Ökonomische Betrachtungen der Blockchain-Technologie #1

Von Ralf Keuper

Der Einsatz der Blockchain-Technologie könnte große Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben. Nicht ganz zu Unrecht sehen einige darin die größte Revolution im Rechnungswesen seit Einführung der doppelten Buchführung durch Luca Pacioli:

Ledgers are an ancient consensus technology of transaction, older than the 15th century Venetian Republic, which invented double entry bookkeeping; ledgers are as old as commerce, which is as old as numbers. The ledger is a technology of accounting, of keeping track of (i.e. consensus) about whom (or what) owns what, of who (or what) has agreed to what, of what counts as a what, and to record when any thing of value is transacted. Ledgers are instrumental to modern capitalism (Nussbaum 1933, Yamey 1949, Allen 2011). So a revolution in ledger technology is a deep shift in foundational mechanics of a modern economy (Quelle: Economics of Blockchain).

Es handelt sich um mehr, als nur um einen der üblichen Hypes. Die Blockchain-Technologie bzw. die übergeordnete Kategorie der Distributed Ledger Technologies, sind nicht nur Technologien im Sinne schnellerer Datenübertragung oder durchgängiger Vernetzung (Vgl. dazu: Some Simple Economics of the Blockchain); sie sind vor allem soziale Technologien oder Institutional Technologies (Vgl. dazu: Blockchains and the Boundaries of Self-Organized Economies: Predictions for the Future of Banking); sie verändern die Zusammenarbeit von Personen und Organisationen gleichermaßen.

Obwohl ihre Wirkung häufig als disruptiv oder revolutionär bezeichnet wird, ist die Blockchain-Technologie, wie der Verweis auf die Geschichte der Buchführung zeigt, das – im wahrste Sinne des Wortes – aktuelle Glied einer langen Kette, deren Anfang weit in die Geschichte, bis zu den Sumerern, zurückreicht (Vgl. dazu: Bitcoin und die Provokation der Blockchain-Technologie).

Es gibt aber auch Stimmen, die die Wirkung der Blockchain bzw. der Distributed Ledger Technologies als marginal veranschlagen, wie The blockchain paradox: Why distributed ledger technologies may do little to transform the economy oder Why Blockchain has no economic future.

Eines steht fest: Ohne Regelwerk, ohne Governance-Strukturen werden die Distributed Technologies ihr Werk nicht verrichten können (Vgl. dazu: Blockchain Governance: Programming Our Future). Selbst-Regulierung wird nicht reichen.

In der jüngeren Vergangenheit sind mehrere Leitfäden zur Bewertung der Einsatzmöglichkeiten der Blockchain erschienen. Darunter:

Die nächste Frage wird sein, ob und inwieweit die Blockchain selber “disrupted” werden könnte. Mit Hashgraph und IOTA stehen zwei Alternativen bereit, die diesen Anspruch erheben bzw. denen diese Wirkung zugeschrieben wird.

Weitere Informationen:

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Albtraum China

Ob es in China um verschlossene Märkte ging, das versperrte Internet oder den Zwang, alle Kundendaten im Land unter Aufsicht der Behörden speichern zu müssen – niemals hat sich die deutsche Wirtschaft mit dem mächtigen Gegner angelegt, dem sie nun ganz offen droht, der Kommunistischen Partei. Diese überwacht schon heute nahezu alles und jeden, doch jetzt will sie sogar den Kurs deutscher Unternehmen mitbestimmen.

„Mit großer Sorge“ beobachtet die deutsche Außenhandelskammer in China, wie Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen von Peking unter Druck gesetzt würden, Parteizellen einzurichten, die das Ende aller unternehmerischen Freiheit wären. Die Kammer warnt, deutsche Unternehmen könnten China verlassen.

Der ungewöhnlich aggressive Vorstoß macht deutlich, wie stark sich deutsche Unternehmen in China mittlerweile vom Kurs des Präsidenten und Parteichefs Xi Jinping bedroht fühlen. Der will angesichts des schwächeren Wachstums mit totaler Kontrolle seine Macht sichern und die chinesischen Hersteller zur Weltherrschaft führen. Deutschlands Wirtschaft ist aus dem Traum von Chinas riesigem Markt endgültig erwacht.

