Europa fördert den Abschied von der Gasheizung – und finanziert dabei ungewollt den Aufstieg chinesischer Hersteller. Was als Klimapolitik gedacht war, entpuppt sich zunehmend als Nachfragegarantie für Importware: Gree, Midea und Haier bedienen den durch RED III und Gebäudeenergiegesetz angeheizten Markt mit Geräten ab 6.500 Euro, während europäische Hersteller mit Installationskosten von teils über 30.000 Euro kämpfen.

Das Paradox liegt tief in der Förderlogik: Prozentuale Zuschüsse setzen Anreize zur Preissteigerung, nicht zur Kostensenkung – und subventionieren so ein heimisches Ökosystem, das sich strukturell kaum von der chinesischen Industriepolitik unterscheidet, die man lautstark kritisiert. Der Unterschied: Chinas Subventionen senken die Preise, Deutschlands heben sie.

Ob Zölle daran etwas ändern, ist zweifelhaft. China investiert längst in europäische Produktionsstandorte – und selbst deutsche Hersteller fertigen in Wuxi und Tianjin. Die Verflechtung ist bidirektional, die Expansion kaum aufzuhalten. Was Europa braucht, ist keine Mauer, sondern eine ehrliche Antwort auf die Frage: Welche Industrien will man schützen – und mit welchen Mitteln?


Die chinesische Offensive

China verfolgt im Wärmepumpenmarkt dieselbe Strategie, die bereits bei Solaranlagen und Elektrofahrzeugen zum Erfolg geführt hat: staatlich koordinierte Industriepolitik, massive Skaleneffekte und aggressive internationale Expansion. Der 2025/2026 verabschiedete „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“ formuliert bis 2030 klare Ziele – darunter verbesserte Fertigungskapazitäten, gestärkte F&E-Fähigkeiten und internationale Expansion. China dominiert die globalen Wärmepumpenexporte und nimmt eine führende Stellung in der weltweiten Produktion ein; eine präzise Bezifferung des Installationsbasisanteils lässt sich derzeit nicht seriös belegen. Hersteller wie Gree, Midea und Haier expandieren mit Preisen ab rund 6.500 Euro pro Einheit massiv nach Europa. Allein 2024 stiegen die chinesischen Wärmepumpenexporte in die EU um 35 Prozent, mit den größten Absatzmärkten in Deutschland, Italien und Polen.

Die strategische Logik ist dabei nicht allein betriebswirtschaftlicher Natur. Staatliche Subventionen und Kohle-zu-Strom-Programme befeuern den chinesischen Inlandsmarkt und schaffen jene Skaleneffekte, die chinesischen Herstellern auf dem Weltmarkt einen strukturellen Kostenvorteil sichern. Was als Klimapolitik firmiert, ist zugleich Industriepolitik mit globaler Reichweite.

Das europäische Paradox

Die Ironie der Situation liegt auf der Hand: Die Dekarbonisierungspolitik der Bundesregierung und der EU – gedacht zur Stärkung heimischer Industrien und zur Reduktion fossiler Abhängigkeiten – entfaltet in der Praxis eine gegenteilige Wirkung. Programme wie die EU-Richtlinie RED III (Ziel: 60 Millionen Wärmepumpen bis 2030) und das deutsche Gebäudeenergiegesetz treiben die Nachfrage in die Höhe, die chinesische Exporteure bereitwillig und konkurrenzfähig bedienen. Subventionierte chinesische Geräte greifen direkt auf Fördermittel zu, die ursprünglich europäische Produktionskapazitäten stärken sollten. Was als Nachfrageförderung konzipiert wurde, wirkt faktisch als Abnahmegarantie für Importware.

Dieser Mechanismus ist strukturell – kein Versehen, sondern das Ergebnis einer Förderpolitik, die Nachfrage stimuliert, ohne gleichzeitig Produktion zu schützen oder heimische Angebotsstrukturen zu stärken.

Das hausgemachte Kostenproblem

Zu dieser ordnungspolitischen Schieflage kommt ein weiteres, oft übersehenes Problem: Das deutsche Ökosystem aus Herstellern, Zertifizierern, Prüfstellen und Handwerkern hat die Preise systematisch nach oben getrieben. Installationskosten von 30.000 Euro und mehr sind keine Seltenheit – verursacht durch hohe Lohnkosten, bürokratische Hürden, aufwendige Elektroinstallationen und eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Im Vergleich zu Großbritannien oder Frankreich entstehen Mehrkosten von 10.000 bis 25.000 Euro allein durch diese systemischen Faktoren.

Das eigentliche Problem liegt in der Logik prozentualer Fördermodelle: Wenn der Staat bis zu 70 Prozent der Investitionskosten übernimmt und die Förderhöhe am Listenpreis bemessen wird, entsteht für alle Beteiligten ein Anreiz, die Preise an der maximal erzielbaren Förderung auszurichten – nicht an der tatsächlichen Wertschöpfung. Das ist strukturell nichts anderes als eine indirekte Subventionierung des gesamten Ökosystems, derjenigen staatlichen Subventionierung also, die man China als unfairen Wettbewerbsvorteil vorhält. Der Unterschied: Chinas Subventionen senken die Preise, Deutschlands Subventionen heben sie.

Festzuschüsse, wie sie in Großbritannien praktiziert werden, könnten diesen Fehlanreiz korrigieren. Sie definieren einen fixen Förderbetrag unabhängig vom Gesamtpreis und setzen so einen Anreiz zur Kostensenkung statt zur Preisinflation.

