Nothing Changes: Drucker’s questions are eternal

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Was planen die Chinesen mit Kuka?

Von Ralf Keuper

Die Entlassung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden des Roboter-Herstellers Kuka, Til Reuter, hat sowohl im Unternehmen selber wie auch in der deutschen Industrie einige Unruhe ausgelöst und offene Fragen hinterlassen. Intensiv wird nun in den Medien darüber spekuliert, was die Personalentscheidung des chinesischen Mutterkonzerns von Kuka, Midea, zu bedeuten hat. War die Grundlage für die Entscheidung nüchternes betriebswirtschaftliches Kalkül oder aber steckt dahinter eine industriepolitische Überlegung, die sich auf einer Linie mit den Vorstellungen der chinesischen Regierung befindet?

In Was Till Reuters Abgang von Kuka für deutsche Anlagenbauer und die Kuka-Aktie bedeutet schätzt man die Auswirkungen auf die weitere geschäftliche Entwicklung und die Kursentwicklung der Aktien von Kuka als gering ein. Kein Grund zur Sorge. Der AR-Vorsitzende von Kuka, Andy Gu, versuchte in einem Interview die Bedenken zu zerstreuen. Ausschlaggebend für die Entscheidung, Reuter zu entlassen, sei die im Vergleich zu den Mitbewerbern unterdurchschnittliche Performance während der letzten zwei Jahre.

Andere wiederum halten das für vorgeschoben. In Insider berichtet: Warum Kuka-Chef Reuter wirklich geht werden weitere Gründe genannt. Während der letzten Jahre hat der Kuka-Mutterkonzern Midea über Joint-Ventures und die Abwerbung des ehemaligen Europa-Chefs von Fanuc sein Know How im Robotermarkt systematisch ausgebaut.

Damit verfüge Midea über wichtige Informationen von drei der größten Roboterhersteller. Bedenkenswert sei überdies, dass Kuka in einem Joint-Venture mit Midea 400 Millionen Euro in einen neuen Roboterpark in Shunde, dem Firmensitz des Kuka-Mutterkonzerns Midea, investieren wolle. Dort sollen bis 2024 75.000 Roboter gefertigt werden; 4000 Arbeitslätze in den Bereichen Forschung und Entwicklung entstehen am chinesischen Firmensitz. Das deute darauf hin, dass ein großer Teil der Forschung nach China abgezogen und dort konzentriert werde.

In der Vergangenheit war Kuka der Liebling der Wirtschaftspresse, wie bei brand eins in Bei Weltmeistern.

Daraus:

In einer Investorenvereinbarung hat Midea zugesagt, dass bis Ende 2023 alle Jobs sowie die Konzernzentrale in Augsburg bleiben. „Die Verhandlungen waren hart, aber fair. Das Entscheidende ist, dass die Chinesen uns unser Ding machen lassen“, sagt Konzernchef Reuter. …

“Wenn Sie Kollegen fragen, werden die sagen, dass sie wenig von Midea merken. Und wir wachsen weiter. Das alles scheinen mir Zeichen zu sein, dass die Zusammenarbeit sehr gut läuft”.

Ob der ehemalige Konzernchef diese Aussage auch heute noch machen würde, ist nicht bekannt …

Der ehemalige Chef der Roboter-Sparte von Kuka, Manfred Gondel, jedenfalls ist nich ganz so zuversichtlich (Vgl. dazu: Früherer Top-Manager: “Ich mache mir Sorgen um Kuka”).

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Re: Schluss mit “Made in Germany”? Chinas Run auf den Mittelstand (arte Doku)

Weitere Informationen:

Kuka in TurbulenzenWie die Träume der Hype-Branche Robotik platzen

Früherer Top-Manager: “Ich mache mir Sorgen um Kuka”

Der ganze Kuka-Krimi: Was wirklich hinter Reuters Abgang steckt

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Die Rolle der Metrologie für die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft

Von Ralf Keuper

Ohne die Einigung auf Maßeinheiten wäre der globale Austausch von Gütern und Dienstleistungen nur unter hohen Kosten und großem Aufwand möglich; er würde zu Abstimmungsproblemen und Rechtsstreitigkeiten führen, die ein Geschäft schnell unattraktiv machen. Das gilt auch für das Inland. So betrachtet ist die Metrologie, die Wissenschaft des Messens, die stille Herrscherin der globalen Ökonomie. Vor der Verwirklichung unseres heutigen internationalen Einheitssystems lag ein langer Weg, der sich über Jahrhunderte hinzog, wie Felix Martin in Geld, die wahre Geschichte hervorhebt:

Die Schaffung des Internationalen Einheitensystems war daher die sichtbare und materielle Manifestation einer tiefgreifenden, aber unsichtbaren Wandlung in der Geschichte der menschlichen Ideen. Dieser Prozess dauerte Jahrhundert – vermutlich sogar Jahrtausende.

