Paradigmenwechsel im Management Consulting #1

Von Ralf Keuper

In seiner Artikelserie Why Management Consulting Will be Disrupted ging Jay Deragon kürzlich auf den Paradigmenwechsel ein, der sich derzeit im Management Consulting vollzieht bzw. seine Schatten vorauswirft. 
Zuvor hatte er sich in einem anderen Beitrag kritisch mit dem Beratungsansatz von McKinsey auseinandergesetzt, den er in Zeiten der Relationship-Ecnomy, deren Schwerpunkt auf den sog. Intangibles (Human Capital, Structural Capital, Relationship Capital, Strategic Capital) liegt, nicht mehr angemessen ist. 

Haupteinwand Jay Draegons an dem landläufigen Management Consulting ist, dass ihre führenden Vertreter noch immer in den Kategorien des Industriezeitalters denken, das stark vom Konkurrenzdenken geprägt ist. Künftig, in der Collaborative Economy,  ist jedoch mehr Kooperation angesagt. Zusammen lässt sich mehr erreichen. Teilen und gegenseitige Unterstützung gehören hier wie selbstverständlich zum Verhaltensrepertoire der Mitglieder. Das wiederum ist Ausdruck einer neuen Denk- und Arbeitsweise, die sich diametral zum Ansatz der meisten Beratungshäuser verhält, was Draegon u.a. als In-the-box-Denken bezeichnet.

Demzufolge praktizieren die meisten Beratungshäuser in etwa das, was der Philosoph Hans Albert einmal als Modellplatonismus bezeichnet hat. Vor allem McKinsey ist für seinen daten- und faktengetriebenen Ansatz bekannt, der zwar wissenschaftstheoretisch vorgeht, jedoch die Defizite des Denkens innerhalb eines vorgegebenen Rahmens, hier verkürzt dargestellt durch das Denken des Industriezeitalters, nicht überwinden kann. Hierfür wäre ein Perspektivenwechsel, ein neues Paradigma im Sinne von Thomas S. Kuhn nötig. Statt die Zukunft auf Basis von Hypothesen, die sich auf Daten und Erfahrungen der Vergangenheit stützen, gestalten zu wollen, sind neue Wege und Verfahren nötig. Ein Mangel, den Greg Satell mit seiner Bayesian Strategy beheben will. 

In der Collaborative Economy kann das Geschäftsmodell eines Unternehmens quasi über Nacht obsolet werden bzw. in die Value Outflow-Phase nach Adrian Slywotzky eintreten.  Jeremiah Owyang von der Altimeter Group hat eine Typologie der Collaborative Economy entworfen, die den Wandel verdeutlicht, der sich in Wirtschaft und Gesellschaft vollzieht, und von dem natürlich auch die Beratungshäuser nicht verschont bleiben, gerade weil ihr eigentliches Kapital aus Ideen, Theorien und Kreativität besteht.

Inzwischen stehen die neuesten Ideen, Theorien und Erfahrungsberichte häufig frei im Internet zur Verfügung, können ausgetauscht, besprochen und verändert, d.h. an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden. Die Formulierung von Hypothesen und ihre Überprüfung hat sich ins Netz verlagert. Dort werden Ideen und Theorien quasi in Echtzeit bewertet, was der Bayesian Strategy nahe kommt. Brainstorming im Netz bzw. in Netzwerken. Das Wissensmonopol, der Wissensvorsprung der Beratungshäuser ist dahin. 
Der Markt ist in Bewegung. Roland Berger steht in Fusionsverhandlungen und Booz & Co könnte bald zu Accenture gehören. 

Beispiel für den Paradigmenwechsel im Management Consulting ist für Draegon u.a. das Netzwerk oDesk, das freiberufliche Berater und Kunden zusammenbringt und inzwischen, gemessen am vermittelten Auftragsvolumen, zu den Top 15 der Beratungsbranche zählen würde. Besonders aufgefallen ist mir in letzter Zeit die hohe Anzahl von Beratungen, die aus dem Design-Umfeld stammen und sich auf die Bereiche Innovation und Ideenmanagement konzentrieren. Bekanntestes Beispiel ist wohl IDEO. Interessant sind auch Plattformen wie das Catalyst Program

Walter Kiechel, ausgewiesener Kenner der internationalen Beratungsszene, beschreibt in seinem empfehlenswerten Buch The Lords of Strategy die Entwicklungsstufen, die die Strategieberatungen in den letzten Jahrzehnten durchlaufen haben. Die Zukunft der Beratung sieht Kiechel in dem, was man verkürzt als Strategische Frühaufklärung bezeichnen könnte, wie sie Igor Ansoff und Andy Grove propagieren. Ebenso hilfreich sind die Gedanken von Don Tapscott in Rethink  Strategy in a Networked World. Hierzu wäre allerdings eine Blickverschiebung von Inside-the box zur Outside-the Box und damit ein anderer Mind Set nötig. 

Mary Adams hat mit einem weiteren Artikel nachgelegt. 

Fortsetzung folgt .. 

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