Die Grenzen europäischer Schutzpolitik

Angesichts dieser Dynamiken fordern Verbände wie der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) Schutzmaßnahmen – Zölle auf subventionierte chinesische Importe, ähnlich wie bei Elektrofahrzeugen. Die EU prüft entsprechende Instrumente. Doch der Schutzzoll ist in seiner Wirkung begrenzt und auf Zeit gestellt: Chinesische Hersteller umgehen regulatorische Barrieren durch direkte Investitionen in Europa, durch Übernahmen europäischer Produktionsstätten und durch die Lokalisierung von Montagekapazitäten. Die Übernahme von Arbonia durch einen chinesischen Konzern ist ein Beispiel für diese Strategie. Selbst deutsche Unternehmen wie Vaillant und Stiebel Eltron produzieren bereits in China – die Verflechtung ist längst bidirektional.

Langfristig werden weder Zölle noch CE-Zertifizierungshürden die chinesische Expansion stoppen. Wer dies erwartet, zieht die falsche Lehre aus der Solarpanel-Geschichte, die Europa trotz aller Schutzmaßnahmen verloren hat.

Was bleibt

Für europäische Hersteller wie Viessmann, Vaillant oder Stiebel Eltron verbleiben strategische Nischen: Effizienz und Zuverlässigkeit im Premiumsegment, Servicenetze, systemische Integration, regulatorische Nähe. Diese Vorteile sind real, aber auch begrenzt und zeitlich nicht unbeschränkt. China holt technologisch auf – der Aktionsplan sieht eine Effizienzsteigerung von 20 Prozent bis 2030 vor.

Was die Politik angeht, wäre ein Umsteuern dringend notwendig: weg von nachfragestimulierenden Prozentförderungen hin zu angebotsorientierten Festzuschüssen, Deregulierung, Infrastrukturinvestitionen und einer ehrlichen Auseinandersetzung damit, welche industriellen Kapazitäten Europa tatsächlich schützen will – und zu welchem Preis. Ohne diese Klarheit droht Europa im Wärmepumpenmarkt dasselbe Schicksal wie bei Solarmodulen: Klimapolitik ja, Industriepolitik nein – und am Ende importiert man beides aus China.

Ralf Keuper 


Quellen:

Strategie und Expansion Chinas


Titel: Wie bei Solar und E-Autos: China greift jetzt auch bei Wärmepumpen an
Link: https://www.t-online.de/heim-garten/aktuelles/id_101133090/wie-bei-solar-und-e-autos-china-greift-jetzt-auch-bei-waermepumpen-an
Datum: 2026-02-18
Text: „Genauso wie bei Solar und Elektroautos will China auch die Wärmepumpenbranche dominieren. Dazu gibt es ein Strategiepapier der chinesischen Regierung.“


Titel: Chinas Wärmepumpenhochlauf (Teil 1)
Link: https://blog.waermepumpe.de/2026/02/16/chinas-zukuenftiger-waermepumpenhochlauf-teil-1/
Datum: 2026-02-15
Text: „Chinas Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie sendet eindeutige Signale.“


Titel: „Viel schneller als die Deutschen“: Chinesen erklären Europa eine Wärmepumpen-Expansion
Link: https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/gree-viel-schneller-als-die-deutschen-chinesen-erklaeren-europa-eine-wa
Datum: 2023-05-08
Text: „Gree verkauft Wärmepumpen in Europa schon seit 2012. […] Die Produktaktualisierungen und Produktionsiterationen sind zudem viel schneller als bei den Deutschen. […] Im Schnitt 6500 Euro.“

Auswirkungen auf Europa/Deutschland


Titel: Hängt China Deutschland bei Wärmepumpen ab?
Link: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/china-waermepumpen-100.html
Datum: Nicht spezifiziert
Text: „Technologisch gelten japanische Wärmepumpen als besonders hochwertig. Doch auf dem europäischen Markt bewegen sich auch chinesische Marken.“


Titel: Chinesische Hersteller erobern den europäischen Wärmepumpenmarkt
Link: https://www.maschinenmarkt.vogel.de/chinesische-hersteller-erobern-europaeischen-waermepumpenmarkt-a-1cb06d78aaf938088272b9718db
Datum: 2024-05-14
Text: „Das chinesische Unternehmen Midea hat […] der Schweizer Arbonia-Gruppe ihre ‚Klimadivision‘ abzukaufen. […] Auch andere chinesische Hersteller wie Hisense, Haier und TCL Technology blicken mit viel Optimismus auf den Markt in Europa.“


Titel: Wärmepumpe aus China: Hersteller, Import & Kosten
Link: https://www.energie-experten.org/heizung/waermepumpe/hersteller/china
Datum: 2025-05-20
Text: „Überblick über die wichtigsten Wärmepumpen-Hersteller aus China + Kurzbeschreibung mit Fotos & Import, Kauf & Kosten!“

Kosten und Förderungen in Deutschland


Titel: Zollstreit könnte Wärmepumpen-Preise verteuern
Link: https://www.energie-experten.org/news/zollstreit-koennte-waermepumpen-preise-verteuern
Datum: 2025-05-05
Text: „EU prüft Zölle gegen Subventionen, ähnlich E-Autos.“


Titel: Darum sind Wärmepumpen in Deutschland so teuer
Link: https://www.inside-digital.de/news/studie-enthuellt-darum-sind-waermepumpen-in-deutschland-so-teuer
Datum: 2025-03-06
Text: „Hohe Lohnkosten, bürokratischer Hürden und MwSt. machen deutsche Wärmepumpen bis zu doppelt so teuer.“


Titel: Warum sind Wärmepumpen in Deutschland so teuer?
Link: https://www.shk-frankfurt.de/aktuelles/detail/warum-sind-w-rmepumpen-in-deutschland-so-teuer-
Datum: 2026-02-12
Text: „Hohe Lohnkosten (500–3000 € Mehrkosten), aufwendige Fundamente, Elektroanschlüsse und 19% MwSt.“