Auf den ersten Blick scheint die Erdwärmepumpe ein technisches Nischenthema zu sein – Heizungstechnik, Gebäudesanierung, Klimapolitik. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich ein Lehrstück über Pfadabhängigkeit, Systemkopplungen und institutionellen Mismatch, das die Relevanz klassischer organisationstheoretischer und institutionenökonomischer Konzepte eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Die neue Analyse verbindet Douglass North‘ Theorie institutioneller Pfadabhängigkeit mit Karl Weicks Konzept loser und fester Kopplungen und Niklas Luhmanns Systemtheorie, um zu zeigen: Die Erdwärmepumpe ist kein isoliertes Problem, sondern ein Symptom für grundlegende Muster deutscher Industrieorganisation. Dieselben Mechanismen, die wir bei Gaia-X, Catena-X oder Industrie 4.0 beobachten – Konsortiallogik, Verbändedominanz, regulatorische Komplexität  – finden sich hier in konzentrierter Form wieder.

Die theoretische Pointe: North zeigt, wie increasing returns, institutionelle Komplementarität und distributional coalitions Pfade stabilisieren, auch wenn sie ineffizient werden. Williamson erklärt, wie transaktionsspezifische Investitionen zum Hold-up-Problem führen. Weick demonstriert, wie feste Kopplungen Systeme fehleranfällig und starr machen. Luhmann beschreibt, wie dysfunktionale strukturelle Kopplungen zwischen Wirtschaft, Politik und Recht funktionale Differenzierung pervertieren.

Die makroökonomische Verschärfung: Das System wurde für eine Wachstumsökonomie konzipiert (2015-2020), operiert aber in einer Schrumpfungsökonomie (seit 2020). Der China-Schock hat die makroökonomischen Grundannahmen obsolet gemacht: Baden-Württemberg und Bayern deindustrialisieren, Realeinkommen sinken, die Mittelschicht erodiert überall. In urbanen Zentren wie München (Eigentümerquote unter 20%) werden Mieter zum unsichtbaren Epizentrum der Krise. Die Energiewende wird sich schon bald nur noch wenige leisten können – nicht weil die Technologie unbezahlbar ist, sondern weil die Basis für Massenwohlstand wegbricht.

North‘ institutional sclerosis in Echtzeit: Institutionen, die für eine Ära konzipiert wurden, die nicht wiederkommt. Luhmanns „Selbstblockade moderner Gesellschaften“ – Systeme, die auf Probleme nicht mehr reagieren können, weil jede Änderung Anpassungszwänge in zu vielen Bereichen erzeugt. Williamsons Hold-up-Problem – verschärft dadurch, dass die Gegenseite (Haushalte) zunehmend zahlungsunfähig wird. Pfadabhängigkeit wird in existenziellen Krisen zur Falle.

Der Report, der nur für Abonnenten des Econlittera-Blogs verfügbar ist, ist über 15.000 Wörter lang, theoretisch fundiert und empirisch gesättigt. Sie zeigt, warum Deutschland scheitert, wie perverse Kopplungen entstehen, wenn Lösungen zu Problemen werden, und warum das gesamte System in eine dreifache Falle aus zeitlicher Pfadabhängigkeit, struktureller Hyper-Kopplung und makroökonomischem Mismatch geraten ist.

Für alle, die verstehen wollen, wie theoretische Konzepte helfen, die Tiefenstruktur aktueller Entwicklungen zu erfassen – und warum Deutschland sich in eine Lage manövriert hat, aus der es kaum noch einen guten Ausweg gibt.

Viel Erkenntnisgewinn bei der Lektüre,

Ralf Keuper

P.S.: Die Analyse enthält ein ausführliches Quellenverzeichnis mit Links zu den klassischen Texten von North, Williamson, Weick und Luhmann sowie zu aktuellen Daten und Studien. Für alle, die tiefer einsteigen wollen.