Warum Startups und Wirtschaftsförderer nur schwer zusammenfinden

Von Ralf Keuper

Die Beziehung der Wirtschaftsförderung zu neuen Unternehmen bzw. Unternehmensgründern war wohl schon immer speziell. Häufig stellt sich die Frage, ob Unternehmensgründungen wegen oder nicht eher trotz der Wirtschaftsförderung Erfolg hatten.
Unstrittig dürfte sein, dass die beste Wirtschaftsförderung nichts nützt, wenn es an Ideen und Personen fehlt. Hinzu kommt der Zeitfaktor. Kurzum: Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Trifft dies zu, dann können sich Wirtschaftsförderung und (junge) Unternehmer ergänzen, vielleicht sogar ihre Wirkung potenzieren.

So weit so gut.

Im Fall der Startups gestaltet sich die ohnehin schon komplizierte Beziehung noch schwieriger, zumindest wenn man Brad Felds Gedanken dazu Revue passieren lässt. Feld kann eine Gewisse Skepsis gegenüber (kommunalen) Wirtschaftsförderprogrammen nicht verhehlen, wie er sie in seinem Buch Startup Communities – Building an Entrepreneurial Ecosystem in Your City zu Protokoll gibt. Das Kernproblem besteht für Feld darin, dass Regierungen/Kommunalverwaltungen streng hierarchisch ausgerichtet sind, während Startups das genaue Gegenteil verkörpern:

Government operates as a hierarchy: There are clear roles, chain of command, approval and resource allocation processes, and bureaucracy. In contrast, the best startup communities operate as networks: a broad, loosely affiliated set of leaders and organizations that are working in parallel on a variety of different initiatives. There is rarely a leader of a network, just nodes that are interconnected. Entrepreneurs live in networks. Government lives in hierachy. Although mixing the two isn’t fatal, having a network depend on hierarchy, is, as Oliver Williamson explains in his classic book, Market and Hierarchies.

Und an anderer Stelle schreibt er:

When a startup community starts relying on government to be a leader, bad things happen. First, government often has less money to apply to things than people think it does. As a result, there’s often a big mismatch between expectation and reality when it comes time to actually fund something. Next, very few people in government have a background as entrepreneurs, and, as a result, they don’t really understand startups in any depth. Consequently the language, the activities, and the interactions are awkward and often ineffective. Government also moves at a much slower pace than entrepreneurs and, when it’s in a leadership role, it stifles the individual leadership that emerges. Finally, government runs on a very different time cycle – typically two to four years – than entrepreneurs do.

Es fehlt demnach auf Seiten der Wirtschaftsförderer nicht oder kaum an gutem Willen, sondern an den passenden Strukturen, dem passenden Organisationsmodell, dem, Beratersprech: Mind Set.
Ob der Sachverhalt sich wirklich so einfach darstellen lässt? Ganz daneben liegt er jedenfalls nicht, wie verschiedene Untersuchungen zeigen, wie die von Kristoffer Möller und Robert K. von Weizsäcker und Martin Steininger.

So richtig auf einer Wellenlänge werden Wirtschaftsförderer und Unternehmensgründer wohl auch künftig nicht liegen.

Allerdings gibt es Beispiele, die für mich, jedenfalls auf den ersten Blick, in die richtige Richtung weisen, wie das Berlin Business Location Center.

Weitere Informationen:

„New Business Order. Wie Start-ups Wirtschaft und Gesellschaft verändern“ von Christoph Giesa und Lena Schiller-Clausen

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