“Selbstführung: Wie sich kreative Entrepreneure erfolgreich organisieren” von Burkhard Bensmann

Von Ralf Keuper

Nach Die Kunst der Selbstführung: Erkenntnisse aus Interviews mit Führungskräften und führenden Kräften legt Burkhard Bensmann mit Selbstführung: Wie sich kreative Entrepreneure erfolgreich organisieren ein weiteres Buch vor.

Dazu führte Bensmann Interviews mit mehreren Unternehmern, z.B. mit Ingo Maurer, Titus Dittmann, Friedhelm Wiesmann und Dieter Burmester – allesamt unternehmerische Menschen, von denen man nach Ansicht von Bensmann einiges lernen kann.

Für Bensmann zeichnet sich ein Entrepreneur durch folgende Eigenschaften aus:

  • erkennt Marktchancen
  • generiert Geschäftsideen, -modelle und Produkte und/oder Dienstleistungen (neue oder verbesserte)
  • investiert eigene Ressourcen (Energie, Zeit, Kapital)
  • trägt ein persönliches Risiko
  • koordiniert fremde Ressourcen (Mitarbeiter, Partner, Fremdkapital usw.)
  • schafft Strukturen (Organisation, Produktion, Vertrieb usw.)
  • steuert sich so, dass seine Stärken wirksam werden können.

Immer wieder taucht in dem Buch der Begriff Wirksamkeit auf. Hier folgt Bensmann den Gedanken von Fredmund Malik und Peter F. Drucker, die der Wirksamkeit eine besondere Bedeutung für die Selbstführung einräumen.

Bereits in seinem 1966 erschienenen Buch Die ideale Führungskraft beschrieb Peter F. Drucker seine Vorstellungen von Wirksamkeit u.a. wie folgt:

  • Effektiv arbeitende Führungskräfte konzentrieren sich auf einen Beitrag nach außen. Sie richten ihre Anstrengungen mehr auf die Ergebnisse als auch die Tätigkeit an sich. Sie gehen von der Frage aus: >>Was für Resultate werden von mir erwartet?<< und weniger von der Arbeitstechnik und den Arbeitshilfsmitteln.
  • Effektiv arbeitende Führungskräfte stützen sich auf die positiven Kräfte – ihre eigenen, die ihrer Vorgesetzten und Untergebenen; und auf die positiven Seiten der Situation, d.h., auf das, was man daraus machen kann. Sie konzentrieren sich nicht auf Schwächen. Sie arbeiten daran, die Möglichkeiten und Chancen zu nutzen.

Bensmann definiert Selbstführung so:

Selbstführung umfasst Einstellungen und Methoden zur zielgerichteten Führung der eigenen Person. Selbstführung basiert wesentlich auf Selbsterkenntnis, Selbstverantwortung und Selbststeuerung.

Daran anschließend stellt Bensmann die sieben Felder der Selbstführung vor:

  • Vision und Mission
  • Projekte und Produkte
  • Mehrwert
  • Körper, Geist und Seele
  • Prozesse und Strukturen
  • Partner, Mitarbeiter und Netzwerk,
  • Fähigkeiten und Selbstentwicklung

Die interviewten Entrepreneure werden anhand der genannten sieben Felder charakterisiert.

Auffallend ist, dass die Mehrzahl der befragten Entrepreneure eine Manufaktur betreiben, wie Wiesmann, Burmester und Grieger, d.h. der Bezug, die Liebe zum Produkt, häufig ein Unikat, ist besonders ausgeprägt. Die Leitungsspanne liegt daher selten bei über 100 Mitarbeitern.

Eine alle Personen verbindende Charaktereigenschaft ist, dass sie sich nur ungern von anderen führen lassen. Der Unabhängigkeitsdrang ist eine wichtige Quelle der Motivation und damit auch der Selbstführung.

Weiterer vorherrschender Charakterzug ist die Fähigkeit, unvoreingenommen an eine Aufgabe heranzugehen und Dinge, die anderen als selbstverständlich gelten, in Frage zu stellen. Dadurch kommt es, dass die vorgestellten Entrepreneure relativ unerschrocken an neue Aufgaben herangehen, was wiederum dazu führt, dass sie Chancen erkennen, die anderen verborgen bleiben. Zwar verfügen alle der Interviewten über eine profunde Ausbildung und einen großen Erfahrungsschatz, jedoch waren sie in ihrem Gebiet zunächst “nur” Anfänger, Amateure, wenn man so will.

Sobald sie einmal Feuer gefangen haben, sind sie kaum noch aufzuhalten und in der Lage, Rückschläge und lange Durststrecken zu überstehen. Ihre Energiequellen scheinen nicht zu versiegen, u.a. auch deshalb, da sie Erholungsphasen in ihren Alltag einbauen und nicht ins Extrem verfallen.

Der Sog, den sie erzeugen, zieht Mitarbeiter, Partner und Kunden in ihren Bann. Alles zusammen bildet ein Netzwerk  bzw. ein Ökosystem, das den Erfolg vielleicht nicht garantiert, ihn aber überhaupt erst ermöglicht.

Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass der Erfolg des Unternehmens mit dem Gründer bzw. Inhaber steht und fällt. Die Unternehmen sind so stark von der Persönlichkeit des Entrepreneurs geprägt, dass ein reibungsloser Übergang auf einen Nachfolger sehr schwer ist.

Wie insbesondere das Beispiel des in dem Buch ebenfalls portraitierten Leo Lübke zeigt, stossen Entrepreneure ab einer bestimmten Unternehmensgröße allem Anschein nach an ihre Grenzen. Wer schon einmal in einem inhabergeführten mittelständischen Unternehmen beschäftigt war, macht häufig die Erfahrung, dass ab einer Mitarbeiterzahl von 150 die Managementfähigkeiten des Gründers bzw. Inhabers deutlich nachlassen.

Das alles schmälert jedoch nicht den Gewinn, den man aus der Lektüre des Buches ziehen kann, da es all jenen Mut macht und Anregungen liefert, die einen ähnlichen Drang in sich verspüren, wie Burmester, Wiesmann und Co..

Video: Die Kunst der Selbstführung – Interview mit Burkhard Bensmann

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