Unternehmen können einen beeindruckenden Bestand an Technologien, Patenten und Marktpositionen akkumulieren — und trotzdem scheitern. Nicht weil sie schlecht geführt werden, sondern weil sie nicht in der Lage sind, das Vorhandene unter veränderten Bedingungen neu zu kombinieren. David Teece, Gary Pisano und Amy Shuen haben 1997 einen Begriff dafür geprägt, der die Strategiediskussion seither nicht mehr verlassen hat: Dynamic Capabilities.


Die Strategietheorie der 1980er und frühen 1990er Jahre hatte zwei dominierende Antworten auf die Frage, warum manche Unternehmen dauerhaft erfolgreich sind und andere nicht. Die erste stammte aus der Spieltheorie: Erfolg ist das Ergebnis kluger strategischer Züge und Gegenzüge im Wettbewerb — wer die Regeln des Spiels besser versteht und geschickter spielt, gewinnt. Die zweite stammte aus dem ressourcenbasierten Ansatz: Erfolg beruht auf dem Besitz heterogener, schwer imitierbarer Ressourcen — wer über einzigartige Assets verfügt, kann dauerhaft Renten erzielen.

Teece, Pisano und Shuen akzeptieren beide Einsichten — und erklären gleichzeitig, warum sie nicht ausreichen. Der spieltheoretische Ansatz, so ihre Kritik, beschreibt Erfolg als Resultat taktischer Überlegenheit, vernachlässigt aber die Frage, wie tiefgreifende Wettbewerbsvorteile überhaupt entstehen. Der ressourcenbasierte Ansatz identifiziert korrekt, dass heterogene und knappe Ressourcen die Basis dauerhafter Vorteile sind — erklärt aber nicht, wie Unternehmen diese Ressourcen in sich rapide verändernden Umwelten aktiv rekonfigurieren. Genau diese Lücke ist es, die Teece et al. mit dem Konzept der Dynamic Capabilities schließen wollen.

Was Dynamic Capabilities bedeuten

Der Begriff ist präziser als er auf den ersten Blick wirkt. „Dynamic“ verweist nicht auf Beweglichkeit im allgemeinen Sinne, sondern auf eine spezifische Anforderung: die Kapazität, Kompetenzen so zu erneuern, dass sie mit einer sich verändernden Unternehmensumwelt in Übereinstimmung bleiben. „Capabilities“ verweist auf die zentrale Rolle des strategischen Managements beim Anpassen, Integrieren und Rekonfigurieren interner und externer organisationaler Fähigkeiten, Ressourcen und funktionaler Kompetenzen. Zusammengenommen meinen Dynamic Capabilities die Fähigkeit eines Unternehmens, interne und externe Kompetenzen zu integrieren, aufzubauen und neu zu konfigurieren, um auf sich rapide verändernde Umgebungen zu reagieren.

Das ist keine Beschreibung einer einmaligen Transformationsleistung, sondern ei…