Die Bemühungen gipfelten in dem Beschuss der Generalkonferenz des Internationalen Büros für Maß und Gewicht im Jahr 1960. Darin wurden die sechs Basiseinheiten des SI kodifiziert.

Der Beschluss war der vorläufige Höhepunkt für die fortschreitende Abstraktion in Wirtschaft und Gesellschaft, so Martin:

Er war Ausdruck des Erfolgs einer schrittweisen Abstraktion im Lauf der Geschichte nicht nur, zum Beispiel von den getrennten Konzepten der Höhe von Pferden und der Größe ihrer Reiter zur Idee der Höhe im Allgemeinen, sondern von den allgemeinen Ideen der Höhe und Länge und Tiefe zum Allgemeinbegriff der linearen Ausdehnung. Er markierte nichts weniger als deinen fundamentalen Wandel der Begriffe, die die Menschheit verwendet, um die physikalische Welt zu quantifizieren.

Die zunehmende Digitalisierung, d.h. die Vernetzung von Mensch und Maschine mittels Datenübertragung in Echtzeit, stellt die Metrologie vor neue Herausforderungen. In Deutschland ist die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig die oberste Instanz bei allen Fragen des Messens. Neben dem  NIST in den USA und dem NPL in Großbritannien zählt die PTB laut Wikipedia zu den führenden Instituten der Metrologie.

In Metrologie für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hat die PTB ihre Digitalisierungsstrategie beschrieben. Warum sich die PTB dazu veranlasst sah, geht aus den folgenden Zeilen hervor:

Messwerte, Daten, Algorithmen, mathematische und statistische Verfahren sowie Kommunikations- und Sicherheitsarchitekturen bilden die Grundlage der digitalen Erweiterung und Transformation. Somit ist die digitale Ertüchtigung der Qualitätsinfrastruktur (QI) – dem Dreiklang aus Metrologie, Normung und Akkreditierung – sowie des gesetzlichen Messwesens mit Konformitätsbewertung, Eichwesen und Marktüberwachung zentrale Voraussetzung für das Gelingen der digitalen Transformation zu einer vernetzten Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. Der Physikalisch-Tech- nischen Bundesanstalt (PTB) als dem nationalen Metrologieinstitut obliegt dabei eine Schlüssel- rolle mit vielfältigen Zuständigkeiten und Kompetenzen.

Weiter:

Die PTB ist somit ein Eckpfeiler der nationalen Qualitätsinfrastruktur und des gesetzlichen Messwesens und hat sich zum Ziel gesetzt, für Industrie und Gesellschaft als verlässlicher Partner in der digitalen Transformation zu agieren. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die von der PTB im gesetzlich geregelten Bereich und der QI angebotenen metrologischen Dienstleistungen sowie die häufig mittelständisch organisierte deut- sche Sensor- und Messgeräteindustrie.

Angesichts der mit der fortschreitenden Digitalisierung einher gehenden Dynamik in der Wirtschaft, beabsichtigt die PTB die Schlagzahl zu erhöhen, um dadurch Alleingängen großer Unternehmen oder von Branchen vorzubeugen:

Allgemein ist die Tendenz zu beobachten, dass Firmen eher auf Kollaboration mit anderen Industriepartnern für die Entwicklung bilateraler Vereinbarungen setzen, als auf klassische Wege der Normung und Standardisierung. Als ein Grund dafür wird die Notwendigkeit des schnellen Handelns angeführt, welche sich aus dem internationalen Marktdruck ergibt. So empfiehlt die VDMA-Studie, dass Unternehmen nicht auf die Entwicklung umfassender Standards warten, sondern stattdessen zügig selbst erste Lösungen anbieten sollten. Dieser Entwicklung gilt es mit schnellen, konzentrierten, handhabbaren und flexiblen Standardisierungsvorhaben entgegenzutreten.

