Ein Essay im Manager Magazin 1/1983 forderte „das neue Bewußtsein“ für die deutsche Wirtschaft – mangelnde Zukunftsperspektiven, rückläufige technische Ausbildung, ein fehlender Aufbruch zu neuen Basistechnologien. Der Text liest sich, als sei er heute geschrieben. Und er ist keine Ausnahme: Von einer Spiegel-Titelgeschichte 1966 über Alfred Herrhausen 1983 und den BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel 1997 bis zum aktuellen Spitzenverbands-Appell von 2026 lässt sich derselbe Befund, dieselbe Dramaturgie und fast dasselbe Vokabular über sechzig Jahre bei einer wechselnden Besetzung von Verbandsfunktionären, Managern und Unternehmern nachweisen. Konstantin Richter hat in seinem Sachbuch „Dreihundert Männer“ gezeigt, dass diese Kontinuität kein Zufall ist, sondern Ausdruck eines über Generationen personell verflochtenen Netzwerks.


Im Heft 1/1983 veröffentlichte das Manager Magazin einen Essay von Klaus Luft, damals stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Nixdorf Computer AG, unter dem Titel „Wir brauchen das neue Bewußtsein“. Der Ausgangsbefund: über 15.000 Firmenpleiten im Vorjahr, eine erwartete Arbeitslosenzahl von 2,3 bis 2,5 Millionen, ein stagnierendes Bruttosozialprodukt. Luft diagnostiziert einen Mangel an Zukunftsperspektiven, eine rückläufige technische Ausbildung und eine Wirtschaftspolitik, die sich in Vergangenheitsbetrachtung erschöpft, statt auf neue Basistechnologien – Mikroelektronik, Biotechnik, Telekommunikation – zu setzen. Sein Forderungskatalog an die Politik: bessere Gewinnaussichten, steuerliche Anreize für Risikokapital, erleichterte Unternehmensgründungen, eine revidierte Investitionspolitik. An die Verbände gerichtet: weg von der „Lobby-Nabelschau“, hin zu einer aktiven Mitgestaltung des Strukturwandels.

Wer diesen Text ohne Datumsangabe läse, würde ihn kaum von einem Gastbeitrag aus dem Jahr 2024 oder 2025 unterscheiden können – nur dass an die Stelle von Mikroelektronik und Biotechnik heute Künstliche Intelligenz, Wasserstoff oder Quantencomputing träten.

Konstantin Richter hat in seinem Sachbuch „Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ den noch älteren Beleg für dasselbe Muster geliefert. Ihn habe bei der Recherche überrascht, so Richter in einem Gespräch zum Buch, wie alt die Warnungen vor einem Niedergang der bundesdeutschen Wirtschaft tatsächlich seien: Schon während des Wirtschaftswunders sei der Optimismus geschwunden, und die heute vertrauten Klagen hätten damals bereits eingesetzt. Eine Spiegel-Titelgeschichte aus dem Jahr 1966 zähle exakt das auf, was die Debatte bis in die Gegenwart begleitet – mangelnde Investitionen in Zukunftsindustrien, den Forschungs- und Entwicklungsabstand zu den USA, die Abwanderung qualifizierter Kräfte.

Damit lassen sich mindestens sechs Fixpunkte über sechzig Jahre benennen, die auffällig deckungsgleich argumentieren:

1966 (Spiegel): Investitionslücke in Zukunftsindustrien, F&E-Rückstand gegenüber den USA, Abwanderung von Fachkräften.

1983 (Luft/Nixdorf): Mangel an Zukunftsperspektiven, rückläufige technische Ausbildung, fehlende Förderung neuer Basistechnologien, Appell an ein „neues Bewußtsein“.

1983 (Herrhausen/Deutsche Bank): Im selben Jahr wie Luft hielt Alfred Herrhausen eine programmatische Rede zur Notwendigkeit von Eliteförderung und Leistungsbereitschaft in allen gesellschaftlichen Bereichen. Herrhausen gilt in der historischen Rückschau nicht zufällig als Sprecher nicht nur seiner Bank, sondern – avant la lettre – als Sprecher der „Deutschland AG“ selbst: Er formulierte den Appell an eine leistungsorientierte Elite, während Luft ihn an die junge Unternehmergeneration richtete – zwei Varianten derselben Diagnose, zeitgleich vorgetragen von zwei zentralen Figuren desselben Netzwerks.

