Über sechzig deutsche Sensorik-Hersteller lassen sich ohne große Mühe auflisten – von Weltmarktführern wie ifm, Turck und SICK über die Prozessmesstechnik-Größen Endress+Hauser, WIKA und VEGA bis zu spezialisierten Mittelständlern wie core sensing oder Wi.Tec Sensorik. Die Dichte an „Hidden Champions“ in dieser Branche ist tatsächlich beachtlich, und die Verbandszahlen des AMA Verband für Sensorik und Messtechnik zeichnen dazu passend das Bild einer sich stabilisierenden Branche: nach einem schwachen 2024 mit Umsatzrückgängen im vierten Quartal folgte 2025 eine schrittweise Erholung – drittes Quartal plus sieben Prozent zum Vorquartal, viertes Quartal noch einmal plus ein Prozent zum Vorquartal und plus elf Prozent zum Vorjahresquartal. Der Verband spricht von einer moderaten, aber sichtbaren Erholung nach den rückläufigen Umsätzen des Vorjahres.

Wer jedoch von der Verbandsebene auf die Ebene einzelner Unternehmen wechselt, findet ein deutlich unruhigeres Bild – und einen Mechanismus, der in der aggregierten Statistik unsichtbar bleibt: Ein Teil dessen, was auf Unternehmensebene wie Wachstum aussieht, ist tatsächlich eine Verschiebung von Geschäft zwischen Wettbewerbern derselben Branche, keine neu entstandene Nachfrage.


Zwei Segmente, zwei Erzählungen

Die Sensorik-Branche gliedert sich grob in Prozessmesstechnik (Druck, Temperatur, Durchfluss, Füllstand – für die Prozessindustrie) und Fabrikautomation (Näherungs-, Positions- und optische Sensorik für die diskrete Fertigung). Diese Trennung ist mehr als eine Produktkategorie; sie entscheidet 2024/25 auch über die wirtschaftliche Lage der jeweiligen Unternehmen.

Endress+Hauser, der Prozessmesstechnik-Spezialist aus Reinach bei Basel, meldete für 2025 mit 4,01 Milliarden Euro Nettoumsatz erstmals einen Wert über der Vier-Milliarden-Marke – ein Plus von 7,2 Prozent. Auf den ersten Blick liest sich das wie ein Beleg für die Resilienz der Prozessmesstechnik gegenüber der schwächelnden Fabrikautomation. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass ein wesentlicher Teil dieses Wachstums nicht organisch ist: Das rein organische Wachstum lag bei 2,6 Prozent, während der Rest maßgeblich auf die Übernahme der Gasanalyse- und Gasmesstechniksparte eines anderen deutschen Sensorherstellers zurückgeht – SICK.

Der Fall SICK/Endress+Hauser: Konsolidierung statt Neuwachstum

Anfang 2025 wurde eine strategische Partnerschaft wirksam, in deren Rahmen SICK sein Gasanalyse- und Gasmesstechnikgeschäft an Endress+Hauser übertrug. In 46 Ländern gingen Vertrieb und Service auf Endress+Hauser über, mehr als 800 Mitarbeitende wechselten das Unternehmen. Für die Statistik bedeutet das: Ein Umsatzvolumen, das zuvor bei SICK verbucht wurde, taucht nun bei Endress+Hauser auf. Der SICK-eigene Geschäftsbericht 2024 weist entsprechend einen Rückgang im fortgeführten Geschäft von 11,8 Prozent aus – eine Zahl, die im Konzernumsatz von 2024 (knapp 1,7 Milliarden Euro) noch nicht sichtbar war, weil die Gasanalysesparte darin noch enthalten war.