Der Datenatlas Bund, ein Metadaten-Portal der Bundesverwaltung, verschlang 25 Millionen Euro und wurde Ende 2025 sang- und klanglos eingestellt. Das Besondere: Das System erreichte nicht einmal den technischen Stand von 1986. Fehlende Boolesche Suchoperatoren, proprietäre Software, null Nutzung. Wie ist es möglich, dass ein System im Jahr 2025 technisch hinter Datenbanken der 1980er Jahre zurückfällt – während andere Bundesländer mit Bruchteilkosten funktionierende Lösungen bauen?
Die Absurdität als Ausgangspunkt
Ein unabhängiges Gutachten von Professor David Zellhöfer attestierte dem Datenatlas Bund, dass grundlegende Suchfunktionen fehlten, die seit den 1960er Jahren zum Standard jeder Datenbanktechnologie gehören. Boolesche Operatoren – die Möglichkeit, Suchanfragen mit AND, OR, NOT zu verknüpfen – waren nicht implementiert. Das System blieb hinter dem zurück, was bereits in den 1980er Jahren selbstverständlich war.
Die kognitive Asymmetrie
Öffentliche IT-Vergaben operieren in einem Feld fundamentaler Wissensasymmetrie. Wer über Budgets und Vergaben entscheidet, verfügt selten über die technische Expertise, die implementierte Lösung zu beurteilen. Wer über die technische Expertise verfügt, sitzt mehrere Hierarchiestufen unter den Entscheidungsträgern und wird nicht konsultiert, bevor Verträge unterschrieben werden.
Das Vergaberecht verschärft diese Asymmetrie, indem es formale Kriterien – Compliance-Nachweise, Referenzprojekte, Preisgestaltung – über substanzielle technische Qualität stellt. Ein Anbieter, der die dicksten Dokumentationsmappen vorlegt, hat strukturelle Vorteile gegenüber einem, der die beste Lösung baut. Das System belohnt Formalismus, nicht Funktionalität.
Niemand fragt vor der Vergabe: Funktioniert die Suche? Sind die Datenstrukturen interoperabel? Entspricht das System grundlegenden technischen Standards? Diese Fragen werden nicht gestellt, weil die Fragenden nicht wi…
