Als Kanada in den 1950er Jahren bei Ölbohrungen in Saskatchewan auf Kalisalze stieß, holte man Bergbau-Fachleute aus Thüringen – das technische Know-how war nur dort vorhanden. Heute ist Kanada Weltmarktführer bei Kali, Deutschland auf Platz 5, und ein kanadisches Unternehmen plant den Abbau im Ohmgebirge in Thüringen. Wie aus technologischer Führerschaft strategische Abhängigkeit wurde.


Die Ironie der Geschichte beginnt in Esterhazy

Im Jahr 1952 suchte man in der kanadischen Kleinstadt Esterhazy, Saskatchewan, nach Öl. Was die Bohrungen zutage förderten, waren jedoch massive Kalium-Vorkommen. Ein glücklicher Fund – wäre da nicht ein entscheidendes Problem gewesen: Kanada verfügte über keinerlei technisches Know-how im Kalibergbau. Die Lösung fand sich in Thüringen. Bergbau-Fachleute aus der DDR, einem der drei oder vier größten Kali-Produzenten der Welt, reisten nach Mittel-Kanada und bauten dort die Grundlagen einer Industrie auf, die heute den Weltmarkt dominiert.

Diese Episode wäre eine Fußnote der Wirtschaftsgeschichte, würde sie nicht ein Muster illustrieren, das sich vier Jahrzehnte später mit bemerkenswerter Konsequenz wiederholen sollte – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen.

Kali: Mehr als ein Rohstoff

Die strategische Bedeutung von Kaliumsalzen wird in der öffentlichen Debatte selten thematisiert, was angesichts ihrer Unersetzbarkeit überrascht. Kali ist der zentrale Bestandteil moderner Düngemittel, direkt verknüpft mit der Ernährungssicherheit. Es gibt keine Substitute. Der Weltmarkt ist hochkonzentriert: Kanada, Russland und Belarus dominieren die Produktion. Deutschland fördert heute rund 2,9 Millionen Tonnen jährlich und liegt damit auf Platz 5 – ausreichend für einen Teil des Eigenbedarfs, jedoch weit entfernt von der Selbstversorgung.

In geopolitisch turbulenten Zeiten, wie sie spätestens seit 2022 zur Normalität geworden sind, stellt sich die Frage nach strategischen Abhängigkeiten mit neuer Schärfe. Bei Energie, Halbleitern und Seltenen Erden ist das Bewusstsein mittlerweile vorhanden. Bei Kali weniger – obwohl die Versorgungskette ebenso verwundbar ist.

Die Entscheidungen der Treuhandanstalt

Nach der Wiedervereini…