Ein amerikanisches Start-up produziert Seltene Erden ohne China und ohne Umweltzerstörung. Die Technologie funktioniert. Doch Pfadabhängigkeit, industrielle Ökosysteme und vier Jahrzehnte Industriepolitik lassen sich nicht mit einem besseren Elektrolyseverfahren überwinden.
Die Hoffnung aus New Hampshire
Wenn in diesen Tagen von der Entkopplung westlicher Lieferketten die Rede ist, fällt früher oder später der Name Phoenix Tailings. Das Start-up aus Exeter, New Hampshire, hat etwas geschafft, was lange als unmöglich galt: Es produziert Seltene-Erden-Metalle auf amerikanischem Boden, ohne toxische Abwässer, ohne radioaktive Schlämme, ohne direkte CO₂-Emissionen. Die ersten Kunden sind Autohersteller und das Pentagon. Die Bewertung liegt bei knapp 200 Millionen Dollar. Die Geschichte klingt, als hätte jemand das Drehbuch für den perfekten Technologie-Durchbruch geschrieben.
Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Phoenix Tailings ist weniger ein Befreiungsschlag als ein Lehrstück darüber, wie tief die westliche Abhängigkeit von China tatsächlich reicht – und warum sie sich nicht mit ein paar cleveren Verfahrensinnovationen auflösen lässt.
Was Phoenix Tailings wirklich anders macht
Der technische Kern des Unternehmens verdient Respekt. Während die chinesische Industrie Seltene Erden seit Jahrzehnten in energieintensiven Fluorid-Schmelzen bei über 1.000 Grad Celsius reduziert – mit Graphitanoden, die CO₂ und klimaschädliche Perfluorcarbone freisetzen –, arbeitet Phoenix Tailings mit einem chloridbasierten System bei niedrigeren Temperaturen. Die Schmelzsalze lassen sich im Kreislauf führen, es entstehen keine giftigen Nebenprodukte, und der Energieverbrauch liegt nach Unternehmensangaben 35 bis 45 Prozent unter dem konventioneller Verfahren.
Unabhängige Laborstudien bestätigen das Prinzip. Forscher der Case Western Reserve University haben gezeigt, dass chloridbasierte Elektrolyse von Neodym mit speziellen Anoden eine Coulomb-Effizienz von über 80 Prozent erreicht – bei einem spezifischen Energieverbrauch von nur 2,3 Kilowattstunden pro Kilogramm Metall. Die Lebenszyklusanalyse zeigt eine CO₂-Reduktion von 44 bis 69 Pro…