Hierfür halt die PTB neben der Definition von Referenzarchitekturen auch die Errichtung

cloud-basierter Angebote mit einer zentralen Instanz als vertrauenswürdigem Kern für die digitale Transformation der Prozesse im gesetzlichen Messwesen unbedingt notwendig.

Als Beispiel nennt die PTB die Modellierung und den virtuellen Messprozess beim Digitalen Zwilling.

Zentraler Baustein der Digitalisierungsstrategie der PTB ist die European Metrology Cloud.

Ihr Fundament bildet eine vertrauenswürdige Hauptmetrologieplatform in jedem Mitgliedsstaat, die dafür gedacht ist gesetzliche Verfahren durch das Anknüpfen an bestehende Infrastrukturen und Datenbanken zu unterstützen und zu vereinfachen und um eine zentrale Anlaufstelle für alle Interessenten bereitzustellen. Innerhalb dieser Qualitätsinfrastruktur, werden Referenzarchitekturen, wie z.B. innovative Messinstrument sowie auch technologisch und datengetriebene digitale Dienstleistungen des gesetzlichen Messwesens entwickelt.

Mit der European Metrology Cloud soll die Bildung des Digitalen Binnenmarkts in Europa unterstützt werden.

Die Metrologie sei überdies ein Mittel, um die Martkdominanz der großen Plattform-Unternehmen aus den USA und Asien zu begrenzen.

Die Beherrschung von Schlüsselkompetenzen in den Bereichen der Kalibrierung, IT- Sicherheit, Messtechnik und Datenanalyse ist .. die Grundlage für eine bedarfsorientierte Standardisierung. .. In den Expertendiskussionen an der PTB wurde ebenso mehrfach vor einem sogenannten „Plattformkapitalismus“ gewarnt, der durch die Marktdominanz einzelner Unternehmen entstehen kann und der nicht zuletzt KMU ganz wesentlich bedroht. Dem kann nur mit einer flexiblen und verlässlichen Normensetzung und Standardisierung begegnet werden. Dies ist insbesondere in einer globalisierten Wirtschaft von großer Bedeutung, um die Handlungsmög- lichkeiten deutscher und europäischer Unternehmen nicht durch andere globale Wettbewerber begrenzen zu lassen.

Bevor also Unternehmen wie Apple, Amazon, Google und Alibaba de facto-Standards schaffen, an denen kaum noch ein Weg vorbeiführt, sollten die Mittel, welche die Metrologie zur Verfügung stellt, ausgiebig genutzt werden – vor allem auf europäischer Ebene.

Im Internet der Dinge bzw. der Industrie 4.0 ist die Kalibrierung digitaler Zwillinge besonders wichtig:

Der „digitale Zwilling“ des Sensors wird damit automatisch aus dem digitalen Kalibrierschein generiert. Für die Entwicklung, Etablierung und breite Anwendung von digitalen Kalibrierscheinen ist es notwendig, Festlegungen über Struktur, Inhalt, erlaubte Maßeinheiten, Schnittstellen, Validität und Sicherheit der Daten- kommunikation und digitale Siegel und Signaturen zu treffen. Dabei spielen Authentizität und kryp- tografische Sicherung, beispielsweise mittels eines digitalen Signaturmanagements, eine entschei- dende Rolle.

Daraus wird deutlich, dass die Metrologie im Hintergrund dafür sorgen kann, dass Daten und andere digitale Vermögenswerte auf Basis international anerkannter Standards ausgetauscht werden können. In der Datenökonomie ist das ein entscheidendes Erfolgskriterium – jedenfalls für die deutsche und europäische Industrie, die bislang über keine großen digitalen Plattformen wie in den USA und China verfügt und damit Gefahr läuft, die Kundenschnittstelle, nachdem sie im B2C-Geschäft bereits verloren  ging, auch in dem B2B bzw. B2B2C-Geschäft einzubüßen. Eine nicht unbegründete Sorge:

The industrial IoT domain summarizes everything what is outside the classical consumer domain with a strong emphasis on B2B business. In general, there is a convergence of consumer and industrial internet. We see signs of “consumerization”, for instance, in the home market through the appearance of voice control appliances like Amazon’s Alexa or Apples Homepad. Also, it is typically the case in the automotive industry in which consumer and industrial platforms are merging the concept of connected and automated driving (in: Cognitive Hyperconnected Digital Transformation. Internet of Things Intelligence Evolution)

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The Wealth and Poverty of Nations, by David Landes

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“Weltkonzern und Kriegskartell. Das zerstörerische Werk der I.G. Farben” von Diarmurid Jeffreys

Von Ralf Keuper

Die Geschichte der I.G. Farben ist eng mit dem NS-Regime verbunden. Wie tief der seinerzeit größte Chemiekonzern der Welt in die Machenschaften des Dritten Reichs verstrickt war, zeigt Diarmuid Jeffreys in Weltkonzern und Kriegskartell. Das zerstörerische Werk der I.G. Farben.

