Werden wir zu analytisch?

Von Ralf Keuper

In seinem Blog-Beitrag Are we becoming too analytical? äußerte James Landay Bedenken, ob wir mit der Betonung unserer analytischen Fähigkeiten nicht langsam übertreiben.

Neue Nahrung bekommen die Zweifel nicht zuletzt durch die rasante Verbreitung sog. analytischer Applikationen, die in Sekundenbruchteilen Verbindungen zwischen Daten herstellen können, die selbst dem geübtesten Auge verborgen bleiben würden.

Kann es sein, dass wir irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen?

Aus der Statistik stammt das Phänomen des „Overfitting“(Überanpassung), d.h. man überschätzt die Beziehung zwischen Daten einfach deshalb, da man die unterschiedliche Qualität der Daten, die Trennschärfe, unbeachtet lässt. Eine Annahme wird auf den ersten Blick durch immer mehr Daten bestätigt, so dass andere Daten, die die Annahme widerlegen bzw. modifizieren könnten, unter den Tisch fallen – sie gehen quasi im Datenmeer unter.

Das Problem haben inzwischen einige namhafte Forscher erkannt, wie Gerd Gigerenzer mit seinen Simple Heuristics und neuerdings Ryan Tibshirani.

Die Gefahr der analytischen Blickverengung versucht das Design Thinking zu umgehen, indem es das analytische Denken mit der Intuition kombiniert, d.h. das Denken kann und darf „Sprünge“ machen, oder im Sinne von Charles Saunders Peirce, es darf sich entführen (Abduction) lassen.

Wie man in unserer Zeit selbst aus riesigen Datenmengen wichtige Einsichten gewinnen kann, zeigt Edward Tufte mit seinen Prinzipien der Informationsvisualisierung.

 
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