Als VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärte, Deutschland müsse seine Automobilwerke für ausländische Hersteller öffnen, wurde das als Randnotiz einer Spardebatte gelesen. Tatsächlich ist es die öffentliche Preisgabe einer jahrzehntealten Selbstbeschreibung der Branche – und ihre eigentliche Tragweite liegt nicht bei den Werken, sondern eine Ebene tiefer: bei den Zulieferer-Clustern und dem direkt gekoppelten Maschinenbau, deren Erosion die Debatte um Arbeitsplätze bislang kaum erfasst.
I. Der Anlass
Inmitten der Debatte um Sparpläne in der deutschen Automobilindustrie hat VDA-Präsidentin Hildegard Müller eine bemerkenswerte Formulierung gewählt. Neben den erwartbaren Verweisen auf „Kostendisziplin“ und „notwendige Personalanpassungen“ findet sich ein Satz, der über die übliche Verbandsrhetorik hinausgeht: Die deutschen Werke bei Herstellern und Zulieferern seien so nicht zu halten. Man müsse die Standorte hier auch für ausländische Hersteller öffnen – mit jedem Werk, das gehalten werden könne, halte man auch Arbeitsplätze.
Auf den ersten Blick liest sich das wie eine pragmatische Anpassung an veränderte Marktrealitäten. Bei genauerer Betrachtung – und das ist die These dieses Beitrags – handelt es sich um etwas Grundsätzlicheres: um die öffentliche Preisgabe einer über Jahrzehnte gewachsenen Selbstbeschreibung der Branche, eine Kapitulation, deren Konsequenzen weit über die Automobilindustrie hinausreichen.
II. Kapitulation statt Druckmittel
Eine naheliegende erste Deutung wäre, die Aussage als taktisches Druckmittel zu lesen: Wenn die deutschen Hersteller ihre Werke nicht selbst auslasten, tue es eben jemand anderes – ein Satz, der internen Reformdruck erzeugen soll. Diese Lesart hat jedoch einen strukturellen Konstruktionsfehler. Ein Arbeitgeberverband, der seinen eigenen Mitgliedern öffentlich mit ausländischer Konkurrenz droht, beschädigt die eigene Vertretungsfunktion. Das ist institutionenlogisch unplausibel.
Näher liegt eine andere Deutung: Es handelt sich nicht um eine Drohung nach außen, sondern um eine gereifte Erkenntnis, die die Präsidentin öffentlich ausspricht – dass deutsche Automobilproduktion…
