezu jede Lohnforderung durchsetzen. Sie müssen erst mühsam zu der Einsicht zurückgeführt werden, dass Masseneinkommen nicht höher sein können als das, was die Massen produzieren. Sie müssten sogar niedriger ausfallen, weil auch das Kapital für seine produktivitätssteigernden Dienste entlohnt werden muss.
- Unternehmer und Banker einer ganzen Generation wurden durch eine „easy money policy“ verwöhnt. Sie haben noch nie eine Krise oder längere Rezession erlebt und könnten sich plötzlich echten Managementproblemen gegenübersehen.
- Nationale und internationale Organisationen beschäftigen sich mit der Programmierung, Prophezeiung und Erzwingung von Wachstum um jeden Preis. Hahn nennt sie Wachstumsfanatiker. Über ihren komplizierten Berechnungen und Formeln verlieren sie den gesunden Menschenverstand aus dem Blick, dass Wachstum eine „Funktion von Arbeit und Sparen“ ist und nicht von bloßen Zielsetzungen und frommen Wünschen.
Hahns Kernthese lautet damit, dass dauerhaftes Wachstum auf realer Leistung und Kapitalbildung beruht und nicht auf billigem Geld oder politischen Zielvorgaben. Die keynesianische Praxis habe diese Einsicht bei allen Beteiligten verdrängt.
Quelle: Albert Hahn, „Ende der Ära Keynes?“, KYKLOS, Jg. XX (1967)
