Foxconn, Pegatron, Luxshare — Namen, die kaum jemand kennt, obwohl sie fast jedes Smartphone, jeden Laptop und bald womöglich jedes Elektroauto bauen. Das EMS-Segment, die unsichtbare Fertigungsinfrastruktur hinter den großen Marken, ist längst keine rein asiatische Geschichte mehr. Foxconn produziert seit dem Jahr 2000 in Tschechien und plant gemeinsam mit dem französischen Rüstungskonzern Thales ein 250-Millionen-Euro-Halbleiterwerk in Frankreich. BYD Electronics sitzt seit 2008 in Ungarn. Luxshare hat die deutsche Leoni AG übernommen. Die asiatischen EMS-Giganten sind in Europa angekommen — als Produzenten, Investoren und zunehmend als Wettbewerber.

Das Fundament dieses Ökosystems hat Apple gelegt. Die Foxconn-Gigafabrik in Zhengzhou mit zeitweise 300.000 Beschäftigten, die Präzisionskompetenz von Luxshare, die Skalierbarkeit von Pegatron — all das ist zu wesentlichen Teilen ein Nebenprodukt jahrzehntelanger iPhone-Fertigung. Apple hat Standards gesetzt, Kapital vorfinanziert und ein Zuliefererekosystem aufgebaut, das heute weit über Consumer Electronics hinauswirkt. Nun zieht Apple sich schrittweise zurück — und die EMS-Anbieter suchen den nächsten Ankerakquisiteur. Sie finden ihn im Automobilbereich.

Doch das Bild wäre unvollständig ohne die andere Seite: Flex, Jabil, Sanmina und das bayerische Familienunternehmen Zollner Elektronik zeigen, dass EMS auch anders geht — mit Fokus auf Komplexität, Regulierungskonformität und Engineering-Tiefe statt auf Massenvolumen und Kostendruck. Diese Differenzierung ist ihre Überlebensstrategie. Und genau diese Grenze gerät durch den Automotive-Vorstoß der asiatischen Anbieter zunehmend unter Druck.

Was das für europäische Konzerne wie Siemens und Bosch, für den deutschen Mittelstand — der seinen Lieferketten nach China gefolgt ist, aber kaum Antworten auf die veränderte Lage hat — und für die europäische Industriepolitik bedeutet, zeigt der aktuelle Econlittera- Report.


1. Strukturüberblick: Das EMS-Segment

Electronic Manufacturing Services (EMS) bezeichnet die Auftragsproduktion von Elektronikkomponenten und vollständigen Geräten für Markenunternehmen, die selbst keine Fertigungskapazitäten vorhalten wollen oder können. Das Segment ist durch eine ausgeprägte geographische Konzentration in Ost- und Südostasien gekennzeichnet — mit Taiwan als strategischem Heimatmarkt für die Konzernzentralen und China als dominantem Fertigungsstandort.

Die Branche durchläuft derzeit zwei parallele Transformationsprozesse: Erstens eine schrittweise Diversifizierung der Produktionsstandorte infolge geopolitischer Spannungen und amerikanischer Handelspolitik. Zweitens eine Ausweitung des Fertigungsportfolios in Richtung Automobilelektronik und vollständiger Fahrzeugmontage — ein struktureller Sprung, der das EMS-Segment in direkte Konkurrenz zu etablierten Tier-1-Zulieferern bringt.

2. Die wichtigsten Akteure im Überblick

2.1 Foxconn (Hon Hai Precision Industry)

Foxconn bleibt der mit Abstand größte EMS-Anbieter weltweit. Das taiwanesische Unternehmen produziert primär in China (Zhengzhou, Shenzhen, Chengdu) und hat über sein Joint Venture Foxtron mit dem taiwanesischen Automobilhersteller Yulon eine dezidierte EV-Fertigungsplattform aufgebaut. Seit Anfang 2025 laufen intensive Verhandlungen mit Mitsubishi Motors über die Auftragsfertigung von Elektrofahrzeugen; eine Absichtserklärung wurde im Mai 2025 unterzeichnet. Das ursprüngliche Ziel eines 5-prozentigen EV-Marktanteils für 2025 wurde indes zurückgenommen — ein Hinweis auf die strukturellen Schwierigkeiten beim Eintritt in den Automobilmarkt.

2.2 Pegatron

Pegatron ist ein taiwanesischer EMS-Konzern mit erheblicher Fertigungspräsenz auf dem chinesischen Festland, spezialisiert auf Apple-Produkte, Consumer-Electronics und Kommunikationstechnik. Das Unternehmen gehö…