“Der Kampf um die Zweite Welt – Imperien und Einfluss in der neuen Weltordnung” von Parag Khanna

Von Ralf Keuper

Parag Khanna hebt in seinem Buch die Bedeutung der Länder der sog. „Zweiten Welt“ hervor, die seiner Ansicht nach, insbesondere in den westlichen Ländern, noch immer nicht die Aufmerksamkeit genießen, die ihnen zukommt – ein Fehler, wie er meint.

Denn gerade die Länder der „Zweiten Welt“ wie bspw. Brasilien können in ihrer Funktion als „Zünglein an der Waage“ beim Wettlauf zwischen den USA, der EU und China um die Vorherrschaft in der Welt die Entwicklung in ihrem Sinne beeinflussen – diplomatisches Geschick vorausgesetzt, weshalb die >Imperien< gut beraten sind, um die Gunst der Länder der Zweiten Welt heftigst zu werben.

In den weiteren Kapiteln gibt Khanna einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Weltregionen, wobei ich immer wieder von der Detail- und Ortskenntnis beeindruckt bin, die er seinen Besuchen in den jeweiligen Regionen verdankt. Weder verfällt er dabei im Plauderton noch langweilt er durch die Aneinanderreihung von Fakten. Man spürt deutlich, dass hier jemand seine Eindrücke niederschreibt, dem große Sachkenntnis und ein hohes persönliches Engagement zu eigen sind.

Insofern kommt es nicht von ungefähr, dass sich während der Lektüre der eine oder andere Aha-Effekt einstellt, wie z.B. bei der Schilderung der Zukunft des sibirischen Russland, dem rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Chiles bis hin zu dem nach wie vor ambivalenten Verhältnis der arabischen Länder zum westlichen Lebensstil, wie er insbesondere am Beispiel Dubais plastisch vor Augen geführt wird.

Die Qualität der Argumentation hält sich fast bis zum Schluss des Buches, wo es dann, für mich überraschend, zu deutlichen Einbußen kommt. So bestehen für ihn kaum Zweifel daran, dass China in Zukunft den asiatischen Raum dominieren wird, ohne dabei auf die immensen innenpolitischen Probleme in China mit der Detailliertheit einzugehen, die er zuvor bei wesentlich kleineren Ländern an den Tag legte. In dem Zusammenhang für mich völlig unverständlich ist, dass er Indien, der immerhin größten Demokratie der Welt und dem demnächst wohl auch bevölkerungsreichsten Land der Welt, kaum bis gar keine Beachtung schenkt. Da stimmen schlichtweg die Proportionen nicht.

Sofern man sich der genannten Schwächen bewusst ist, schließt man die Lektüre jedoch mit einigem Gewinn ab.

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