Was planen die Chinesen mit Kuka?

Von Ralf Keuper

Die Entlassung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden des Roboter-Herstellers Kuka, Til Reuter, hat sowohl im Unternehmen selber wie auch in der deutschen Industrie einige Unruhe ausgelöst und offene Fragen hinterlassen. Intensiv wird nun in den Medien darüber spekuliert, was die Personalentscheidung des chinesischen Mutterkonzerns von Kuka, Midea, zu bedeuten hat. War die Grundlage für die Entscheidung nüchternes betriebswirtschaftliches Kalkül oder aber steckt dahinter eine industriepolitische Überlegung, die sich auf einer Linie mit den Vorstellungen der chinesischen Regierung befindet?

In Was Till Reuters Abgang von Kuka für deutsche Anlagenbauer und die Kuka-Aktie bedeutet schätzt man die Auswirkungen auf die weitere geschäftliche Entwicklung und die Kursentwicklung der Aktien von Kuka als gering ein. Kein Grund zur Sorge. Der AR-Vorsitzende von Kuka, Andy Gu, versuchte in einem Interview die Bedenken zu zerstreuen. Ausschlaggebend für die Entscheidung, Reuter zu entlassen, sei die im Vergleich zu den Mitbewerbern unterdurchschnittliche Performance während der letzten zwei Jahre.

Andere wiederum halten das für vorgeschoben. In Insider berichtet: Warum Kuka-Chef Reuter wirklich geht werden weitere Gründe genannt. Während der letzten Jahre hat der Kuka-Mutterkonzern Midea über Joint-Ventures und die Abwerbung des ehemaligen Europa-Chefs von Fanuc sein Know How im Robotermarkt systematisch ausgebaut.

Damit verfüge Midea über wichtige Informationen von drei der größten Roboterhersteller. Bedenkenswert sei überdies, dass Kuka in einem Joint-Venture mit Midea 400 Millionen Euro in einen neuen Roboterpark in Shunde, dem Firmensitz des Kuka-Mutterkonzerns Midea, investieren wolle. Dort sollen bis 2024 75.000 Roboter gefertigt werden; 4000 Arbeitslätze in den Bereichen Forschung und Entwicklung entstehen am chinesischen Firmensitz. Das deute darauf hin, dass ein großer Teil der Forschung nach China abgezogen und dort konzentriert werde.

In der Vergangenheit war Kuka der Liebling der Wirtschaftspresse, wie bei brand eins in Bei Weltmeistern.

Daraus:

In einer Investorenvereinbarung hat Midea zugesagt, dass bis Ende 2023 alle Jobs sowie die Konzernzentrale in Augsburg bleiben. „Die Verhandlungen waren hart, aber fair. Das Entscheidende ist, dass die Chinesen uns unser Ding machen lassen“, sagt Konzernchef Reuter. …

“Wenn Sie Kollegen fragen, werden die sagen, dass sie wenig von Midea merken. Und wir wachsen weiter. Das alles scheinen mir Zeichen zu sein, dass die Zusammenarbeit sehr gut läuft”.

Ob der ehemalige Konzernchef diese Aussage auch heute noch machen würde, ist nicht bekannt …

Der ehemalige Chef der Roboter-Sparte von Kuka, Manfred Gondel, jedenfalls ist nich ganz so zuversichtlich (Vgl. dazu: Früherer Top-Manager: “Ich mache mir Sorgen um Kuka”).

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