In den Medien hält sich hartnäckig ein Missverständnis: Was Deutschland an Maschinen, Robotern und Produktionsdaten besitzt, gilt als Vorsprung in der industriellen KI. Doch ein Bestand ist noch keine Position. Der Beitrag setzt den April-Beitrag über den Datenschatz-Mythos fort und fragt, was der Bestand voraussetzt: dass die Maschinen noch gebaut, die Fabriken noch betrieben, die Spezialmaschinen noch nachgefragt werden und die Unternehmen ihre Daten überhaupt teilen. Robotik, Verlagerung und Weltmaßstab zeigen, dass die ersten Glieder unter Druck stehen. Die deutschen Automatisierer, auf deren Steuerungsstärke die Hoffnung auf einen Übergang ruht, liegen nach zwei Krisenjahren erst wieder auf dem Niveau von 2022, Beckhoff weit hinter dem eigenen Wachstumsanspruch. Und Gaia-X und die International Data Spaces Association sind an ihrem Anspruch gescheitert, Catena-X wächst vor allem dort, wo Hersteller es verlangen oder die Förderung die Kosten für den Anschluss zahlt.


Wo der April-Beitrag aufhörte

Im April habe ich in „Deutschlands industrieller Datenschatz-Mythos“ die Figur nachgezeichnet, die seit einem Jahrzehnt in der deutschen Technologiedebatte kreist. Wolfgang Wahlster, lange Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, sprach von einem Schatz einzigartiger Produktionsdaten. Cedrik Neike, Vorstand für Digital Industries bei Siemens, trug dieselbe Botschaft vor, und auf der Hannover Messe 2026 machte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche daraus Regierungsrhetorik: Deutschland sitze auf einem „riesigen Datenschatz“, KI sei eine „Überlebenschance“ für den Industriestandort. Der Beitrag gab zwei Antworten. Der Schatz liegt auf einer schrumpfenden Schachtanlage, denn Daten aus sterbenden Prozessen sind kein Asset. Und die Plattformschicht, auf der Daten mobil werden, liegt außerhalb Europas.

Seither hat sich die Erzählung weiterentwickelt, ohne sich zu verändern. Sie ist von den Daten zu den Robotern gewandert. Die Welt etwa fragt, ob der Robotik-Boom Deutschlands Industrie vor eine „Schicksalsfrage“ stelle; er ist hier nur ein Beispiel unter vielen. Entscheidend ist das Missverständnis, das er mit großen Teilen der Berichterstattung teilt: Ein Bestand, sei es an Daten, Robotern oder Industriekompetenz, wird als Wettbewerbsposition gelesen. Dabei sagt der Bestand nur, was heute vorhanden ist. Ob er morgen etwas wert ist, hängt davon ab, wer die Maschinen baut, wo die Fabriken stehen, wie groß der Markt ist und wer die Schicht darüber kontrolliert. Diese Fragen werden in der Regel nicht gestellt, und an ihnen setzt dieser Beitrag an.

Erstes Glied: Die Maschine

Die Roboterdichte, die Zahl der Industrieroboter je 10.000 Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe, ist ein Anwenderindikator. Sie misst, wie viele Roboter in einem Land stehen, nicht, wer sie baut. Nach dem Jahresbericht „World Robotics“ der International Federation of Robotics (IFR), dem Weltverband der Robotikbranche mit Sitz in Frankfurt, hat China Deutschland hier bereits überholt. Es liegt mit 470 Einheiten auf Rang drei, hinter Südkorea und Singapur.

Beim Absatz ist der Abstand größer. Im Jahr 2024 wurden in China 295.000 Industrieroboter installiert, rund 54 Prozent der weltweit 542.000 Neuinstallationen. Zum ersten Mal verkauften chinesische Hersteller auf ihrem Heimatmarkt mehr als ihre ausländischen Konkurrenten, mit einem Anteil von 57 Prozent; für 2025 nennt der IFR-Bericht 55 Prozent. Deutschland führt weiterhin Europa an, ingenieur.de beziffert das Verhältnis der Installationen zu China für 2025 aber in seiner Überschrift auf eins zu vierzehn. Die Roboterproduktion in Deutsch…