1997 (Henkel/BDI): Der frühere IBM-Manager und damalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel legte mit dem Projekt „Für ein attraktives Deutschland“ eine Zukunftsperspektive vor, die einen neuen Denkansatz und mehr Flexibilität einforderte und – gestützt auf die „Ruck“-Rede Bundespräsident Herzogs – eine größere gesellschaftliche Reformbereitschaft anmahnte. Strukturell derselbe Appell wie bei Luft und Herrhausen vierzehn Jahre zuvor, nur unter einem anderen Etikett.

2026 (Leibinger/BDI): Der amtierende BDI-Präsident Peter Leibinger fordert „Richtung, Tempo und ein klares Zielbild für den Standort“, die Präsidenten von BDA, BDI, ZDH und DIHK erklären gemeinsam, dieses Jahr müsse zum „Jahr der großen Reformen“ werden, die Unternehmen bräuchten „wieder eine verlässliche Zukunftsperspektive“.

Gegenwart, allgemein: Investitionsstau, Innovationsrückstand gegenüber den USA und China, Fachkräftemangel, Appell an neue Gründerkultur und „Mut zur Zukunft“ – Formulierungen, die sich praktisch beliebig mit Zitaten aktueller Verbandsfunktionäre, Vorstandsvorsitzender oder Unternehmer belegen ließen.

Was sich über die Jahrzehnte wiederholt, ist nicht nur der Inhalt der Klage, sondern ihre Dramaturgie: eine Bestandsaufnahme wirtschaftlicher Rückstände, gefolgt von der Benennung einer oder mehrerer Zukunftstechnologien oder eines neuen „Denkansatzes“ als Ausweg, ergänzt um einen Forderungskatalog an Politik und Verbände, und abgeschlossen mit einem verhalten optimistischen Schluss, der auf vorhandene Stärken – Facharbeiterstamm, Exportquote, Innovationskraft – verweist. Diese Struktur bleibt über sechzig Jahre nahezu unverändert; lediglich die genannten Technologien, das Etikett des geforderten Bewußtseinswandels und die jeweils sprechende Person wechseln. Bemerkenswert ist dabei weniger, dass ein einzelner Manager wie Luft 1983 so argumentiert hat, sondern dass praktisch jede Generation von Verbandsfunktionären, Top-Managern und Unternehmern denselben Appell in eigenen Worten neu formuliert – vom Deutsche-Bank-Sprecher Herrhausen über den Nixdorf-Manager Luft bis zu den amtierenden Verbandsspitzen von heute. Ein Blick auf die Liste der BDI-Präsidenten der letzten fünfzig Jahre – von Hans-Günther Sohl über Rolf Rodenstock, Tyll Necker, Henkel, Rogowski, Thumann, Keitel, Grillo, Kempf und Russwurm bis zu Leibinger – zeigt zudem, wie regelmäßig sich in diesem einen Amt allein die Gelegenheit zu einem solchen Appell erneuert: Im Schnitt wechselt die Präsidentschaft alle drei bis vier Jahre, und mit jedem Wechsel wird die Diagnose tendenziell neu formuliert, ohne dass die vorherige als eingelöst gelten könnte.

Konstantin Richters Befund in seinem Buch 300 Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG fügt sich in eine umfassendere These seines Buchs: Ein über Generationen personell verflochtenes Netzwerk aus Industriellen, Bankiers und Verbandsvertretern – die „Deutschland AG“ – habe die wirtschaftspolitische Kommunikation lange geprägt und dabei auch ihre rhetorischen Muster über Jahrzehnte konserviert. Herrhausen, Luft und Henkel lassen sich in diesem Sinn als Dokumente aus der Mitte dieser Kontinuitätslinie lesen – zeitlich zwischen der Spiegel-Diagnose von 1966 und den heutigen Debatten gelegen, inhaltlich mit beiden nahezu identisch.

