Seit Jahren verspricht eine hartnäckige Erzählung die industrielle Erneuerung Deutschlands: Die Betriebe verfügten über einzigartige Produktionsdaten — ein Schatz, der per Künstlicher Intelligenz nur noch gehoben werden müsse. Auf der Hannover Messe 2026 hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche dieselbe Figur zur offiziellen Industriepolitik erhoben. Was einst ein akademisches Versprechen war, ist nun Regierungsrhetorik. Der Substanzverlust, den sie überspielt, ist in dieser Zeit nicht kleiner geworden.
Auf der Hannover Messe 2026 sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, Deutschland sitze auf einem „riesigen Datenschatz“, um den die USA das Land beneiden würden. Künstliche Intelligenz sei eine „Überlebenschance“ für den Industriestandort. Die Technologie biete die Möglichkeit, als Industrieland auf die „Weltbühne der KI-Giganten“ zu kommen. „Da gehören wir hin.“
Der Satz ist nicht neu. Er ist nicht einmal originell. Er ist die politische Fassung einer Erzählung, die in der deutschen Technologiedebatte seit mindestens einem Jahrzehnt zirkuliert — und deren Persistenz selbst erklärungsbedürftig ist.
Wolfgang Wahlster, langjähriger Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, formulierte die Grundfigur bereits Jahre zuvor: Deutschland verfüge über einzigartige Produktionsdaten aus Jahrzehnten industrieller Fertigung. Diese Daten seien, richtig erschlossen und mittels KI ausgewertet, ein Wettbewerbsvorteil ersten Ranges. Man müsse nur endlich den Schatz heben. Cedrik Neike, Vorstand Digital Industries bei Siemens, schloss sich mit derselben Botschaft an — gestützt auf ein PepsiCo-Pilotprojekt, das 20 Prozent mehr Durchsatz und 15 Prozent weniger Investitionen versprach. Nun hat die Bundeswirtschaftsministerin die Erzählung zur offiziellen Industriepolitik erhoben, flankiert von einem „Schulterschluss“ aus Roland Busch (Siemens), Christian Klein (SAP), Tim Höttges (Deutsche Telekom) und der Accenture-Chefin Julie Sweet auf der Center Stage der Messe.
Die Genealogie ist vollständig: akademische Forschungsrhetorik, korporative Vertriebsbotschaft, Regierungsprogramm. Was sich verändert hat, ist der institutionelle Träger. Was gleich geblieben ist, ist die Erzählung selbst.
Die Entkopplung von Rhetorik und Substanz
Das Bemerkenswerte an dieser Persistenz ist ihre Gleichzeitigkeit mit einem realen Substanzverlust. Die deutsche Industrie verlor 2025 über 124.000 Arbeitsplätze — seit 2019 sind damit bereits 266.000 Industriejobs verschwunden. Die Automobilindustrie erreichte zum dritten Quartal 2025 mit 721.400 Beschäftigten den niedrigsten Stand seit 2011, ein Rückgang von 6,3 Prozent — der stärkste unter allen großen Industriebranchen. Im Maschinenbau war 2025 das dritte Rückgangsjahr in Folge: 22.000 Stellen fielen weg, der VDMA meldet, dass mehr Unternehmen Abbau als Aufbau planen.
Die Zulieferebene zeigt das strukturelle Ausmaß. Bosch will bis 2030 insgesamt über 22.000 Stellen in Deutschland abbauen und 2,5 Milliarden Euro jährlich einsparen. ZF plant bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Stellen zu streichen, Continental über 7.000, Schaeffler 2.800 in Deutschland — sein Werk in Steinhagen schließt Ende 2026. Thyssenkrupp schließt den Standort Chemnitz/Hohenstein-Ernstthal für Batteriemontage-Anlagen bis Mitte 2026: die Nachfrage ist versiegt, ein erwarteter Großauftrag zerschlug sich, weitere Projekte sind nicht absehbar.
Darunter, in der Mittelschicht, verläuft eine zweite Abbruchkante. Die Schlote Group — Automobilzulieferer, mehrere Standorte — meldete im März 2025 Insolvenz an, nachdem Banken Kredite gekündigt hatten. Eissmann Automotive (Bad Urach) scheiterte mit dem Sanierungsversuch. Allgaier Werke (Uhingen, Schwaben), seit über einem Jahrhundert in der Blechumformung tätig, wurde nach gescheiterten Sanierungsversuchen vollständig liquidiert — der Versuch, das Unternehmen 2022 an die chinesische Westron Group zu verkaufen, hatte den Zerfall nur verzögert. MANN+HUMMEL plant die Schließung des Standorts Speyer bis Ende 2028, 600 Stellen fallen weg.
