UPS streicht 30.000 Arbeitsplätze, DHL baut 8.000 Stellen in Deutschland ab, FedEx schließt Standorte. In der Container-Schifffahrt herrschen Überkapazitäten von über 20 Prozent, die Frachtraten fallen dramatisch. Was als normale Marktbereinigung nach dem Pandemie-Boom erscheint, offenbart bei genauerer Analyse die fundamentalen Widersprüche der Plattformökonomie selbst.

Amazon, der vermeintliche Gewinner, verdrängt systematisch UPS, DHL und FedEx aus dem lukrativsten Geschäft – und baut dabei massive Überkapazitäten in einem stagnierenden Markt auf. Gleichzeitig basiert das gesamte Geschäftsmodell auf einem finanziellen Konstruktionsfehler: dem negativen Cash Conversion Cycle. Der Kunde zahlt sofort, der Lieferant wartet 60-90 Tage. Was bei Wachstum als geniales Finanzierungsmodell erscheint, wird bei Stagnation zur Liquiditätsfalle. Die Plattform finanziert ihre Expansion mit fremdem Geld – und zerstört dabei die Kaufkraft ihrer eigenen Kunden.

Dies ist kein zyklisches Problem, sondern eine strukturelle Krise. Die Winner-takes-all-Logik führt zu einem „race to the bottom“, aus dem es ohne politische Intervention keinen Ausweg gibt. Was als Effizienzrevolution begann, endet als Krise der Profitabilität.

Der Essay analysiert die vier fundamentalen Widersprüche der Plattformökonomie – Finanzielle Fragilität, Zerstörung der Marktvielfalt, Aushöhlung der eigenen Wertschöpfungsbasis, Konsumption der Kaufkraft – und zeigt, warum auch Amazon auf Dauer verlieren und an seinem eigenen Erfolg zugrunde zu gehen droht, indem das Unternehmen die Grundlagen seines Erfolgs zerstört und sich in gewisser Weise – wie die Ouroboros-Schlange – selbst auffrisst. Er ordnet die Logistik-Krise theoretisch ein (Luhmann, Polanyi, Schumpeter), zieht historische Parallelen (von Standard Oil bis Microsoft) und entwickelt drei Zukunftsszenarien.

Die zentrale These: Die Plattformökonomie trägt die Bedingungen ihrer eigenen Aufhebung in sich. Die Selbstzerstörung ist bereits im Gang. Was wir jetzt brauchen, ist die Gestaltung dessen, was danach kommt.

Besonders brisant: Das europäische Scheitern beim Aufbau eigener Plattformen (Gaia-X, Catena-X, Wero) könnte sich als strategischer Vorteil erweisen – wenn Europa zum Pionier einer Post-Plattform-Ökonomie wird.

I. Die Logistik-Krise als Symptom systemischer Instabilität

Die jüngsten Entwicklungen in der globalen Logistikbranche offenbaren mehr als nur zyklische Marktbereinigungen. UPS plant für 2026 den Abbau von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen, nachdem bereits 2025 62.000 Stellen gestrichen wurden. DHL kürzt 8.000 Stellen in Deutschland und 20.000 global. FedEx meldet Hunderte Entlassungen und Standortschließungen. In der Container-Schifffahrt herrschen Überkapazitäten von über 20 Prozent, die Frachtraten fallen dramatisch.

Diese Entwicklungen werden üblicherweise als Normalisierung nach dem Pandemie-Boom gedeutet, als notwendige Anpassung an eine „neue Normalität“ mit geringerem E-Commerce-Volumen. Doch diese Interpretation greift zu kurz. Was wir beobachten, ist nicht die Korrektur einer temporären Übertreibung, sondern die Manifestation fundamentaler Widersprüche der Plattformökonomie selbst.

Die zentrale These dieses Essays lautet: Die Plattformökonomie trägt die Bedingungen ihrer eigenen Aufhebung in sich. Amazon, als dominanter Player, zerstört syste…