1984 diagnostizierte das manager magazin alle Probleme der deutschen Filmwirtschaft: Subventionierung statt unternehmerischem Risiko, Gremien statt Publikum, Mittelmaß statt Exzellenz. 40 Jahre später: Die FFA verteilt mit 36-köpfigem Verwaltungsrat 250 Millionen Euro jährlich – durchschnittlich 1,3 Millionen pro Film. Zu wenig für Blockbuster, zu viel für Experimente, exakt die Mitte. Die Szene feiert sich auf Berlinale und Co., während die Welt nicht zuschaut. Parallel die neue Abhängigkeit: Netflix mit 18 Millionen Nutzern dominiert, Red Arrow produziert für Amazon, deutsche Medienkonzerne fehlen auf der Gatekeeper-Liste. Aus Subventionsabhängigkeit wurde Subordination unter globale Plattformen. 


Die fünf zentralen Erkenntnisse

Systematisches Mittelmaß – 1,3 Mio. € pro Film, 36-köpfiger Verwaltungsrat, Gremienlogik statt Vision

Ausnahmen gegen das System – Eichinger (60 Mio. Mark eigenes Risiko) vs. heute (alimentierte Förderung)

Festival-Selbstfeier – Binnenveranstaltungen ohne internationale Relevanz, geschlossener Kreislauf

Doppelte Abhängigkeit – Innen: Fördergelder; Außen: Plattformen (Netflix, Amazon als Gatekeeper)

40 Jahre Stillstand – Alle Probleme 1984 bekannt, nichts verbessert, nur verfestigt

I. Ein Zeitdokument und seine verstörende Aktualität

Im Juni 1984 titelte das manager magazin: „Filmwirtschaft – Suche nach einem Gesicht“. Bernd Eichinger hatte mit „Die unendliche Geschichte“ 600.000 Besucher am ersten Wochenende – ein Signal, dass es aufwärts gehen könnte mit dem deutschen Film. Der Artikel beschreibt ein System, das zwischen Kunst und Kommerz „alles in der Mitte versanden“ lässt.

Die Diagnosen von damals lesen sich wie eine Zustandsbeschreibung von heute:

Regina Ziegler, Filmproduzentin: „Ich brauche das unternehmerische Risiko, das ist so wichtig für mich wie die Luft zum Atmen. Nach zehn Jahren Tätigkeit im Fernsehn wären meine Bronchien durch die Klimaanlage so geschädigt, daß ich gehen müßte.“

Eberhard Hauff, Chef der Internationalen Münchner Filmwochen: „Eichinger ist ein Phänomen, er ist der Fassbinder der Produzenten, er könnte für eine Filmindustrie stehen, die diesen Namen wieder verdient.“

Theo Hinz, Münchner Filmproduzent: „Wenn man das Publikum verachtet, geht das nie gut.“

II. Eichinger als Ausnahme vom System

Bernd Eichinger war 1984 bereits das, was er bis zu seinem Tod 2011 blieb: die seltene Ausnahme eines deutschen Produzenten, der Film als Geschäft UND als Kunst verstand.

Seine Produktionsphilosophie: „Produzieren heißt nicht nur Geld einsammeln.“
Mit „Der Name der Rose“ (1986) bewies er, was möglich war:

  • Internationale Co-Produktion (deutsch-französisch-italienisch)
  • 60 Millionen Mark Budget – echtes unternehmerisches Risiko
  • Internationale Stars (Sean Connery)
  • Literarische Vorlage mit Weltgeltung (Umberto Eco)
  • Englischsprachig – kein Rückzug auf deutsche Befindlichkeit

Eichinger dachte international, während das System national dachte. Er dachte in Risiko und Rendite, während das System in Fördertöpfen und Quoten dachte. Er war eine Art Peter Drucker des deutschen Films: Management und künstlerischer Anspruch als Einheit.

III. Das System der o…