Im Sauerland und Märkischen Sauerland, einer der Kernregionen des deutschen Mittelstands, verdichten sich die Beispiele. Gerhardi Kunststofftechnik (Lüdenscheid), 1.500 Beschäftigte, Umsatz knapp 200 Millionen Euro, meldete im November 2024 Insolvenz an. Ein Investor übernahm drei Standorte und sicherte rund 1.000 Arbeitsplätze — 500 fielen weg. Die Plastic Manufacturing Group (Lüdenscheid/Diepersdorf), ebenfalls November 2025 insolvent, verlor den Standort Oberlungwitz vollständig; in Diepersdorf wurden 300 Stellen in eine Transfergesellschaft überführt. Auch die „geretteten“ Betriebe schrumpfen. Das ist kein Sanierungserfolg — es ist kontrollierter Rückzug.
Im Maschinenbau selbst: Illig Maschinenbau (Heilbronn), Weltmarktführer für Thermoformmaschinen, musste Eigenverwaltung beantragen. Die Manz AG (Reutlingen), auf Fertigungsanlagen für E-Mobilität spezialisiert, meldete Ende 2024 Insolvenz an — ein symptomatischer Fall: das Unternehmen hatte genau auf die Transformation gesetzt, die den traditionellen Zulieferern schadet, und verlor trotzdem. Stoll (Reutlingen), Traditionsmarke für Flachstrickmaschinen, stellte die Produktion im Oktober 2025 ein — kein Investor gefunden, 270 Beschäftigte entlassen. Der Werkzeugbau Laichingen, nach 130 Jahren Betrieb, stellte Ende 2025 ebenfalls den Betrieb ein.
Besonders aufschlussreich sind die Fälle, die den Übergang zwischen Druckmaschinenbau und Robotik markieren — zwei Branchen, die im KI-Datenschatz-Narrativ als besonders prädestiniert gelten. Manroland Sheetfed (Offenbach, gegründet 1871), einst einer der führenden Hersteller von Bogenoffset-Druckmaschinen, stellt die Fertigung zum 31. Mai 2026 ein. 748 Beschäftigte verlieren ihre Stellen; ein Fortführungskonzept war nicht aufrechtzuerhalten. Als Hauptursache nennt das Unternehmen den Einbruch des China-Geschäfts — einst für rund 40 Prozent des weltweiten Absatzes verantwortlich — sowie das Ende der Quersubventionierung durch den britischen Eigentümer Langley Holdings. Die IG Metall erhebt den Vorwurf, das Unternehmen sei über Jahre systematisch ausgeblutet worden: keine Investitionen, kein Zukunftsplan. Der Datenschatz eines 150 Jahre alten Druckmaschinenherstellers nützt nichts, wenn der Eigentümer den Geldhahn zudreht.
Heidelberger Druckmaschinen, der verbliebene deutsche Platzhirsch der Branche, ist nicht insolvent — aber strukturell unter Dauerdruck. Am Hauptsitz Wiesloch-Walldorf werden 450 von 4.000 Stellen abgebaut; die Personalkosten sollen in drei Jahren um über 100 Millionen Euro sinken. Das abgelaufene Geschäftsjahr 2025/26 schloss mit einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 6,6 Prozent — unter der eigenen Prognose. Das Unternehmen sucht Anschluss in der Rüstungstechnik und im Digitaldruck; das Kerngeschäft trägt sich kaum noch.
KUKA (Augsburg) ist der prägnanteste Fall für das strukturelle Versagen der deutschen Technologiepolitik. 2026 kämpft KUKA mit Auftragsrückgängen von über 100 Millionen Euro; insgesamt sollen 560 Stellen abgebaut werden. Chinesische Roboterhersteller drängen verstärkt nach Europa, der Preisdruck aus China wird direkt weitergegeben — während das Unternehmen selbst seit 2016 mehrheitlich zur chinesischen Midea Group gehört. Der Verkauf war möglich, weil Siemens und andere potenzielle deutsche Käufer den Preis nicht zahlen wollten und strategisch andere Prioritäten setzten. KUKA ist damit ein Lehrstück der Zangenstruktur in Reinform: Das Unternehmen produziert in Deutschland, gehört China, verliert Aufträge an chinesische Konkurrenten — und soll nun mit KI-Datenschätzen wieder wettbewerbsfähig werden.
