Toshihiro Mibe, der CEO von Honda, besichtigt eine Zulieferfabrik in Shanghai und kehrt mit einem Satz zurück, der klingt wie eine Kapitulation: „We have no chance against this.“ Der Satz ist inzwischen weit verbreitet, und die mediale Tendenz, ihn als Untergangsrhetorik eines unter Druck geratenen CEO zu lesen, liegt nahe. Diese Lektüre greift zu kurz. Wer Mibes Aussage strukturell einordnet statt sie dramaturgisch aufzuladen, stößt auf ein Phänomen, das weit über Honda hinausweist: den Übergang von einem Wettbewerb zwischen Marken zu einem Wettbewerb zwischen Systemen.
Die Datenlage
Die Zahlen sind eindeutig. Hondas China-Absatz fiel von 1,62 Millionen Einheiten im Jahr 2020 auf rund 640.000 im Jahr 2025 – ein Rückgang von mehr als 60 Prozent in fünf Jahren. Die Kapazitätsauslastung liegt weit unter dem branchenüblichen Mindestschwellenwert von 70 bis 80 Prozent, bei dem Automobilfertigung profitabel betrieben werden kann. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang unter 600.000 Einheiten erwartet. Hinzu kommen abgebrochene EV-Projekte (0 SUV, 0 Sedan, Acura RSX Revival, die Afeela-Kooperation mit Sony) und Abschreibungen von bis zu 15,8 Milliarden US-Dollar.
Diese Zahlen beschreiben kein vorübergehendes Absatzproblem, das sich mit einem neuen Modell oder einer Preiskorrektur beheben ließe. Sie beschreiben den Verfall einer Marktposition, der auf einem strukturellen Wettbewerbsnachteil beruht.
Die eigentliche Verschiebung: Iteration statt Preis
Das populäre Narrativ lautet: China ist billig, und billige Autos verdrängen teure. Das ist nicht falsch, aber es verfehlt den Kern. Das entscheidende Datum ist nicht der Stückpreis, sondern die Entwicklungsgeschwindigkeit: Chinesische Hersteller und ihre Zulieferer bringen neue Modelle in zwei Jahren oder weniger auf die Straße. Westliche Premiumhersteller benötigen traditionell das Doppelte – manchmal mehr. Chinesische Zulieferer können dabei nicht nur das Tempo mithalten, sondern tun es bei einer Kostenstruktur, die etablierten Herstellern strukturell unerreichbar erscheint.
Das verändert die Wettbewerbsdynamik fundamental. Wer schneller iteriert, macht schneller Fehler – und korrig…