Damit stellt sich die Frage, ob diese Kontinuität überhaupt noch als Klage über einen realen Zustand zu lesen ist oder ob sie längst eine eigene, von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage entkoppelte Funktion erfüllt – ein Genre mit eigener Form und eigenem Zweck, wie es sie in anderen Kontexten der politischen Rede seit langem gibt. In der amerikanischen Rhetorikforschung ist ein solches Muster unter dem Begriff der „Jeremiade“ beschrieben worden: eine wiederkehrende Redeform, die zunächst den Verfall der Gemeinschaft beklagt, um daraus die Ermahnung zur Rückbesinnung auf die eigentliche, immer noch gültige Bestimmung abzuleiten. Entscheidend ist, dass die Jeremiade trotz ihres Verfallsbefunds keine pessimistische, sondern eine bestätigende Funktion hat: Wer den Niedergang beklagt, zeigt damit zugleich, dass er die hohen eigenen Maßstäbe noch kennt und an ihnen festhält. Diese Struktur liegt bei Luft, Henkel und Leibinger fast idealtypisch vor – Klage über Rückstand, gepaart mit dem Beharren auf der eigenen Exzellenzfähigkeit (Facharbeiterstamm, Exportquote, Innovationskraft).

Als Ritual erfüllt ein solcher Appell mindestens drei Funktionen, die von seinem Wahrheitsgehalt unabhängig sind: Er dient als Amtsantritts-Signal, mit dem eine neue Amtsperson – etwa ein frisch gewählter Verbandspräsident – eigenen Gestaltungsanspruch demonstriert, ohne sich damit auf etwas Konkretes festzulegen; er stiftet Kohäsion, indem die gemeinsame Anerkennung des Problems die angesprochene Gruppe als Gemeinschaft bestätigt, unabhängig davon, ob am Ende gehandelt wird; und er diffundiert Verantwortung, indem die Diagnose an „die Politik“ oder „die Gesellschaft“ insgesamt gerichtet wird und damit die sprechende Person und ihr eigenes Unternehmen von der Frage entlastet, was sie selbst zur Behebung beigetragen haben. Die Liste der BDI-Präsidenten mit ihrem Drei-vier-Jahres-Rhythmus liefert dafür die strukturelle Erklärung: Allein die formale Wiederkehr des Amtes erzeugt eine wiederkehrende Gelegenheit zum Appell, unabhängig davon, ob sich die zugrundeliegende Lage überhaupt verändert hat.

Diese Rituallesart trägt allerdings nicht für alle sechs Fixpunkte gleichermaßen. Herrhausen unterscheidet sich von den übrigen Fällen in einem entscheidenden Punkt: Er sprach nicht als zeitlich befristeter Amtsinhaber eines Interessenverbands, sondern über Jahre hinweg als Sprecher der Deutschen Bank mit einem selbstgewählten, ausdrücklich überparteilichen Anspruch – seine Reden zielten auf europäische Integration und Elitenbildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, nicht auf eine zyklische Standortklage im Amtsantritts-Rhythmus eines Verbandspräsidenten. Der Amtsantritts-Mechanismus, der die Wiederholungsfrequenz bei den BDI-Präsidenten strukturell erklärt, greift bei ihm nicht. Hinzu kommt ein zweiter, tiefer liegender Unterschied: Herrhausen war, wie überliefert, ein Freund und Anhänger Karl Poppers und damit des kritischen Rationalismus verpflichtet – einer Denkweise, die von jeder Position verlangt, dass sie sich an konkreten Erfahrungen prüfen und im Zweifel widerlegen lässt. Seine Positionen bezog er nicht als situatives Amtsritual, sondern als über Jahre argumentativ und in sich kohärent begründeten Standpunkt. Damit fehlt bei ihm gerade jenes Merkmal, das die Jeremiade von einer regulären, prüfbaren Position unterscheidet: die Unabhängigkeit der wiederholten Aussage von ihrer jeweiligen Begründung. Das schließt nicht aus, dass auch Herrhausens Reden Teil des von Richter beschriebenen Netzwerk-Diskurses waren – aber ihre Wiederholungslogik ist eine andere: eher die eines dauerhaften, argumentativ verantworteten Ordnungsanspruchs als die eines Rituals, das an eine begrenzte Amtszeit gebunden ist und sich seiner eigenen Prüfbarkeit gerade entzieht.