Ein wichtiger Meilenstein war der Abschluss des sog. Benzinvertrages am 14. Dezember 1933.

Als Gegenleistung für die Zusage der IG, die Produktion in Leuna bis 1935 auf 350 000 Tonnen pro Jahr zu steigern, erklärte sich das Reich bereit, die gesamte Produktion der Fabrik zu kaufen, die sich auf dem offenen Markt nicht absetzen ließ. Er garantierte außerdem für zehn Jahre einen Preis, der den Produktionskosten nach Steuern plus einem Gewinn von 5 Prozent des von der IG investierten Kapitals entsprach. Alle darüber liegenden Gewinne würde der Staat bekommen.

Damit ging die IG einen faustischen Pakt ein:

Ab diesem Zeitpunkt war das Schicksal der IG Farben untrennbar mit dem des Dritten Reichs verknüpft. die Zukunft war noch nicht erkennbar, aber das Kartell hatte sich praktisch verpflichtet, Hitler mit den Mitteln zu versorgen, um den schlimmsten bewaffneten Konflikt der Menschheitsgeschichte vom Zaun zu brechen.

Nur durch die hohe Nachfrage des Staates konnte die IG Farben in die Massenproduktion einsteigen:

Ohne Hitlers Wiederaufrüstungsprogramme hätte es freilich viel weniger IG-Produkte zum Verkaufen gegeben. Synthetisches Öl und andere Materialien gingen nur in die Massenproduktion, weil der Staat sie auch strategischen Gründen subventionierte. Tatsächlich stammten etwa 40 Prozent des Umsatzes der IG zwischen 1936 und 1939 aus fünf Produktionsbereichen, die direkt durch den Vierjahresplan stimuliert waren: Nitrate für Sprengstoffe, Treibstoff, Metalle, Buna, Plastik, sowie Kunstfasern.

Nach dem Krieg, währen der Nürnberger Prozesse argumentierten die Spitzenmanager der IG Farben, sie hätten unter Druck gehandelt. Außerdem hätte viele ihrer Tätigkeiten friedlichen Zwecken gedient. Demgegenüber hält Jeffreys fest:

Fast ohne Widerspruch und ganz gewiss ohne moralisch begründete Rücktritte versorgte die Führung der IG das Hitler-Regime mit wirtschaftspolitischen Nachrichten über seine künftigen Feinde und bemühte sich zugleich, diesen die synthetischen Rohstoffe vorzuenthalten, die sie zu ihrer Verteidigung in dem absehbaren Krieg brauchen würden. Sie erfüllte begeistert die Forderung des Regimes nach weiteren Fabriken und baute oft heimlich Werke, die ausschließlich militärische Güter herstellten. Sie akzeptierte das Arisierungsprogramm des Regimes mit einer Widerspruchslosigkeit, die besonders schändlich war, weil die IG traditionell Juden beschäftigt hatte.

Weiterhin:

Hätte die IG-Führung den Mut gefunden, in den späten dreißiger Jahren das Geschäft mit den Nazis abzulehnen oder wenigstens weniger bereitwillig kooperiert, so hätte Hitler schwer zu kämpfen gehabt, um seine Kriegsmaschine in Gang zu halten. Stattdessen trieb die IG durch ihre Kooperation die Maschine voran.

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Telefunken – Ein wichtiges Stück Funk- und Fernsehgeschichte

Von Ralf Keuper

Die Firma Telefunken war maßgeblich am Aufbau des deutschen Rundfunk- und Fernsehsender-Netzes beteiligt. Geliefert wurden komplette Rundfunkstationen. Darüber hinaus war das Unternehmen ein Pionier bei der Entwicklung neuer und richtungsweisender Sendetechnik. Insofern steht Telefunken für ein wichtiges Stück Funk- und Fernsehgeschichte.