Das ist keine Konjunkturdelle. Das ist der Abbau industrieller Substanz — jener Substanz, auf der die Datenschatz-Erzählung aufbaut.
Das Paradox liegt genau hier: Die Erzählung setzt die Industrie als stabile Größe voraus. Der Schatz existiert, weil die Fabrik läuft. Wenn die Fabrik aber abwandert, schrumpft oder schließt, löst sich der Schatz auf, bevor er gehoben wird. Daten aus sterbenden Prozessen sind kein strategisches Asset — sie sind ein digitaler Nachruf. Die Erzählung enthält einen logischen Widerspruch im Zentrum, den ihre Verfechter nicht adressieren können, ohne das eigene Argument zu untergraben.
Die Plattformfrage als strukturelles Schweigen
Unterstellt man einmal, die Industrie bliebe — bleibt die Frage, wer die Schicht kontrolliert, auf der die Datenschätze tatsächlich mobil werden. Das EFI-Jahresgutachten 2026, gestützt auf eine Fraunhofer-ISI-Studie, bestätigt, was in der Debatte regelmäßig als bedauerliche Randnotiz erscheint: Europa ist bei KI-Basisentwicklung strukturell schwach. Die Modelle kommen aus den USA, die Chips aus Taiwan und den Niederlanden, die Rechenkapazitäten laufen über amerikanische Hyperscaler. Der Produktivitätsgewinn, den Reiche und Neike beschreiben, ist real — aber die Wertschöpfungsmacht verbleibt anderswo. Und der Bitkom-Datenatlas 2025 zeigt: Europäische KI-Anbieter spielen in der deutschen Unternehmenspraxis kaum eine Rolle — Aleph Alpha und Mistral kommen zusammen auf unter ein Prozent Marktanteil, ChatGPT, Microsoft Copilot und Google Gemini dominieren.
Bemerkenswert ist, dass dieser Befund auf der Hannover Messe keinen Widerspruch erzeugte. Reiche kritisierte die EU-KI-Verordnung — sie behandle das Thema, als ginge es um „Spielzeug-Chatbots“ — aber die Plattformfrage blieb ungestellt. Dabei ist sie die eigentlich entscheidende: nicht ob KI eingesetzt wird, sondern auf wessen Infrastruktur, nach wessen Modellen, mit welcher Abhängigkeitsstruktur.
Die institutionellen Antworten auf diese Frage sind bekannt und ihr Ergebnis ebenfalls. Gaia-X sollte den europäischen Datenraum sichern und ist zur Zertifizierungsbürokratie verkümmert. Catena-X sollte die Automotive-Datenwirtschaft koordinieren und kämpft mit Governance-Problemen und schleppender Adoption — ausgerechnet in einer Branche, die gerade dabei ist, sich selbst zu dezimieren. Diese Initiativen teilen ein gemeinsames strukturelles Merkmal: Sie versuchen, eine Plattformfrage konsensual zu lösen. Im Plattformwettbewerb ist das kein Kompromiss — es ist ein Rückzug.
Funktionale Rhetorik: Warum die Erzählung stabil bleibt
Die Persistenz der Datenschatz-Erzählung verweist auf eine tiefere Funktion: Sie erlaubt, den Strukturbruch zu benennen, ohne seine Konsequenzen zu ziehen. Man konzediert, dass KI wichtig sei — das klingt nach Modernität. Man betont, Deutschland besitze bereits die Voraussetzungen — das klingt nach Stärke. Man fordert schnellere Umsetzung — das klingt nach Handlungsfähigkeit. Was fehlt, ist die Bereitschaft, das Muster selbst zu benennen.
Wahlster formulierte die Erzählung aus der Perspektive eines Forschungsinstituts, das gesellschaftliche Relevanz beansprucht. Neike formuliert sie aus der Perspektive eines Unternehmens, das Automatisierungslösungen verkauft — der letzte Rationalisierungsschub einer schrumpfenden Industrie ist noch ein Geschäft. Reiche formuliert sie aus der Perspektive einer Ministerin, die Handlungsfähigkeit signalisieren muss, ohne die strukturellen Ursachen des Niedergangs anzugehen, die größtenteils außerhalb ihres Zugriffs liegen. Die jeweiligen institutionellen Interessen sind legitim — und sie erklären, warum die Erzählung so stabil bleibt: Sie wird von Akteuren reproduziert, für die sie funktional ist, unabhängig von ihrer empirischen Belastbarkeit.