Quelle: FAZ-Kommentar von Hendrik Ankenbrand: Albtraum China

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Prof. Peter Kruse über Changemanagement

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Bitcoin und die Provokation der “Blockchain-Economy”

Von Ralf Keuper

Unter den zahlreichen Beiträgen, die sich mit dem Potenzial der Blockchain und der digitalen Währungen auseinandersetzen, sind nur wenige, die von Soziologen verfasst wurden. Dabei ist das Thema eigentlich prädestiniert für Großtheorien wie der Systemtheorie oder Spezialdisziplinen wie der Finanz- oder Techniksoziologie.

Da leistet der Beitrag Bitcoin und die Provokation der “Blockchain-Economy”  Abhilfe, der von Michael Paetau verfasst wurde, der am Internationalen Zentrum für Soziokybernetische Studien in Bonn forscht. Nach Paetau stellen digitale Währungen unser Verständnis dessen, was Geld ist, auf den Kopf.

Ein Blick in die Geschichte zeige, dass das Geld und seine Funktion nicht ohne die jeweilige Gesellschaftsstruktur und das darin vorherrschenden Produktions und Distributionssystem verstanden werden kann. Beispielhaft dafür ist das alte Griechenland:

Bei Aristoteles ist dies ganz klar formuliert, wenn er den Zusammenhang der freien Bürger der Polis auf den Warentausch gründet und dem Geld die Funktion zuspricht, diese Gemeinschaftsleistung zu garantieren.Was die Einheit der Gemeinschaft erzeugt, ist der Bedarf an Produkten, die andere zur Verfügung stellen. Auf dem Markt, aber »als eine Art austauschbarer Stellvertreter des Bedarfs ist das Geld geschaffen worden, aufgrund gegenseitiger Übereinkunft. Und es trägt den Namen ›Geld‹ (nomisma), weil es sein Dasein nicht der Natur verdankt, sondern weil man es als ›geltend‹ gesetzt (nomos) hat und es bei uns steht, ob wir es ändern oder außer Kurs setzen wollen«. Letztlich ist Geld also »jenes Ding, das als Wertmesser durch ein gemeinsames Maß und somit Gleichheit schafft«.

Als Gegenbeispiel führt Paetau das Geldsystem der Sumerer an, das lange vor dem der alten Griechen bestand:

Ein Blick auf ältere Gesellschaften im Osten des antiken Griechenlands, vor allem in Sumer der Uruk-Zeit (ca. 3000 v.u.Z.) zeigt, dass hier in einer Gesellschaft, in der der gesellschaftliche Reichtum nicht über Warentausch sondern durch ein komplexes System der von Tempelbürokratien verwalteten Produktion, Lagerung und Verteilung der Güter geregelt wurde, eine andere Form von Geld benötigt wurde, nämlich eine Form der gegenseitigen Aufrechnung von Schulden und Forderungen, dokumentiert mit einer für diesen Zweck geeigneten Schrift und Arithmetik, verwaltet in einem Buchhaltungssystem auf Tontafeln gespeichert. Also, wie man heute unter entwickelteren Verhältnissen des Finanzwesens erkennt, eine Art von virtuellem Geld, die das vorwegnimmt, was viele tausend Jahre später in Europa, in einem auf Münzgeld aufbauendem System als schrittweise Ablösung des Geldes von seiner angeblich primordialen Form beschrieben wird. Nämlich als im 16. Jahrhundert, mit der Verbreitung von Wechseln, der Einführung des »Scudo de Marchi«, und anschließender Verbreitung von Banknoten, Schecks, Kreditkarten bis hin zum digitalen Geld sich eine schrittweise Ablösung des Geldes von einer irgendwie gearteten materiellen Substanz durchsetzte.

Für unsere Zeit stellt Paetau fest:

Es lässt sich also festhalten, dass wir heute aus einer Situation des entwickelten kapitalistischen Finanzwesens heraus behaupten können, dass wir den Geldbegriff abstrakter fassen müssen, als es im Mainstream der Wirtschaftswissenschaften geschieht, indem wir anerkennen, dass Geld zunächst ein System von Kreditkonten und ihrer Verrechnungen ist, und dann erst eine bestimmte Form als Münze, Wechsel, Banknote oder eben Bitcoin annehmen kann.