Die ersten Funkversuche führte Guglielmo Marconi 1897 in England durch. Die Versuche weckten das Interesse von Kaiser Wilhelm II, der vor allem die militärische Nutzung der Funktechnik im Sinn hatte. Die Königliche Technische Hochschule schickte, nachdem ein Gesuch an Marconi von diesem positiv beantwortet wurde, einige Physiker nach England, um sich die Funktechnik vor Ort anzuschauen. Die Physiker konnten soviel Informationen aufnehmen, dass sie sehr bald in der Lage waren, ähnliche Versuche, wie die von Marconi, durchzuführen. Das wiederum führte zur Gründung der ersten Funk-Unternehmen durch Wilhelm von Siemens und Emil Rathenau. Auf Drängen des Kaisers legten die beiden Unternehmer ihre Firmen unter dem Namen Telefunken zusammen.

In der Folge entstand unter der Leitung von Telefunken in Nauen eine Großfunkanlage, die später die größte der Welt werden sollte. Ein weiterer wichtiger Sender aus der Zeit war der Sender Königs Wusterhausen.

Der internationale Durchbruch gelang Telefunken mit der Erfindung des Tonfunkensenders. Damit konnte das Seefunkmonopol der Marconi-Gesellschaft durchbrochen werden. Zu seinen Glanzzeiten war Telefunken mit 50 Prozent am Weltfunkverkehr beteiligt.

Mit der Zeit entstand in Deutschland ein Rundfunksendernetz. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei Hans Bredow.

Bereits 1929 begann die Deutsche Reichspost mit den ersten Fernsehversuchen. Der von Telefunken entwickelte Fernsehsender ging 1935 mit dem Fernsehsender Paul Nipkow, dem ersten Fernsehsender überhaupt, live.

Crosspost von Medienstil 

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Anmerkungen zur Token Economy

Von Ralf Keuper

Über die Jahrtausende haben die Zahlungs- und Tauschmittel der Menschen ihr Gesicht mehrmals gewandelt – von Muscheln, über Pfeffer bis hin zu Silber oder Gold (Vgl. dazu: Die Geschichte(n) des Geldes. Von der Kaurischnecke zum Goldstandard. So entwickelte sich das Finanzsystem). Heute wird das Geld immer abstrakter. Nur noch ein geringer Teil der Waren und Dienstleistungen wird mit Bargeld bezahlt. Es dominiert das Buchgeld. Neu hinzu gekommen sind digitale Währungen, wie Bitcoin, die aber beim Kauf von Waren und Dienstleistungen bislang eine untergeordnete Rolle spielen. Deutlich größerer Veränderungsdruck geht von der Blockchain-Technologie aus, von der Bitcoin nur eine Anwendung ist. Die Blockchain-Technologie macht es möglich, Transaktionen fälschungssicher abzuwickeln und zu dokumentieren, wobei jeder Teilnehmer des Netzwerkes zu jedem Zeitpunkt denselben Informationsstand hat.

Viele, wie Max Thake in The Token Economy, halten digitale Währungen daher nur für ein Durchgangsstadium auf dem Weg zur Token Economy, deren Rückgrat die Blockchain Technologie bzw. die übergeordnete Kategorie der Distributed Ledger Technologies sind:

The next wave in the digital age would seem just as baffling to our ancestors as it will be to many of us. The idea that a person can send or trade a digital representation of an asset or an idea — known as a token, to anywhere in the world, instantly, with no possibility of it being hacked or corrupted, will raise many eyebrows. Yet this is the kind of global economy we are edging towards — a token economy.

Wenn sich die Eigentums- und Nutzungsrechte an Investitionsgütern und Immobilien digitalisieren lassen, dann eröffnen sich für den Handel mit eben diesen Vermögenswerten, so Thake, ganz neue Möglichkeiten:

Tokens can be used to define virtually any form of value and can be exchanged for any other token, representing any other form of value. At present, a dollar can’t be directly exchanged for a Facebook like. In the token economy, that, and any other form of token exchange will be both possible and easily accessible.

In dem Beitrag The Economics of Tokenization Part I: Not Everything Can (or Should) be Tokenized geht Stephanie Hurder näher auf das Prinzip der Tokenization und die Rolle der Blockchain ein:

Tokenization is the process of digitally storing the property rights to a thing of value (asset) on a blockchain or distributed ledger, so that ownership can be transferred via the blockchain’s protocol.

