Einleitung: Ein anderer Blick auf Organisationen
Was ist eigentlich ein Unternehmen, eine Behörde, ein Verein? Die übliche Antwort lautet: eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam ein Ziel verfolgt. Der Soziologe Niklas Luhmann sieht das anders – und seine Perspektive erklärt vieles, was uns an Organisationen rätselhaft erscheint.
Luhmanns Kernthese: Organisationen sind keine Maschinen, die man von außen steuern kann. Sie sind lebendige Gebilde, die sich ständig selbst erschaffen – durch Entscheidungen. Jede Entscheidung knüpft an frühere Entscheidungen an und ermöglicht neue. So hält sich die Organisation am Leben.
1. Die Umwelt existiert nicht „da draußen“
Das klassische Missverständnis
Lange glaubte man: Hier ist die Organisation, dort ist die Umwelt – Kunden, Konkurrenten, der Markt. Die Organisation muss sich an diese Umwelt anpassen, sonst geht sie unter. Klingt logisch, ist aber zu einfach gedacht.
Was Organisationen wirklich sehen
In Wahrheit kann keine Organisation „die Umwelt“ direkt wahrnehmen. Sie sieht nur das, was ihre eigenen Strukturen ihr zu sehen erlauben. Ein Controlling sieht Zahlen, der Vertrieb sieht Kunden, die Rechtsabteilung sieht Risiken – aber niemand sieht „die Realität“.
Beispiel: Wenn Nokia 2007 das iPhone als Spielzeug abtat, lag das nicht an Dummheit. Die internen Bewertungskriterien von Nokia – Akkulaufzeit, Robustheit, Netzabdeckung – ließen das iPhone schlecht aussehen. Nokia konnte die Disruption nicht sehen, weil seine Strukturen dafür blind waren.
Warum das wichtig ist
Die „Umwelt“ ist immer eine…