Bereits im Jahr 1970 wagte der Bankhistoriker Volkmar Muthesius die Prognose:

Demnächst werden wir es vielleicht erleben, dass das Buchgeld in seiner heutigen Form seinerseits gewissermaßen abstirbt und ersetzt wird durch Datenspeicher, durch elektronische Vorgänge in Speichergeräten, womit ein weiteres Stadium der Entstofflichung, also einer speziellen Art von Abstraktion sich vollziehen wird – wer vermöchte zu sagen, ob es das letzte sein wird? (Quelle: Bankhistorische Fundstücke – Volkmar Muthesius)

Ähnlich weitsichtig war Marshall McLuhan, der von einer neuen Informationsbewegung des Geldes sprach:

Heute stellt die Technik der Elektrizität den Geldbegriff selbst in Frage, da die neue Dynamik menschlicher gegenseitiger Abhängigkeit von zerlegenden Medien wie etwa dem Buchdruck auf allumfassende oder Massenmedien wie den Telegrafen übergeht (in: Die magischen Kanäle).

Heute ist die Blockchain das neue zerlegende und – das ist ein neues Phänomen – wieder verbindende Medium – als Blockkette.

Insofern erscheinen digitale Währungen als ein fast schon natürliches Phänomen; als nächster Schritt der gesellschaftlichen Evolution, oder Transformation, womit es aus seiner rein technischen Betrachtung gelöst und als Teil eines übergreifenden sozialen Prozesses zu sehen ist:

Als »Medium« besitzt es (das Geld, RK) die Eigenschaft, lange Ketten von sozialen Handlungen dadurch zu beeinflussen, dass einzelne Entscheidungen durch das Medium selbst prädisponiert sind, beispielsweise ob man etwas kaufen möchte oder nicht. Welche Form dieses Medium annimmt, ist immer das Resultat eines komplexen Zusammenwirkens unterschiedlicher Faktoren, seien sie geographischer, technologischer oder auch interessengeleiteter Art. Sie ist immer eingebettet in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um adäquate Formen der Steuerung des ökonomischen Systems, um die Steuerung der Produktion, der Akkumulation, der Administration, der Verteilung und des Austausches des gesellschaftlichen Reichtums. Und selbstverständlich ist das beim Thema Cryptocurrency nicht anders.

Wenn sich der Charakter des Geldes in der beschriebenen Weise ändert, Währungen also noch digitaler und abstrakter werden, bleibt das nicht ohne Einfluss auf die jeweiligen Institutionen, die bislang für die Verteilung des Geldes zuständig waren und seinen Wert garantierten, wie Banken und Nationalbanken.

Wir werden sehen.

Ein ausgesprochen wichtiger Beitrag.

Zuerst erschienen auf Bankstil

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Apples schöner Schein

Apple ist heute eine gut geölte Maschine, nicht mehr und auch nicht weniger. Der Konzern wird weiter Abermillionen Geräte verkaufen und muss dazu nicht einmal die Menschen mit jeder Neuheit vom Stuhl reißen. Viele Kunden sind der Marke allein deshalb treu, weil sie gut mit ihr gefahren sind und es bequem ist, im Ökosystem aus Apple-Geräten und damit verbundenen Diensten zu bleiben. Zumindest solange Smartphones ihre herausragende Rolle im Leben von Menschen behalten, dürfte kein Anlass bestehen, sich um Apple Sorgen zu machen. Wenn sich das einmal ändert, könnte sich aber die heutige Abhängigkeit des Konzerns vom iPhone rächen. Dann würde es nicht mehr reichen, die Früchte vergangener Arbeit zu ernten.

Quelle: Roland Lindner: Apples schöner Schein

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Leica – mehr als “nur” ein Stück lebendige Wirtschaftsgeschichte

Von Ralf Keuper

Es gibt nur sehr wenige Erzeugnisse aus deutscher Produktion, die einen vergleichbaren Ruf genießen, wie die Leica.

Bereits vor einigen Jahren widmete der Hessische Rundfunk der Leica die ausgesprochen sehenswerte Dokumentation – Die Leica-Geschichte.

Vor dem ersten Weltkrieg war Leitz der weltweit führende Hersteller von Mikroskopen. Ernst Leitz Sen. machte Leitz aus Wetzlar zu einem Weltunternehmen aus der hessischen Provinz.

