Clayton Christensen: Disruptive and efficiency innovations – The capitalist’s dilemma

Von Ralf Keuper


In einem Interview auf Weltwirtschaftsforum Davos 2013 äußerte sich Harvard-Professor Clayton Christensen, weltweit anerkannte Autorität auf dem Gebiet der Innovationsforschung und Autor von The Innovator’s Dilemma, zur aktuellen Wirtschaftslage.  Christensen  beschreibt darin verschiedene Innovationsformen, mit  unterschiedlichen Folgen für die Wirtschaft. Den größten Effekt für die Wirtschaft, gemessen in Wachstum und neuen Arbeitsplätzen, haben für ihn die sog. disruptive innovations, die einen neuen Bedarf und gleichzeitig einen neuen Markt kreieren. Als Beispiel nennt der Fords Model T und den Personal Computer. Gemeinsames Prinzip umwälzender Innovationen ist, dass sie vormals komplizierte und teure Produkte vereinfachen und zu erschwinglichen Preisen für einen großen Käuferkreis attraktiv machen. Als Gegenpol sieht er die efficieny innovations, die darauf abzielen, bestehende Produkte so schnell und kostengünstig wie möglich herzustellen, um die Kapitalkosten gering und die Rendite hoch zu halten. Paradebeispiel ist die Automobilindustrie. 

Der letzte Typ der Innovation dominiert seit einigen Jahren die Wirtschaft, was Jobverluste auf breiter Front zur Folge hat, die auch durch einen Boom nicht mehr kompensiert werden können. Effizienzgewinne werden in weitere Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz investiert, was in eine Abwärtsspirale führt. 
Mit verantwortlich für das gegenwärtige Dilemma ist auch sein eigener Berufsstand, der unabhängig von der Situation in der Industrie und den Kapitalmärkten, die Maximierung des Return of Capital gelehrt haben. Das sei aber in Zeiten, in denen die Kapitalkosten gegen null gehen, genau der falsche Rat. 
 
Abschreckendes Beispiel für die USA in seinen Augen ist Japan. Dort hat man während der 90er Jahre mit dem Walkman, den günstigen und qualitativ hochwertigen Kleinwagen von Honda und Toyota umwälzende Innovationen am Markt durchgesetzt, bevor man auch hier begann, verstärkt die Rendite des eingesetzten Kapitals zu maximieren. Seitdem hat die japanische Wirtschaft an Fahrt und obendrein ihren Vorsprung verloren. 
 
Um zu mehr umwälzenden Innovationen zu kommen, bedarf es daher einer temporären Abkehr von der Bartwertmethode. Besser als Investitionen in Sachwerte seien Investitionen in Menschen, neues Wissen und Methoden, die sich mittel- bis langfristig auszahlen. Benötigt werden dafür auch Änderungen der Steuergesetze, die einbehaltene Gewinne bevorzugen sollten. 
 
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