Der Ritual-Charakter der Appelle lässt sich an einer konkreten Frage prüfen: Was würde es für die Rufenden selbst bedeuten, wenn die geforderte Reform tatsächlich in vollem Umfang umgesetzt würde? Am greifbarsten wird das bei zwei Instrumenten, die in den Forderungskatalogen seit Luft immer wieder auftauchen – Subventionen und steuerliche Vergünstigungen. Wer „mehr Wettbewerb“ und „echte Leistungsorientierung“ fordert, müsste konsequenterweise auch für den Abbau der Kohlesubventionen, der Agrardieselvergünstigung, der Steuerbefreiung für Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer, der Stromkosten-Kompensation für energieintensive Branchen oder des Dienstwagenprivilegs eintreten – Instrumente, die genau jene Unternehmen und Branchen begünstigen, deren Verbände die Reformappelle formulieren. Tatsächlich richten sich die konkreten Forderungskataloge fast durchgängig in die andere Richtung: mehr steuerliche Anreize, mehr Investitionsförderung, mehr Venture-Capital-Vergünstigungen – zusätzliche Vorteile also, nicht der Verzicht auf bestehende. Ein Wettbewerbsprinzip, das konsequent durchgesetzt würde, träfe die Rufenden selbst zuerst: Es würde geschützte Marktpositionen, garantierte Abnahmemengen und regulatorische Bestandsgarantien in Frage stellen, von denen die versammelten Verbände und Unternehmen strukturell profitieren. Das durchgespielte Szenario liefert damit eine einfache, sprichwörtliche Zusammenfassung der Konstellation: Man will den Pelz gewaschen bekommen, ohne nass zu werden – Reform als Rhetorik gegenüber Dritten, Besitzstandswahrung als Praxis in eigener Sache.

Das durchgespielte Szenario: Was eine konsequente Marktordnung tatsächlich bedeuten würde

Der Befund lässt sich an konkreten Zahlen durchrechnen. Der 30. Subventionsbericht der Bundesregierung weist für den Bund allein ein Volumen von 45 Milliarden Euro (2023) auf veranschlagte 77,8 Milliarden Euro (2026) aus – Finanzhilfen und Steuervergünstigungen zusammengenommen. Hinzu kommen rund 6,3 Milliarden Euro jährliche EU-Agrarsubventionen für Deutschland, davon knapp 5 Milliarden Euro flächengebundene Direktzahlungen. Das ist die Ausgangsmasse, die bei einer konsequent marktwirtschaftlichen Neuordnung – ohne Subventionen, ohne Steuervergünstigungen, ohne Zunftrecht, ohne Agrarsubventionen – entfiele.

In der Landwirtschaft wäre ein erheblicher Teil der Betriebe, gerade kleinere und mittlere, ohne die Direktzahlungen gegenüber Agrarimporten aus Ländern mit niedrigeren Kosten nicht mehr wettbewerbsfähig; der bereits laufende Strukturwandel (Höfesterben) würde sich beschleunigen, mit Konzentration auf wenige große, kapitalstarke Betriebe. Im Energiesektor entfiele mit der EEG-Förderung (17,2 Milliarden Euro für 2026) die Vergütungssicherheit für Wind- und Solarinvestitionen – konsequente Marktlogik hieße zugleich der Wegfall von Dieselprivileg, Pendlerpauschale und historisch der Kohlesubventionen, also Symmetrie in beide Richtungen. Im Handwerk würde die Abschaffung der Meisterpflicht (Zunftrecht im engeren Sinn) den Marktzutritt erleichtern, zugleich aber das daran gekoppelte Ausbildungssystem schwächen – die Handwerksnovelle 2004 hat das im Kleinen bereits durchgespielt: Der spürbare Rückgang der Ausbildungsleistung in den deregulierten Gewerken führte 2020 zur teilweisen Rückkehr zur Meisterpflicht. In der Industrie entfielen die milliardenschwere Mikroelektronikförderung, die Wasserstoff- und Batteriezellenförderung sowie die CO2-Kompensation für die Stahl- und Chemieindustrie – gerade jene energieintensiven Grundstoffbranchen wären am direktesten betroffen. Und der Wegfall der Erbschaftsteuerbefreiung für Betriebsvermögen träfe ausgerechnet die familiengeführte Mittelstands- und Hidden-Champions-Struktur, die in der Standortdebatte regelmäßig als Stärke beschworen wird: Viele dieser Unternehmen wären bei Erbfällen ohne Verschonungsregel real zerschlagungs- oder verkaufsgefährdet.

