Die Krise der deutschen Ingenieur- und Entwicklungsdienstleister wird meist als Konjunkturproblem beschrieben. Das ist zu kurz gedacht. Was wir beobachten, ist das Scheitern eines institutionellen Arrangements, das über Jahrzehnte stabil funktioniert hat – und nun unter seinen eigenen Voraussetzungen kollabiert.
Pfadabhängigkeit, doppelter Verdrängungsdruck und strukturelle Unterkapitalisierung bilden eine Falle, aus der sich weder durch Weiterbildungsprogramme noch durch Branchenverbands-Appelle entkommen lässt. Was fehlt, ist eine Analyse, die die institutionelle Tiefenstruktur des Problems ernst nimmt.
Das Ende eines institutionellen Arrangements
Die Krise der deutschen Ingenieur- und Entwicklungsdienstleister ist keine konjunkturelle Delle, nach der sich das Geschäftsmodell erholt. Sie ist das Symptom eines institutionellen Arrangements, das über Jahrzehnte funktioniert hat – und nun unter seinen eigenen Voraussetzungen zusammenbricht.
Dieses Arrangement war stabil, solange drei Bedingungen galten: ein wachsender Bedarf an mechanischer und hardwarebasierter Ingenieursarbeit in der Automobilindustrie, eine klare Arbeitsteilung zwischen OEMs, Zulieferern und externen Dienstleistern sowie eine Wettbewerbsabgrenzung, die Software-Unternehmen und IT-Dienstleister weitgehend von diesem Markt fernhielt. Alle drei Bedingungen sind inzwischen gefallen.
Institutionelle Pfadabhängigkeit als Falle
Der Begriff der Pfadabhängigkeit – in der institutionenökonomischen Tradition von North, Arthur und später Streeck – beschreibt die Tendenz von Institutionen, sich entlang …
