“Wenn die Affen den Zoo regieren – Die Tücken der flachen Hierarchien” von Stefan Kühl

Hauptthese bzw. Motivation:

Mit Konzepten wie Lean Management, Reengineering oder fraktale Frabrik wird häufig eine Schlüssigkeit und Problemlosigkeit neuer Unternehmensformen vorgespielt, die sich in der alltäglichen Praxis wirtschaftlichen Handelns nicht wiederfinden lässt. Der allgemeinen Euphorie für neue Unternehmenskonzepte widerstehend, will ich in diesem Buch besonders auf die möglichen Probleme, Schwachstellen und Begrenzungen neuer Unternehmensformen eingehen:

  • Durch die angestrebte Grenzenlosigkeit nach innen und außen (Kundenorientierung) droht die ganze Organisation >auseinanderzulaufen<, ihren inneren Zusammenhang zu verlieren. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verlieren ein klares Bild von ihrem Unternehmen (Flexibilitätsdilemma)
  • Die Selbstverpflichtung von Unternehmen auf Innovation und Wandel schafft organisationsinterne Unsicherheitszonen, es droht eine >Dauerpolitisierung< interner Prozesse und Entscheidungen. (Politisierungsdilemma)
  • Immer mehr Unternehmen greifen angesichts der zunehmenden Komplexität zu Vereinfachungsstrategien. aber gerade die Vereinfachung von Abläufen führt zu einer wachsenden Komplexität, die jedoch nicht als solche wahrgenommen wird (Komplexitätsdilemma)

Quintessenz

Selbstorganisation, Orientierung auf Interaktionen, Rückkopplungsschleifen, irreguläre Muster, Unmöglichkeit von langfristigen Voraussagen, Unternehmen in begrenzter Instabilität – das sind alles Erklärungsansätze, die unser Verständnis von postbürokratischen Organisationen erhöhen. Gerade weil Prozesse in Organisationen jenseits von Hierarchie und Anarchie nicht mehr so einfach zu erkennen und zu steuern sind, brauchen wir solche neuen Orientierungspunkte. Rückgriffe auf Erkenntnisse der Chaos- und Komplexitätsforschungen geben Anregungen, wie ein neues Denken im Management aussehen könnte: sich Visionen und Versionen von der Zukunft machen, ohne in eine detailliertere Langfristplanung zu verfallen; nicht die Zielerreichung, sondern die Ausnutzung sich spontan ergebender Möglichkeiten in den Vordergrund stellen; sich auf verschiedene Möglichkeiten vorbereiten, ohne sich jedoch auf das Eintreten von bestimmten Entwicklungen zu verlassen; Denken in Rückkopplungsschleifen, Analogien, irregulären Mustern, und nicht in Kausalverbindungen und quantifizierbaren Zusammenhängen; Konzentration nicht auf die Leistung der Einzelteile einer Organisation, sondern auf die Art und Weise, wie diese interagieren.

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