Zwei Familien, zwei Modekonzerne, zwei Holdingstrukturen — und eine strukturelle Konvergenz, die kein Zufall ist. Die Benettons aus Ponzano Veneto und die Brenninkmeijers aus dem westfälischen Mettingen haben unabhängig voneinander denselben Weg eingeschlagen: weg vom Ursprungsgeschäft, hin zu diversifizierten Kapitalvehikeln, die ihr eponymisches Erbe als kleinsten Posten im Portfolio führen. Der Vergleich legt eine Tiefenstruktur frei, die über Modegeschichte hinausgeht: Es ist die Logik der Transformation großen Familienkapitals in Europa — und die Frage, was bleibt, wenn der Name nichts mehr kostet als andere.


Zwei Ursprünge, eine Konvergenz

Die Ähnlichkeiten beginnen an der Oberfläche und reichen bis in die institutionelle Tiefenstruktur. Beide Familien sind im Textilhandel groß geworden: die Brenninkmeijers seit 1841 mit C&A, zuerst in den Niederlanden, dann in Westeuropa, schließlich global; die Benettons seit 1965 mit United Colors of Benetton, einem der wenigen authentischen Marketingphänomene des europäischen Konsumkapitalismus der Nachkriegszeit. In beiden Fällen entstand das Vermögen schneller als die institutionellen Strukturen, die es halten sollten.

Beide Familien antworteten auf dasselbe Problem mit verblüffend ähnlichen Lösungen. Die Brenninkmeijers gründeten 2001 die Cofra Holding AG in Zug — ein zentrales Vehikel zur Koordination des globalen Familienbesitzes, der bis dato in zehn separat geführte nationale Gesellschaften aufgeteilt war. Edizione S.p.A. existiert seit 1981 in ähnlicher Funktion, ebenfalls vollständig im Familienbesitz, operativ in Ponzano Veneto, steuerlich in einer für Familienholdings günstigen Struktur verankert. Beide Konstrukte teilen drei Merkmale: Intransparenz gegenüber der Öffentlichkeit, Professionalisierung der Governance über externe Manager, und die strategische Entscheidung, das ursprüngliche Modebusiness als einen Portfoliobaustein unter mehreren zu führen — nicht mehr als Kernidentität.


Das eponymische Dilemma

Der Begriff des „eponymischen Unternehmens“ — eines Unternehmens, das den eigenen Namen trägt — beschreibt ein spezifisches Problem der Familienunternehmensliteratur: Der emotionale und reputationale Wert des Namens erzeugt eine Haltekraft, die sich rational nicht vollständig rechtfertigen lässt. Es ist kein reiner Sentimentalismus. Es ist institutionelles Gedächtnis, das in einem Label gespeichert ist.

Bei den Benettons ist die Situation besonders zugespitzt: Die Marke heißt exakt so wie die Familie. Ein Verkauf oder eine Liquidation hätte eine symbolische Qualität, die über den ökonomischen Akt hinausgeht. Edizione hat Benetton Group 2024 auf einen Prozent des Gross Asset Value abgeschrieben — aber nicht aufgegeben. CEO Claudio Sforzas Formulierung, der Restrukturierungsplan sei die „letzte Chance“, markiert die Grenze, die man noch nicht überschritten hat: Der Name schützt das Unternehmen vor dem, was betriebswirtschaftlich längst fällig wäre.

Bei den Brenninkmeijers ist das Dilemma strukturell anders gelagert, aber in der Tiefe verwandt. C&A ist nicht der Familienname — es sind die Initialen der Gründer Clemens und August. Aber es ist das Fundament, auf dem das gesamte Vermögen aufgebaut wurde: Cofra-CEO Boudewijn Beerkens betont auch 202…