Deutschland will im Supercomputing vorne mitmischen

Von Ralf Keuper

Der Erfolg einer Volkswirtschaft wird nach Auffassung vieler Beobachter künftig davon abhängen, welche Erkenntnisse sie aus der Auswertung bzw. Simulation größter Datenmengen ziehen kann. Das wichtigste Werkzeug hierfür sind sog. Supercomputer oder Höchstleistungsrechner, die pro Stück schon mal mehrere hundert Millionen Euro kosten können.

Die leistungsfähigsten ihrer Art stehen derzeit in den USA und China. In Europa sind  Großbritannien, Deutschland und Frankreich die Länder mit den meisten und leistungsfähigsten Supercomputern.

In Deutschland sucht den Supercomputer in der FAZ vom 27.06.2018 heisst es:

Mit der Leistung dieser Rechner lässt sich in Wissenschaft und Wirtschaft einiges anfangen. In der Industrie wie in der in der Grundlagenforschung läuft schon heute ohne Supercomputer wenig. Weder Astro- noch Teilchenphysiker noch die Entwickler neuer Kunststoffe oder neuer Medikamente zur Heilung von Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer können auf sie verzichten. Selbststeuernde Systeme für Autos, Flugzeuge oder Raketen werden mit Hilfe von Supercomputern entwickelt. In der Wetter- und Klimaforschung sind sie unabdingbar.

Die EU will mit einer Supercomputer-Initiative den Rückstand zu den USA und China in den nächsten Jahren aufholen. Über die Standorte der neuen Superrechner wird derzeit noch verhandelt. Gute Chance haben das Kernforschungszentrum Jülich in der Nähe von Aachen, das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart und das Leibniz-Rechenzentrum in Garching bei München. Die drei Einrichtungen haben sich vor einiger Zeit zum Gauss Supercomputer-Zentrum zusammengeschlossen.

Zur Arbeit des Verbundes:

Unter anderem organisieren sie die Beschaffung von Hardware, die Vergabe von Rechenzeit an Wissenschaftler, die Entwicklung von Software sowie generell die Forschungsaktivitäten.

Nach Ansicht des Chefs des Gauss-Supercomputing Zentrums, Michael Resch, stehen die Chancen gut, dass Europa im Wettlauf der Höchstleistungsrechner vorne mitmischen kann. Ohne eigene Recheninfrastruktur seien die europäischen und deutschen Hersteller von Automobilen und Maschinen auf Rechner in den USA und China angewiesen.

Bewertung / Einordnung

Es ist wohl unstrittig, dass Europa eine leistungsfähige Rechnerinfrastruktur benötigt, wenn wir nicht von den USA und China (und demnächst weiteren Ländern) abhängig werden wollen. Das kann nicht im Interesse der hiesigen Wirtschaft und Gesellschaft sein. Ein Mindestmaß an digitaler Souveränität ist dringend nötig, um die Chancen der digitalen Wirtschaft (Vernetzte Maschinen und Autos, Internet der Dinge, Smart Services) ergreifen zu können und so zu verhindern, die verlängerte Werkbank der Welt zu werden. Ein gutes Beispiel für eine gelungene gemeinsame Kraftanstrengung Europas ist das Airbus-Projekt. Etwas ähnliches benötigen wir auch für das Supercomputing und weitere Technologie, wie die Distributed Ledger Technologien, wie Blockchain, und im Bereich Künstliche Intelligenz.

In der Regierung kursieren bereits Pläne, wie Deutschland bei der Künstlichen Intelligenz, was die Anwendung betrifft, zur Weltspitze vorstossen kann (Vgl. dazu: Wie Deutschland bei künstlicher Intelligenz aufholen kann).

Das Bundesforschungsministerium fördert in den nächsten Jahren mit 30 Mio. Euro die Kompetenzzentren für Maschinelles Lernen in München, Tübingen, Berlin und Dortmund/St. Augustin (Vgl. dazu: Künstliche Intelligenz intelligent nutzen – BMBF Förderung).

In Darmstadt entsteht derzeit auf einer Fläche von 20 Hektar am GSI Helmholtz-Zentrum für Schwerionenforschung der Teilchenbeschleuniger FAIR (Vgl. dazu: Das Universum im LaborDarmstadt bekommt einen Ringbeschleuniger). Im Jahr 2025 soll das Bauvorhaben, das mehr als 1. Mrd. Euro kosten wird, seine Arbeit aufnehmen. Es wird dann zu den größten seiner Art weltweit zählen. 

Auf Wikipedia erfahren wir dazu:

Mithilfe der Anlage sollen neue Einblicke in die Struktur von Materie und die Entwicklung des Universums erhalten werden. Forschungsfelder sind die Kern-, Hadronen- und Teilchenphysik, die Atom- und Antimateriephysik, die Plasmaphysik und Anwendungen in den Materialwissenschaften, der Biologie und der Biomedizin. Das Projekt FAIR gliedert sich in die Teile Bauwerke, Beschleuniger sowie wissenschaftliche Experimente und Detektoren. Mit den veranschlagten Kosten von 1,357 Milliarden Euro (Preisniveau 2005)[5] sind Bau, Beschleuniger und ein Drittel der Experimente abgedeckt.

Weitere Informationen:

Kanzleramtschef Braun setzt auf ein „neues Wirtschaftswunder“ durch die Digitalisierung

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