Mit der Token Economy, so Thake, werde der Gegensatz zwischen Kapitaleignern und den abhängig Beschäftigten aufgehoben:

Tokens merge investment capital with liquid exchange capital, meaning that anyone who is paid in tokens or uses them as a method of exchange automatically becomes an investor, thus removing the notorious divide. When you work for a token system, you’re working for yourself and for the whole organization.

Nicht ganz so sozialutopisch, aber in der Kernbotschaft nicht weit davon entfernt, argumentiert Dave Birch. In einem Gespräch hält auch er eine zunehmende Tokenization der Wirtschaft für den nächsten logischen Schritt.

Nicht ganz so optimistisch ist die bereits erwähnte Stephanie Hurder:

Tokenization only works correctly if transferring ownership via the blockchain protocol guarantees that the asset itself changes ownership, and if the blockchain protocol is the only way to transfer ownership of the asset. In other words, the asset changes owners if and only if the owner changes via the protocol. This is a simple, but often overlooked point.

Weiterhin:

In attempting to tokenize physical assets with tentative mapping to tokens, organizations have had to expend extensive centralized resources to overcome these problems. Some gold exchanges have tried to address these problems by storing their blockchain-traded gold bars in a secure vault that they pay for, ensuring that their gold bars correspond to those traded and that no one else has the opportunity to trade these objects off the blockchain. This solution is costly and inconvenient, and destroys much of the value promised by implementing a blockchain solution.

In The biggest problems with token models: what to do when equity is stealing the token’s value bezeichnet Jose Maria Macedo den Interessenkonflikt bei den Gründern und Investoren, die sich mit ihrem Geld an ICOs (Initial Coin Offerings) beteiligen, aber gleichzeitig Tokens halten, für ein derzeit deutlich unterschätztes Problem:

Most of the biggest projects such as Bitcoin and Ethereum aren’t companies. They do not have shareholders. They only have token-holders instead. As such, there is no conflict of interest. Their token economic models seek to maximize value for token-holders.

However, this is not the case for many ICO’s which are limited companies, often with investors. They possess both shareholders (venture capitalists and founders) as well as token-holders (ICO investors and founders).

This creates a moral hazard. The founders of these projects will also possess both equity and tokens. They will often possess a higher percentage of the total equity than of total tokens. (A traditional seed round is 10–25% whereas an ICO is generally 40–60%).

Im Enddefekt laufe das auf eine Benachteiligung derjenigen Anteilseigner hinaus, die nur Tokens besitzen:

This is a serious and overlooked issue, especially when ICO’s are making capital investments that benefit shareholders using the millions of dollars they raised in an ICO but then distributing the returns on those investments to shareholders rather than token-holders.

Ohne entsprechende organisatorische Regelungen, ohne Governance, wird auch die Token Economy nicht funktionieren, so Macedo.

Many of these issues can also be resolved by having good governance models built into the token that allows token-holders to vote on key issues, including asset allocation.

For instance, a project’s assets can be held in escrow in a smart contract allowing token-holders to vote to liquidate and distribute all assets pro-rata to token-holders.

So viel ist sicher: Da besteht noch viel Diskussions- und Regelungsbedarf.

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“Ausgebremst. Wie die Automobilindustrie Deutschland in die Krise fährt” von Helmut Becker

Von Ralf Keuper

Einige Jahre bevor der Diesel-Skandal die deutsche Automobilindustrie erschütterte und bevor Tesla die Platzhirsche Daimler, BMW und VW alt aussehen ließ, ging der ehemalige Chefvolkswirt von BMW mit der deutschen Paradebranche in Ausgebremst. Wie die Automobilindustrie Deutschland in die Krise fährt hart ins Gericht. Die Diagnose fiel daher wenig erfreulich aus:

Auch wenn die Wahrheit schmerzhaft ist: Die deutsche Autoindustrie hat am Standort Deutschland ihren Zenit überschritten. Sie bleibt zwar auch auf absehbare Zukunft der Motor der deutschen Wirtschaft, ein Motor, der allerdings bereits deutlich an Drehzahl verloren hat.