Herbert Simon würde die Struktur erkennen: bounded rationality als institutionelles Phänomen. Man sucht nicht nach der optimalen Lösung, sondern nach der satisfizierenden Erzählung, die den Handlungsdruck reduziert, ohne den institutionellen Rahmen in Frage zu stellen. Die Datenschatz-Figur leistet genau das.
Was eine redliche Analyse leisten müsste
Eine strukturell ehrliche Einschätzung müsste vier Dinge gleichzeitig festhalten. Erstens: KI kann in der Industrie real wirken, dort wo Daten, Prozesse und Maschinen eng verknüpft sind. Predictive Maintenance, Qualitätskontrolle, Energieoptimierung — die Anwendungen sind nicht erfunden. Zweitens: Diese Wirkung entfaltet sich nur in Betrieben, die diese Prozesse noch betreiben. Der Schatz ist an die Existenz der Schachtanlage gebunden. Drittens: Selbst wo die Wirkung eintritt, stellt sich die Plattformfrage — wer verdient an der Infrastruktur, auf der die Datenwertschöpfung läuft? Viertens: Die politische Forderung nach einem europäischen KI-Ökosystem ist ohne institutionelle Substanz ein Schlagwort — und die institutionelle Substanz fehlt, wie die Geschichte der Konsortialplattformen zeigt.
Diese vier Aussagen zusammengenommen ergeben kein optimistisches Bild. Sie ergeben aber ein ehrliches — und damit eines, das Handlungsprioritäten setzen kann, statt sie zu verschleiern.
Dass Bundeswirtschaftsministerin Reiche auf der Hannover Messe 2026 dieselbe Grundfigur reproduziert, die ein Jahrzehnt zuvor aus dem akademischen Forschungsbetrieb stammte, ist kein Zufall und kein Fehler. Es ist das Symptom eines Diskurses, der auf eine strukturelle Krise mit narrativer Kontinuität antwortet. Die Erzählung vom Datenschatz ist nicht falsch — sie ist unvollständig in einer Weise, die strukturell verheerend ist: Sie verhindert die Fragen, auf die es ankommt. Welche Industrie bleibt überhaupt? Wer kontrolliert die Plattformschicht? Was bedeutet Anwenderrolle in einer Welt, in der die Wertschöpfung in der Infrastruktur stattfindet?
Solange diese Fragen durch beruhigende Narrative überdeckt werden, ist der Schatz nicht gehoben. Er wird vergraben oder verschenkt.
Ralf Keuper
Quellen:
Primärquellen / Anlass
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, Hannover Messe 2026 „Reiche sieht KI als ‚Überlebenschance‘ für Industrie“ (dpa-AFX / Finanznachrichten, April 2026) https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2026-04/68254822-reiche-sieht-ki-als-ueberlebenschance-fuer-industrie-016.htm
Hannover Messe / Initiative „Made for Germany“: „AI in Industry“ (April 2026) Pressemitteilung zur Veranstaltung mit Busch (Siemens), Klein (SAP), Höttges (Telekom), Sweet (Accenture)https://www.hannovermesse.de/de/news/news-fachartikel/hannover-messe-und-made-for-germany-setzen-signal
Industrielle KI — Unternehmensrhetorik
Cedrik Neike (Siemens): „KI ist Überlebenschance“ / PepsiCo-Fallbeispiel „KI in der Industrie: Kann Deutschland doch Zukunft?“ (Focus Plus, April 2026) https://www.focusplus.de/wirtschaft/ki-in-industrie-kann-deutschland-doch-zukunft-11245
Strukturbefund: Europa als KI-Anwender
Fraunhofer ISI / EFI-Jahresgutachten 2026 Weber, Dachs, Rozgonyi et al. (2026): „Wege zur Stärkung der Forschung und Anwendung künstlicher Intelligenz in Europa.“ Befund: Europa bei Anwendung stark, strukturelle Schwäche bei KI-Basisentwicklung; Chips, Infrastruktur und Sprachmodelle weitgehend US-dominiert.https://www.isi.fraunhofer.de/de/blog/2026/starke-ki-europa-efi.html