Ein Einwand relativiert das Szenario allerdings erheblich, unabhängig von jeder Interessenlogik: die internationale Symmetrie. Ein einseitiger deutscher oder europäischer Verzicht fände nicht im Vakuum statt. Die USA subventionieren über Instrumente wie den Inflation Reduction Act in ähnlicher Größenordnung, China über direkte Staatsbeteiligung und günstige Kredite noch weit massiver. Ein Verzicht Deutschlands allein wäre keine Herstellung von Wettbewerbsgleichheit, sondern eine einseitige Abrüstung gegenüber Wettbewerbern, die selbst nicht abrüsten. Das durchgespielte Szenario zeigt damit zweierlei zugleich: Es bestätigt, dass genau die Sektoren, deren Vertreter am lautesten „mehr Wettbewerb“ fordern – energieintensive Industrie, Landwirtschaft, erbschaftsteuerbegünstigter Mittelstand –, bei einer konsequenten Umsetzung selbst am härtesten getroffen würden. Und es zeigt zugleich, dass ein rein nationaler Alleingang ökonomisch riskant wäre, solange die wichtigsten Wettbewerber ihrerseits auf Subventionen setzen. Beide Befunde schließen sich nicht aus – sie erklären zusammen, warum der Appell an „echten Wettbewerb“ folgenlos bleiben kann, ohne dass diese Folgenlosigkeit allein rhetorisches Kalkül sein muss.

Was diese Kontinuität nicht beweist, ist, dass die beschriebenen Probleme nicht real wären. Die Wiederkehr derselben Klage über sechzig Jahre lässt entsprechend mehrere Lesarten zu, die sich nicht gegenseitig ausschließen: Sie kann als Ritual mit eigener sozialer Funktion gelesen werden, das sich unabhängig von der jeweiligen konjunkturellen Lage reproduziert; sie kann darauf hindeuten, dass die beschriebenen strukturellen Schwächen tatsächlich chronisch sind und über sechzig Jahre nie grundlegend behoben wurden; und sie lässt sich – gestützt auf das durchgespielte Subventions- und Steuerszenario – auch als Ausdruck eines Interesses am Status quo selbst lesen, dem eine tatsächlich durchgesetzte Reform eher schaden als nützen würde. Welche dieser Lesarten überwiegt, lässt sich anhand der hier verglichenen Fixpunkte allein nicht abschließend entscheiden; dafür wäre eine systematische Prüfung nötig, in welchem Umfang die jeweils Forderenden im Anschluss an ihre eigenen Appelle auf konkrete, sie selbst betreffende Vergünstigungen tatsächlich verzichtet haben.

Ralf Keuper


Quellenverzeichnis

Primärquelle (vom Autor bereitgestellt)

  • Klaus Luft: „Wir brauchen das neue Bewußtsein“, Manager Magazin 1/1983 (Printarchiv, kein Link verfügbar)
  • Liste der BDI-Präsidenten 1972–2025 (vom Autor bereitgestellt)

Zu Konstantin Richter, „Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ (Suhrkamp, 2025)

Zu Alfred Herrhausen 1983

Zu Hans-Olaf Henkel/BDI 1997

Zu Peter Leibinger/BDI und dem Verbandsappell 2026

Zum Konzept der Jeremiade

Zum durchgespielten Szenario (Subventionen, Steuervergünstigungen, Agrarsubventionen)