Biografien und Netzwerke im Kaffeehandel zwischen Deutschland und Zentralamerika 1920–1959

Aus dem Vorwort:

Der sechste Band dieser Reihe von Christiane Berth beschäftigt sich mit Kaffeehandel. Damit greift die an der Hamburger Universität angenommene solide gearbeitete Dissertation ein für die Hansestadt typisches Thema auf. Sie untersucht erstmals auf breiter Quellengrundlage Biografien und Netzwerke im Kaffeehandel zwischen Deutschland und Zentralamerika in der Zeit von 1920 bis 1959. Der Kaffeehandel zwischen den Kontinenten basierte auf intensiven transatlantischen Netzwerken. Gerade norddeutsche Einwanderer nahmen in der Kaffeeproduktion in den für die Finanzierung wichtigen Banken sowie in den erforderlichen Transportunternehmen eine herausragende Stellung ein. Sie agierten im lokalen wie im internationalen Rahmen.

In ihrer gut lesbaren Studie analysiert Christiane Berth diese Netzwerke in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und arbeitet heraus, wie diese sich in unterschiedlichen Krisensituationen bewährten. Im 19. Jahrhundert dominierten exklusive Kontakte zu den europäischen Märkten und der diplomatische Schutz des Kaiserreiches das Bild. In den 1920er‐ Jahren, vor allem in der Weltwirtschaftskrise von 1929, bröckelten diese Strukturen, im „Dritten Reich“ gerieten sie unter politischen Druck. Viele Kaffee‐Akteure waren, wie die Verfasserin herausgearbeitet hat, offen für die Ideologie der NSDAP‐Auslandsorganisation. Blieb der Erste Weltkrieg nahezu folgenlos, bedeutete der Zweite Weltkrieg eine einschneidende Zäsur: In den 1950er‐Jahren mussten die Verbindungen neu aufgebaut werden. …

Langfristig, so resümiert Christiane Berth, waren vor allem familiäre Netzwerke tragfähig, wohingegen die Beziehungen zu zentralamerikanischen Eliten von den jeweiligen politischen Konstellationen abhängig waren. Zugleich wurden die Verbindungen nach Norddeutschland schwächer, die deutschen Kaffee‐Akteure gingen immer stärker in den einheimischen Kaffee‐Eliten auf. Parallel zu dieser Entwicklung nahm seit den 1980er‐Jahren des 20. Jahrhunderts der Anteil des Kaffees aus Zentralamerika am deutschen Markt ab.

Quelle: Biografien und Netzwerke im Kaffeehandel zwischen Deutschland und Zentralamerika 1920–1959

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