Ihre Geburt verdankt die Leica eigentlich der Weltwirtschaftskrise. Anfang der 20er Jahre brach der Markt für Mikroskope zusammen, und Ernst Leitz Jun. suchte nach neuen Märkten. Dabei entsann er sich der Erfindung des hauseigenen Entwicklers Oskar Barnack aus dem Jahr 1913 – die Leica. Ein riskantes Unternehmen.

Ernst Leitz Jun. wagte den Sprung in die Serienproduktion, da er davon überzeugt war, dass die Zeit für Kleinbildkameras für Profis ebenso wie für Amateure reif war. Er sollte Recht behalten.

Seiner Zeit weit voraus, erkannte Ernst Leitz, dass eine Kamera für sich allein nicht genügend Anreize bieten würde und daher in ein System weiterer Dienste und Zubehör eingebunden sein müsste.

Mit der Leica entstand eine neue Art der Fotografie – das lebendige Bild. Sie veränderte das Sehverhalten der Betrachter und damit in gewisser Hinsicht den Blick auf die Welt. Das Bild ist immer so gut wie die Optik – so Leitz. Das Unternehmen konnte dabei auf seine Erfahrungen, heute würde man sagen: Kernkompetenzen, aus der Produktion von Mikroskopen zurückgreifen – ein großer Vorteil.

Der Verlag Kehrer hat zu diesem denkwürdigen Jubiläum das Buch Augen auf! 100 Jahre Leica herausgebracht.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass der Unternehmer Ernst Leitz Jun. bereits 1933 von den Nazis als unsicherer Kantonist eingestuft wurde. Mit ihrer Einschätzung sollten sie Recht behalten: Wo er konnte, unterstützte Leitz Mitarbeiter und Fotohändler, die wegen ihres jüdischen Glaubens zur Emigration gezwungen wurden, wie auch andere von den Nationalsozialisten verfolgte Personen, wie das Buch Ernst Leitz – Ein Unternehmer mit Zivilcourage in der Zeit des Nationalsozialismus, das sein Enkel Knut Kühn-Leitz herausgegeben hat, dokumentiert.

Inzwischen steht das Unternehmen Leica in seiner ehemaligen Königsdisziplin, der Mikroskopie, wieder an der Spitze der Entwicklung. Am 21. Oktober 2014 wurde das von der Yale University und Leica gegründete Kompetenzzentrum für Mikroskopie eröffnet. Ziel ist die Weiterentwicklung neuer Bildgebungstechnologien.

Der Beitrag erschien zuerst in auf Medienstil . Diese Fassung ist leicht abgewandelt.

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Mythos Blockchain: Herausforderung für den öffentlichen Sektor

Auszug:

Die Blockchain-Technologie wird insbesondere im Finanzsektor intensiv beobachtet und erprobt, ist jedoch auch für viele weitere Anwendungsgebiete relevant. Von besonderer Bedeutung ist sie für den öffentlichen Sektor, zu dessen wesentlichen Aufgaben es gehört, das gesellschaftliche Zusammenleben nach gemeinsamen Regeln zu gewährleisten. In vielen Anwendungsfällen fungieren Staat und Verwaltung als Intermediär, um Transaktionen und Prozessabläufe sicherzustellen. So führt der Staat etwa diverse Register, um Eigentumsverhältnisse zu regeln, etwa wenn es um Häuser, Grundstücke oder auch Autos geht. Notare gewährleisten zusätzlich eine sichere Eigentumsübertragung. An anderer Stelle übernimmt der Staat die Rolle einer vertrauenswürdigen dritten Instanz, die etwa die Echtheit von Dokumenten oder auch Identitäten bestätigt. Eine Technologie, die dritte Instanzen durch kryptografische Funktionen ersetzt, hat also direkten Einfluss auf den Staat und den öffentlichen Sektor.

Quelle / Link: Mythos Blockchain: Herausforderung für den öffentlichen Sektor

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Beiträge zur Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft

Von Ralf Keuper

Anbei einige Beiträge, die sich mit der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft während der letzten Jahre und Jahrzehnte beschäftigen, und die sich vom allgemeinen Trend abheben.

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Phoenix Contact – Bahnbrechend innovativ

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70 JAHRE INNOVATION – die Erfolgsgeschichte von SICK

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