The Science of Muddling Through – Die Kunst des „Sich-Durchwurschtelns“

Von Ralf Keuper

Obgleich die Strategische Planung über die Jahrzehnte immer verfeinert wurde und über Unternehmensberater Eingang in die Wirtschaft und Politik fand, hat sich die Kunst des Sich-Durchwurschtelns (The Science of Muddling Through) behaupten können. Der Politikstil von Bundeskanzlerin Merkel und ihrer Regierung kommt dieser Methode recht nahe.

In den Rang einer wissenschaftlichen Lehre erhoben hat die Kunst des Sich- Durchwurschtelns im Jahr 1957 Charles E. Lindblom in seinem Aufsatz The Science of „Muddling Through“. Auf Wikipedia heisst es:

Der Ausgangspunkt der Überlegungen Lindbloms ist die Begrenztheit einer jeden Ganzheitsbetrachtung eines sozialen Systems. Gesamtpläne führen daher bei der direkten Umsetzung notwendig zu unerwarteten und unerwünschten (Neben-)Folgen.

Das hat Ähnlichkeit mit der Stückwerk-Sozialtechnik von Karl Popper.

Im Wirtschaftslexikon lesen wir dazu:

Der Ausdruck „Stückwerk“ soll betonen, dass diese Sozialtechnik – im Unterschied zur utopischen oder holistischen Planung bzw. Sozialtechnik – die Gesellschaft nicht „als Ganzes“ (im Sinne vonTotalität) neu planen und gestalten will, sondern auch sehr weitreichende gesellschaftliche Veränderungen nur durch schrittweise kleine Eingriffe zu erreichen sucht, die sich stets korrigieren oder zurücknehmen lassen, wenn sie die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Die S.-T. unterscheidet sich also von der holistischen Sozialtechnik nicht so sehr in der „Grössenordnung“ ihrer Ziele (Popper nennt z.B. ausdrücklich die Verhinderung von Wirtschaftskrisen, den „Export der Demokratie in den Nahen Osten“ und sogar die Änderung der Klassenstruktur der Gesellschaft als mögliche Gegenstände der S.-T.) als vielmehr durch die grössere Behutsamkeit und Kontrolliertheit ihres Vorgehens, die ein Lernen durch Versuch und Irrtum ermöglichen.

In der Politik jedenfalls erfreut sich das Muddling Through großer Beliebtheit, wenn es darum geht, eine verfahrene Situation zu bewältigen, wie den Brexit (Vgl. dazu: ‘Muddling through’ is a sound approach to Brexit uncertainty).

Wichtig erscheint mir, den Zeitpunkt zu finden, von dem an das Sich-Durchwurschteln an seine Grenzen gelangt und in die Leere läuft bzw. nur noch aus Gewohnheit betrieben wird; hin und wieder braucht es auch mal den Mut zum etwas größeren Wurf.

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