Brookings Institution: „Mind the Gap: AI Adoption in Europe and the US“ (April 2026) Bick, Blandin, Deming, Fuchs-Schündeln, Jessen (2026), BPEA Conference Draft. Befund: US-Unternehmen (7 %) nutzen KI in der Produktion deutlich häufiger als EU-Firmen (4 %); Produktivitätslücke messbar.https://www.brookings.edu/articles/mind-the-gap-ai-adoption-in-europe-and-the-us/
BIS Working Paper: „Artificial Intelligence and Growth in Advanced and Emerging Economies“ (2025)Gambacorta, Kharroubi, Mehrotra, Oliviero. BIS Working Paper No. 1321. https://cepr.org/voxeu/columns/how-ai-affecting-productivity-and-jobs-europe
Bitkom: „Künstliche Intelligenz in Deutschland“ (2025/2026) Europäische Anbieter (Aleph Alpha, Mistral) unter einem Prozent Marktanteil; OpenAI, Microsoft Copilot, Google Gemini dominieren.https://www.bitkom.org/sites/main/files/2026-02/bitkom-studienbericht-ki.pdf
OECD / Cisco-Studie: Generative AI-Nutzung (Dezember 2025) In Deutschland nutzen nur 19 % der 18–35-Jährigen generative KI regelmäßig — schwächstes Ergebnis in Europa.https://www.euronews.com/next/2025/12/04/europe-falls-behind-in-ai-adoption-as-gen-z-in-emerging-economies-embrace-it-oecd-report
Industrieller Substanzverlust — Makrodaten
Statistisches Bundesamt (Destatis): Beschäftigung Automobilindustrie Q3 2025 (November 2025) 721.400 Beschäftigte — Tiefstand seit 2011; Rückgang von 6,3 % binnen Jahresfrist.https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_N067_42.html
EY Industriebarometer 2025 / 2026 124.000 Industriejobs verloren 2025; seit 2019 insgesamt 266.000 Stellen weg.https://www.ey.com/de_de/newsroom/2025/08/ey-industriebarometer-q2-2025
VDMA: Maschinenbau-Beschäftigung 2025 (Februar 2026) 22.000 Stellen weg, drittes Produktionsrückgangsjahr in Folge; mehr Unternehmen planen Abbau als Aufbau. https://www.eulerpool.com/news/unternehmen/maschinenbau-im-ruckwartsgang-22.000-stellen-weg–und-2026-droht-weiterer-abbau
IW-Konjunkturumfrage April 2026 Längste Wirtschaftskrise seit 20 Jahren; 37 % der Industrieunternehmen planen weiteren Stellenabbau 2026. https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/deutsche-wirtschaft-krise-stellenabbau
Industrieller Substanzverlust — Einzelfälle
Automobilzulieferer / Großkonzerne
Bosch: Stellenabbau bis 2030 13.000 weitere Stellen in Deutschland bis 2030 (zusätzlich zu 9.000 aus 2024); Einsparziel 2,5 Mrd. € jährlich. https://www.betriebsrat.de/news/umstrukturierung/bosch-weiterer-stellenabbau-angekuendigt-4187918
ZF, Schaeffler, Continental, VW: Überblick Sparmaßnahmen ZF: 11.000–14.000 Stellen bis 2028; Schaeffler: 2.800 in Deutschland, Werk Steinhagen schließt Ende 2026; Continental: 7.000+; VW: 35.000 bis 2030.https://www.automobil-produktion.de/management/die-radikalen-sparmassnahmen-der-autoindustrie-im-ueberblick/994682
Thyssenkrupp Automation Engineering Chemnitz: Schließung Mitte 2026 Batteriemontage-Anlagenbau, 270 Beschäftigte; Großauftrag zerschlagen, keine Folgeprojekte absehbar.https://www.maschinenmarkt.vogel.de/stellenabbau-bosch-thyssenkrupp-sachsen-a-f7a43b957ee97b19febdd222bf09c1ac/
Schlote Group: Insolvenz März 2025 Automobilzulieferer, mehrere Bundesländer; Banken kündigen Kredite.
Allgaier Werke (Uhingen): Liquidation Blechumformung, über 100 Jahre Betrieb; Verkauf an chinesische Westron Group 2022 scheiterte, vollständige Liquidation.
