“Der Bankier des Königs. Jacques Necker – Finanzminister am Vorabend der Revolution” von Wolfgang Oppenheimer

Von Ralf Keuper

Wolfgang Oppenheimer setzt mit seinem Buch Der Bankier des Königs einer Person ein Denkmal, die zu Unrecht den meisten Menschen heute unbekannt ist. Dabei handelte es sich bei Jacques Necker um eine der Schlüsselfiguren während der letzten Jahre des Ancien Regime unter Ludwig XVI.

Gebürtig aus der Stadt Genf und obendrein Protestant, griff der Hof um Ludwig den XVI nur ungern auf die Dienste des ausgewiesenen Finanzmannes Jacques Necker zurück. Dieser genoss in der Bankenbranche Europas als Inhaber eines erfolgreichen Bankhauses bereits einen exzellenten Ruf – insbesondere in England, dessen Finanzwesen und politischem System er sich besonders zugetan fühlte, was seine Stellung am französischen Hof erschwerte.

Dennoch war Necker ein Patriot, ein Franzose aus Überzeugung. Ohne sein Finanzgenie und diplomatisches Geschick wäre das Ancien Regime gewiss schon früher zusammengebrochen. Abgesehen davon war Necker ein brillanter Schriftsteller. Ein Talent, das seine deutlich berühmtere Tochter, Madame de Stael, von ihm geerbt hat.

Seine Schrift über die Finanzverwaltung des Staates war zum Zeitpunkt ihres Entstehens einzigartig. Ebenso ungewöhnlich war, dass Necker die Finanzlage des französischen Staates in einem Rechenschaftsbericht der Öffentlichkeit zugänglich machte, zu einem Zeitpunkt, als Transparenz in Angelegenheiten der Regierung, noch dazu in einem absolutistischen Staat, ein Fremd- bzw. Unwort war.

Die 100.000 kostenlosen Exemplare fanden in der französischen Bevölkerung reißenden Absatz, was für den damaligen Bildungsstand und die Einwohnerzahl sehr beachtlich ist. Auch die Enzyklopädisten um Diderot und D’ Alembert waren in ihrem Lob fast schon überschwenglich.

Günter Schmölders ist da in seinem Buch Das Irrationale in der öffentlichen Finanzwirtschaft distanzierter. Zwar hebt auch er die historische Bedeutung der Veröffentlichung des Budgets hervor, jedoch nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Zahlen manipuliert waren:

Die Budgetpublizität erfüllte dabei allerdings keineswegs immer zugleich auch die Forderung nach Wahrheit und Klarheit des Budgets. In Neckers Budget war die Summe der Einnahmen mit rd. 264 Mill., die der Ausgaben mit rd. 254 Mill. Livres veranschlagt, so dass sich trotz beträchtlicher Ausgaben für Schuldentilgung noch ein Überschuss von rd. 10 Mill. Livres ergab. In Wirklichkeit waren aber die Ausgaben, wie R. Stourm errechnet hat, rund doppelt so hoch wie die Einnahmen, da der Voranschlag die Kriegsausgaben nicht mitumfasste; “

Neben der Finanzpolitik waren Necker und seiner Frau, die in Paris einen beliebten Salon führte, die Sozialpolitik ein großes Anliegen, von denen die Bettler, Kranken und Findelkinder profitierten. Darüber hinaus reformierten die Neckers die damalige Krankenversorgung von Grund auf.

Das Beispiel zeigt, dass Bankiers durchaus ein soziales Gewissen haben können, ohne damit in Konflikt mit ihren geschäftlichen Interessen zu geraten. In den letzten Jahrzehnten haben diese Tradition vor allem Alfred Herrhausen, F. – Wilhelm Christians und Jürgen Ponto fortgesetzt. Davor waren es Max und Siegmund Warburg.

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