James G. March über die gravierenden Defizite des Modells der Rationalen Entscheidungsfindung (Rational Choice)

Von Ralf Keuper

James G. March ist als Forscher auf dem Gebiet der Entscheidungstheorie weltweit anerkannt. Zusammen mit Herbert A. Simon und anderen verfasste er mehrere Bücher über das Entscheidungsverhalten in und von Organisationen.

In einem Vortrag äußert er sich kritisch zu dem noch immer in den Lehrbüchern und in der Praxis dominierenden Modell rationaler Entscheidungsfindung (Rational Choice).

Anders als die Vertreter dieser Denkrichtung annehmen, basieren Entscheidungen längst nicht nur auf Erwartungen, Belohnungen und Nutzenkalkulationen. Erwartungen sind nicht statisch, sondern müssen entwickelt werden, sind also im ständigen Fluss, Alternativen sind ebenfalls nicht gegeben, sie müssen erst geschaffen werden. Dadurch entstehen Unsicherheit und Fehler, die neue Entscheidungen erfordern. Wünsche sind weder eindeutig noch stabil.

Das eigentliche Problem reicht jedoch tiefer: Die rationale Entscheidungsfindung schließt den Menschen als soziales Wesen und mit einem eigenen Bewusstsein bzw. einer eigenen Identität ausgestattet, aus der Betrachtung aus. Weiterhin bleibt der Einfluss von Institutionen und Organisationen auf die Entscheidungsfindung unberücksichtigt. Unternehmen und Organisationen verfügen über eigene Regeln und Codes, die sie auf Situationen anwenden. Rationale Erwägungen bzw. persönliche Befindlichkeiten sind hier, wenn überhaupt, von untergeordneter Bedeutung.

Insgesamt zeichnet das Modell der Rationalen Entscheidungsfindung ein unrealistisches Bild,  das zu falschen und übertriebenen Erwartungen führt, die nur enttäuscht werden können. Folgen davon sind Zynismus und Frustration oder ein Freibrief für unmoralisches Handeln.

 
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