Die Kostenstrukturen der Hersteller sorgen dafür, dass die Margen über die Jahre kontinuierlich gesunken sind, über alle Autoklassen hinweg:

Deutlich sinkende Ertragsmargen im Kerngeschäft bei allen OEMs, auch bei den sogenannten Nobelmarken, haben teilweise zu spektakulären Kostensenkungsprogrammen mit massivem Belegschaftsabbau geführt. Im Volumensegment machen einige tradierte Autohersteller bereits seit mehreren Jahren im operativen Geschäft teilweise sogar noch zunehmende Verluste. Und rücken langsam, aber sicher in die Nähe eines Marktaustritts, jedenfalls wenn die Mutterkonzerne, selbst in Not, Quersubventionen nicht mehr durchhalten wollen.

Heute bestimme die Nachfrage, der Kunde die Automobilproduktion, was zu einer überbordenden Variantenvielfalt geführt habe, die einen erheblichen Entwicklung- und Logistik-Mehraufwand zur Folge hatte. Nur wenige Hersteller erreichen in den neuen Nischenmärkten den für die Profitabilität nötigen Mindestabsatz an Autos. Die Automobilindustrie stehe daher in einem oligopolistischen Verdrängungswettbewerb.

In der Vergangenheit konnte sich die deutsche Automobilindustrie mit zahlreichen Innovationen im Premium-Segment festsetzen. Ein Fehler, so Becker, sei es gewesen, in den hochwertigen und teuren Autos verstärkt Plastik zu verwenden. Dieser Widerspruch lasse sich auf Dauer nicht durchhalten bzw. vermitteln. Becker macht für dieses Dilemma die hohen Lohn- und Lohnnebenkosten verantwortlich. Auch haben es die deutschen Hersteller versäumt, neue Märkte, wie China, rechtzeitig mit passenden Modellen zu bedienen.

Eine weitere Ursache für den schleichenden Niedergang der deutschen Automobilindustrie ist die Fixierung auf den Shareholder Value, jedenfalls seine einseitige Auslegung. Eine Strategie, die, wie bei Siemens, Bosch und Daimler über Jahrzehnte, den Kundennutzen in Vordergrund stellt, führt fast schon zwangsläufig zu einem hohen Shareholder Value.

Die Arbeitsplätze bei Bosch und Daimler, bei Siemens und der AEG entstanden, weil deren Produkte am Markt Erfolg hatten.

Das wohl größte Problem der deutschen Premiumhersteller bestehe in dem Hang zum “Over-Engineering”, d.h. alles was sich irgendwie entwicklen und einbauen lässt, wird auch umgesetzt. Ob das nun noch sinnvoll ist und von den Kunden, jedenfalls außerhalb Deutschland, so benötigt und goutiert wird, steht auf einem anderen Blatt.

Fast schon prophetisch muten folgende Worte an:

Die deutsche Autoindustrie hat nichts dazugelernt. Sie behauptet zwar, kreativ zu sein und weltweit die modernste Technik zu bieten. Mag sein, dass sie von Kurbelwellen, Drehmomenten, Doppel-Gelenk-Hinterachsen, CommenRail, BlueTec Dieseltechnik etc. sehr viel versteht, von Mobilität in Verbindung mit ökologischer Verantwortung versteht sie offensichtlich weniger.

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Digitale Transformation im Maschinen- und Anlagenbau

Mit der vorliegenden Studie wollen wir einen Überblick über die aktuellen Digitalisierungsprozesse im Maschinenbau geben. Die Studie konzentriert sich dabei auf fünf Teilbranchen des Maschinenbaus, nämlich auf die Teilbranchen Aufzüge und Fahrtreppen, Fördertechnik, Holzbearbeitungsmaschinen, Landtechnik und Werkzeugmaschinenbau. Die untersuchten Unternehmen gehören zu den Vorreitern bei der digitalen Transformation. In der Breite des heterogenen Maschinenbaus gibt es beim Stand der Digitalisierung und bei Digitalisierungsstrategien ein sehr vielfältiges Bild. Viele kleine und mittelständige Unternehmen stehen erst am Anfang der digitalen Transformation. Bei diesen fehlen oftmals strategische Ansätze für die Digitalisierung des Unternehmens. Gleichwohl zeigt die Studie die vielfältigen Herausforderungen und Handlungsbedarfe für die IG Metall und ihre Betriebsrätinnen und Betriebsräte bei der Einführung von Digitalisierung und Industrie 4.0 auf. …

Quelle / Link: Digitale Transformation im Maschinen- und Anlagenbau

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