Eissmann Automotive (Bad Urach): Insolvenz / gescheiterter Sanierungsversuch 1.000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet.
MANN+HUMMEL (Speyer): Schließung bis Ende 2028 600 Stellen; Verlagerung an andere Standorte.
Sauerland / Märkisches Sauerland
Gerhardi Kunststofftechnik (Lüdenscheid): Insolvenz November 2024 1.500 Beschäftigte, Umsatz ~196 Mio. €; Investor HF Opportunities übernimmt drei Standorte, ~1.000 Jobs gesichert, 500 weggefallen.
Plastic Manufacturing Group / Linden Plastics (Lüdenscheid/Diepersdorf): Insolvenz November 2025 US-Mutter First Brands ebenfalls insolvent; Standort Oberlungwitz geschlossen, Diepersdorf (300 Stellen) in Transfergesellschaft.
Maschinenbau
Illig Maschinenbau (Heilbronn): Eigenverwaltung April 2024 Weltmarktführer Thermoformmaschinen; 200 Jobs abgebaut, später von Orlando Capital übernommen.
Manz AG (Reutlingen): Insolvenz Dezember 2024 Fertigungsanlagen für E-Mobilität; ~480 Mitarbeiter in Reutlingen betroffen; Teilübernahme durch Tesla Automation.
Stoll / Karl Mayer Group (Reutlingen): Betriebseinstellung Oktober 2025 Traditionsmarke Flachstrickmaschinen; 270 Beschäftigte entlassen, kein Investor gefunden.
Werkzeugbau Laichingen: Betriebseinstellung Ende 2025 130 Jahre Betrieb; Autozulieferer, ~100 Mitarbeiter.
Maschinenfabrik Avermann (Osnabrück): Insolvenz Dezember 2025 Marktführer Betonfertigteiltechnik; 188 Mitarbeiter.
Druckmaschinenbau
Manroland Sheetfed (Offenbach): Betriebseinstellung Juni 2026 Gegründet 1871; 748 Beschäftigte; Fertigung endet 31. Mai 2026, Abwicklung bis Jahresende. China-Geschäftseinbruch (einst 40 % des Weltabsatzes) und Ende der Quersubventionierung durch Langley Holdings als Hauptursachen. IG Metall: systematisches Ausblutenlassen über Jahre. https://www.hessenschau.de/wirtschaft/manroland-schliesst-werk-in-offenbach–ig-metall-erhebt-schwere-vorwuerfe-v2,manroland-106.html https://www.print.de/allgemein/manroland-sheetfed-stellt-betrieb-ein/https://www.igmetall-offenbach.de/aktuelles/meldung/unternehmensinsolvenz-bei-manroland-sheetfed-750-arbeitsplaetze-in-gefahr
Heidelberger Druckmaschinen AG: Restrukturierung laufend 450 Stellen abgebaut (von 4.000 in Wiesloch-Walldorf); Personalkosten sollen um 100 Mio. € in drei Jahren sinken. GJ 2025/26 mit bereinigter EBITDA-Marge von 6,6 % unter Prognose abgeschlossen. Strategische Neuausrichtung Richtung Rüstung und Digitaldruck.https://www.4investors.de/nachrichten/boerse.php?sektion=stock&ID=180698https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2026-04/68208430-heidelberger-druck-senkt-ergebnisprognose-fuer-geschaeftsjahr-016.htm
Robotik
KUKA (Augsburg): Stellenabbau und Auftragsrückgang 2025/2026 560 Stellen abgebaut (400 ab Anfang 2025, 160 zusätzlich); Auftragsrückgang >100 Mio. € in 2025. Seit 2016 mehrheitlich im Besitz der chinesischen Midea Group; chinesische Roboterhersteller drängen nach Europa. Siemens und andere potenzielle deutsche Käufer hatten 2016 den Preis nicht gezahlt. https://www.heise.de/news/Deutsches-Robotikunternehmen-Kuka-will-nun-insgesamt-560-Stellen-streichen-11080597.html https://automationspraxis.industrie.de/news/kuka-knackt-vier-milliarden-euro-marke-das-sind-die-weiteren-plaene/
Konsortialplattformen
World Economic Forum: „A New AI Playbook in Europe“ (September 2025) Europas strukturelle KI-Lücke, Regulierungsfragmentierung, fehlende Hyperscaler-Infrastruktur. https://www.weforum.org/stories/2025/09/europe-ai-adoption-lag/
