„Public Value: Gesellschaftliche Wertschöpfung im Fokus der Führung“ von Peter Gomez und Timo Meynhardt

Von Ralf Keuper

In ihrem Paper Public Value: Gesellschaftliche Wertschöpfung im Fokus der Führung thematisieren Peter Gomez und Timo Meynhardt die Auswirkungen der Vertrauenskrise, wie sie insbesondere die westlichen Gesellschaften erfasst hat und als deren Auslöser gemeinhin der Beinahe-Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems gilt. Die Folgen spüren wir, in der einen oder anderen Form, bis heute. Als Ursachen für die Finanzkrise werden häufig gierige Investmentbanker und lückenhafte Regulierungen/Gesetze verantwortlich gemacht, womit die Probleme sowohl auf der individuellen wie auch auf der gesellschaftlichen Ebene verortet werden.

Nach Ansicht von Gomez und Meynhard, die der St. Galler-Management-„Schule“ angehören, greifen derartige Begründungen jedoch zu kurz. Im weiteren Verlauf ihres Beitrags gehen die Autoren der Frage nach, was ein Unternehmen für eine Gesellschaft wertvoll macht, wobei sie auf die Ergebnisse einer von ihnen durchgeführten empirischen Studie zurückgreifen und bei der Gelegenheit den Begriff des „Public Value“ in die Diskussion einführen.

Dabei gehen sie über die weithin bekannten Ansätze des „Shareholder Value“, „Stakeholder Value“ wie auch das Konzept der Corporate Social Responsibility hinaus, indem sie den Begriff der Ganzheit noch weiter fassen. Dreh- und Angelpunkt des Public Value ist der meß- und/oder wahrnehmbare Beitrag des Kerngeschäfts eines Unternehmens zum Gemeinwesen. Bei aller begrifflichen Differenzierung, sehen die Autoren ihren Ansatz nicht im Widerspruch zu den etablierten Verfahren der Performance-Messung.

Neben der Forderung an die Führung, sich ihrer Verantwortung (Accountability) für die das Gemeinwesen bewusst zu werden und sich ihrer nicht unter Verweis auf die Sachzwänge oder die Unübersichtlichkeit der Verhältnisse zu entziehen, geben die Autoren auch ein Plädoyer für den gesunden Menschenverstand ab.

Zum Schluss Ihres Beitrags bringen die Autoren, nicht ganz überraschend, ihre Vorliebe für Kybernetik und Selbstorganisation zum Ausdruck, die ihrer Ansicht nach einen entscheidenden Beitrag bei der Lösung der Führungsproblematik leisten können. Im Fokus steht dabei der Ansatz bzw. das Modell der „Synergetik“, wie es von Hermann Haken über Jahrzehnte entwickelt wurde.

Im Vergleich zu den Deutungsangeboten, die ansonsten aus dem Lager der Managementvordenker zum Thema Selbstorganisation in die Diskussion gebracht werden, ist der Versuch, Hermann Hakens Gedanken mit den Annahmen des Public Value zu verbinden, m.E. deutlich gehaltvoller und plausibler, was nicht zwangsläufig heißt, dass darin die Lösung des Problems liegt. Allerdings scheint mir dieser Weg unter den vorhandenen aus der Denkrichtung der Kybernetik der vielversprechendste zu sein.

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