Kernfusion gilt als Schlüssel zu einer sauberen, nahezu unerschöpflichen Energiequelle – und war selten so gut finanziert wie heute. Ein Überblick über den Forschungsstand in den wichtigsten Ländern und Technologiepfaden zeigt: Der wissenschaftliche Fortschritt ist real, teils beeindruckend. Von einem kommerziellen Kraftwerk ist aber, bei allen Unterschieden im Detail, noch jedes Land und jeder Technologiepfad ein gutes Stück entfernt.


Drei Prinzipien, ein Ziel

Wer über Kernfusion spricht, meint meist unterschiedliche technologische Ansätze, die sich unter dem gemeinsamen Etikett unscharf vermischen. Die Laserfusion (Trägheitseinschluss) komprimiert ein winziges Brennstoffkügelchen für den Bruchteil einer Nanosekunde mit hochenergetischen Lasern; ein Kraftwerk müsste ein solches Kügelchen etwa zehnmal pro Sekunde zünden. Der Tokamak, das am längsten erforschte Konzept, hält das Plasma durch eine Kombination aus äußeren Spulen und einem im Plasma selbst erzeugten Strom in der Schwebe – ein Verfahren, das aus physikalischen Gründen meist nur gepulst arbeiten kann und dessen Eigenstrom das Plasma anfällig für Instabilitäten macht. Der Stellarator verzichtet auf diesen Plasmastrom vollständig und erreicht die nötige Feldverdrillung allein durch komplex geformte externe Spulen – fertigungstechnisch aufwendiger, dafür von der Bauweise her für Dauerbetrieb ausgelegt. Jeder Ansatz hat damit eigene Stärken und eigene Schwachstellen; keiner ist dem anderen eindeutig überlegen, was einer der Gründe ist, warum weltweit alle drei Pfade parallel verfolgt werden.

Wo die einzelnen Länder und Projekte stehen

Das internationale Großprojekt ITER in Südfrankreich, ein Tokamak, war jahrzehntelang der unangefochtene Taktgeber der Fusionsforschung. Inzwischen hat es diese Rolle größtenteils eingebüßt: Die eigentlichen Forschungsaktivitäten sollen erst 2034 beginnen, fast zwanzig Jahre später als ursprünglich geplant, bei Kosten von mittlerweile über 20 Milliarden Euro – ein warnendes Beispiel dafür, wie sich staatlich-multilaterale Großprojekte verzögern und verteuern können, aber auch ein Beleg für die enorme technische Komplexität, die jedes Fusionsprojekt bewältigen muss.

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